Das Geschäft prickelt. Gerade in diesen Tagen. Mancher kann es kaum erwarten, die zu Perlwein gewordenen leichten Sommerspezialitäten kistenweise in Empfang zu nehmen. Derweil schielen andere Winzer darauf, dass einer der mehr als 50 Edelstahltanks endlich für ihren Grundwein frei wird. Schließlich soll daraus bis zum Jahresende jener Winzersekt entstehen, mit dem sich die jeweiligen Stammkunden an Weihnachten und Silvester zuprosten möchten.
Wer die Mindestmenge von 1350Litern zusammenbekommt, kann sich dafür an die vor gut 50Jahren gegründete Sektkellerei „Goldhand“ wenden. Für diesen Abfüllservice ist der in dritter Generation geführte Familienbetrieb ohnehin der einzige Anbieter in Mainz; obwohl sich die als „Great Wine Capital“ ausgezeichnete Rheinhessen-Kommune seit geraumer Zeit ja „Deutsche Weinhauptstadt“ nennen darf. Auf halber Strecke am Hang zwischen Schillerplatz und Kästrich gelegen, befindet sich das Unternehmen mit dazugehörigem Kellereiverkauf ebendort, wo im Schatten der übermächtigen Kupferbergs früher noch etliche Sekthersteller ihr Geld verdienten.
Streng genommen kein „richtiger Sekt“
„Rund 900.000 Flaschenhälse“ werden in den vier nach und nach zu einer einzigen Produktionsstätte verbundenen Kellern an der Walpodenstraße jährlich verschlossen, erläutert der in Geisenheim und Gießen ausgebildete Diplom-Ingenieur und Oenologe Robert Könitz, der gemeinsam mit seinem die Geschäfte führenden Vater Walter den vom Großvater Ernst gegründeten Betrieb mit zwölf Mitarbeiten am Laufen hält. Neben der Lohnversektung und Lohnverperlung im Auftrag von Winzern, die dafür Anfahrten von bis zu 100 Kilometern in Kauf nehmen, haben die Mainzer Sektmacher „mit der goldenen Hand“ längst eine eigene Linie mit mehr als 30 Sorten des prickelnden Getränks entwickelt.
Das faszinierendste Produkt aus ihrem Hause ist streng genommen gar kein „richtiger Sekt“. Weil Gold nicht auf der von der Europäischen Union freigegebenen Positiv-Liste steht, darf der in Handarbeit mit Blattgold abgefüllte Weißburgunder lediglich als „aromatisiertes weinhaltiges Getränk aus Sekt und Goldlikör (22Karat)“ angeboten werden. Was ihn keineswegs zum Ladenhüter macht. Denn der je nach Größe - Viertelliterflasche oder Doppelmagnum - zwischen vier und 75Euro teure „Original Gold“ ist nicht nur bei Einheimischen ein beliebtes Geschenk zu runden Geburtstagen, Hochzeitstagen und Firmenjubiläen. Auch unter Touristen hat es sich herumgesprochen, dass sich mit diesem „Goldhand“-Produkt zu Hause ein glänzender Eindruck machen lässt.
Kein Umzug
Wie genau das von der früher in unmittelbarer Nachbarschaft betriebenen Karolus-Sektkellerei erfundene Glitzer-Produkt hergestellt wird, will der 37Jahre alte Oenologe nicht verraten. „Das bleibt schon unser Firmen-Geheimnis.“ Mit der Umwandlung des seit 1857 unterhalb des Kästrichs gelegenen Weinlagers in eine Sektkellerei hat der früh verstorbene Ernst Könitz einen guten Riecher bewiesen. „Denn die Deutschen gehören nach Franzosen und Spaniern zu den großen Sektliebhabern“, sagt Robert Könitz, der von weiter moderaten Zuwächsen spricht. Andererseits gehöre Sekt, der in Deutschland im Grunde genommen von drei großen Konzernen auf den Markt gebracht werde, „zu den am häufigsten aktionierten Artikeln im Einzelhandel“. Die „Goldhand“-Kellerei habe mit der Auftragsarbeit für kleine Winzerbetriebe oder Fastnachtsvereine, die einen Sekt mit eigenem Etikett haben möchten, eine Nische besetzt, in der man momentan relativ sicher sei.
Den Umzug an einen anderen Standort, wo es sich schneller und günstiger produzieren ließe, lehnen Vater wie Sohn entschieden ab. Stattdessen soll auf vertrautem Terrain in Verbesserungen investiert werden. Schließlich leben derzeit mehr als 30Familienmitglieder aus vier Generationen in den Häusern, deren Kellergewölbe die Basis für das langsam, aber stetig gewachsene „Goldhand-Imperium“ sind.
„Rheinhessische Lebensart“ - der Name ist Programm
Dass den Sektmachern die Ideen nicht auszugehen scheinen, zeigt eine ihrer Erfindungen: ein aktuell wieder stark nachgefragter, weil alkoholfreier Sekt in Rot und Weiß, bei dem der Name „Rheinhessische Lebensart“ nicht Zufall, sondern Programm ist. Und seit der Übernahme der namhaften Sektkellerei Georges Geiling aus Bacharach am Rhein verfügen die Mainzer noch dazu über hochwertige Sekte, die als Flaschengärung auf dem Rüttelbrett gereift sind.
Was genau den Unterschied zur Arbeit mit Edelstahltanks ausmacht, wird vermutlich am Samstag ein Thema sein. Dann öffnet die „Goldhand“-Kellerei von 10 bis 15 Uhr die Gewölbekeller, bietet Führungen an und lädt zur Verkostung ein, um mit den Gästen den „15.Deutschen Sekt-Tag“ zu begehen. Dieser Tag wird zwar deutschlandweit ausgerufen, ist in Mainz aber nur noch an einem einzigen Produktionsstandort zu erleben.