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Schuhwerkstatt in Hanau : Ein Leben mit kaputten Schuhen

In der Werkstatt: Gotthold Zitterbart repariert an seinem Arbeitsplatz in Hanau Schuhe, Taschen und Rucksäcke. Bild: Rainer Wohlfahrt

Vor 60 Jahren begann der Hanauer Gotthold Zitterbart seine Lehre als Schuhmacher. Bis heute arbeitet er in dem 1934 gegründeten Familienbetrieb. Seine Kunden danken es ihm.

          Es gibt sie noch, die Handwerker und Geschäftsleute vom alten Schlag. Für sie ist der Kunde König und der Beruf Lebensinhalt. Aber sie sind nicht mehr leicht zu finden, denn zwischen all den Discountern, Ladenketten und Ein-Euro-Läden werden sie zur Rarität. Einer von ihnen ist Gotthold Zitterbart. Seine Schuhwerkstatt an der Herrnstraße am Rand der Hanauer City ist eine Institution. Hierher kommt, wer seine Schuhe, die Handtasche oder den Rucksack nicht gleich wegwerfen will, nur weil ein Absatz wackelt, eine Naht aufgegangen oder ein Riemen abgerissen ist.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Gotthold Zitterbart nimmt sich dieser Dinge an, gleich, ob es sich um ein teures Markenprodukt oder um eine Billigware handelt. Letztere kommt ihm immer häufiger in die Finger, denn die Sachen gehen viel schneller kaputt als früher, wie er sagt. Trotzdem ist sich der Hanauer Schuhmachermeister nicht zu schade, auch für die einfachsten Dinge noch die beste Lösung zu finden.

          Stolz auf guten Kontakt zur Kundschaft

          Vielleicht ist es die ruhige Art, wie der Meister die Dinge in die Hand nimmt, die ihm seit Jahrzehnten die Treue seiner Stammkundschaft einbringt. Freundlich verspricht er dem Kunden, dass er das Stück schon wieder hinbekommen werde. Was es kostet, das sagt er gleich dazu, und fast immer sind es sehr überschaubare Beträge.

          An diesem Vormittag kommen die Leute nicht gerade in Strömen, aber in regelmäßigen Abständen öffnet sich die Ladentür unter der blau-weißen Markise. Eine ältere Dame holt einen Rucksack ab, ein Mann bringt seine Wanderschuhe zur Reparatur, und eine junge Frau hofft auf die Wiederherstellung eines roten Täschchens, an dessen Verschluss eine kleine Schraube fehlt. „Sehen Sie“, meint Zitterbart, „das Gewinde ist so klein, da kann ja gar keine Schraube halten. Es ist schon so gemacht, damit es bald auseinanderfällt.“

          Dass die Schuhwerkstatt von Gotthold Zitterbart etwas ganz Besonderes ist in Hanau, das ist auch daran abzulesen, dass viele der Eintretenden den Mann hinter der Verkaufstheke mit dem Namen anreden und dass man untereinander ein paar persönliche Worte wechselt. Auf den guten Kontakt zu seiner Stammkundschaft ist Zitterbart stolz und auch auf den langen Weg, der hinter ihm liegt.

          Meisterbrief rechtzeitig in den Händen

          Denn die Schuhmacherei Zitterbart blickt auf eine lange Tradition zurück. Gegründet wurde das Geschäft im Jahr 1934 von seinem Vater Franz Zitterbart, damals noch in Pilsen in der Tschechoslowakei. Auf den Umzug ins Sudetenland folgte im Jahr 1946 die Vertreibung. Die Familie kam in den heutigen Hanauer Stadtteil Klein-Auheim, wo sich Vater Franz mit der Anfertigung von Maßschuhen eine neue Geschäftsgrundlage schuf.

          Eifrige Abnehmer waren die amerikanischen Soldaten und ihre Frauen, die sich die Maßanfertigungen vom saloppen Herrenschuh bis zu schwindelerregend hohen Pumps locker leisten konnten. Einen Rohling aus Leder, rundum gespickt mit Nägeln, hat Sohn Gotthold bis heute aufbewahrt. Es war das letzte Stück, an dem sein Vater arbeitete, bevor er unerwartet im Jahr 1966 starb.

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