06.07.2009 · Die Klasse 7d des Goethe-Gymnasiums geht auf Zeitreise - in den Frankfurter St.-Bartholomäus-Dom, wo in jedem Winkel Geschichten versteckt sind.
Weihrauchgeruch liegt in der Luft. Der Duft des verbrannte Baumharzes ist wahrscheinlich ein Überbleibsel aus vergangenen Gottesdiensten, die im Frankfurter St.-Bartholomäus-Dom gefeiert wurden - oder stammt er vielleicht aus vergangenen Jahrhunderten? Wir nehmen sie an, die wohlriechende Einladung zu einer Zeitreise, und der Dom zieht uns in den Bann der Vergangenheit, die aus jedem Winkel Geschichten erzählt. Beeindruckt können wir es kaum erwarten, diese Geschichten zu hören und das Innere des Doms zu sehen. Wir wagen einen ersten Blick: einladende Bänke, deckenstrebende und sich kreuzende Pfeiler, der Altar, viele Bilder, Lichter, bunte Fenster - viele Eindrücke auf einmal.
Im Vorhaus angekommen, stoßen wir auf eine Glasvitrine, in der sich Knochenteile, Leichenbrandreste, Schmuckstücke und Gefäße befinden. Es handelt sich um ein geheimnisvolles Grab aus dem 7. Jahrhundert, in dem ein junges adeliges Mädchen beigesetzt ist. Sie hatte etwa unser Alter - wer sie wohl gewesen sein mag? Archäologen können diese Frage bis heute nicht klären, vermutlich hat sie aber eine sehr wichtige Rolle in der Entstehungsgeschichte des Doms gespielt.
Comic aus dem 15. Jahrhundert
Viele Vermutungen können angestellt werden. Wir hängen unseren Gedanken nach, finden es erstaunlich, dass aus einem kleinen Grabbau ein solch beeindruckendes Gebäude entstanden sein soll. Aber verlassen wir das rätselhafte und auch traurige Grab - es gibt noch so viel zu sehen! Ein angenehmes Gefühl prägt uns nun, als wir das Haupthaus betreten. Hier sind die Wände in einem kräftigen, warmen Rosa gehalten. Betrachtet man sie genauer, kann man hier und dort mittelalterliche Ritterwappen, Gemälde und eine bunte Karte entdecken, die zeigt, wie sich der Dom um das Mädchengrab entwickelte und größer wurde.
Im Zentrum des Doms interessiert uns die (geheime) Kaiser-Wahlkapelle und der Maria-Schlaf-Altar, in den man nur gelangt, wenn das Schutzgitter geöffnet wird. Dort kann man einen Blick in die Welt des 14. Jahrhunderts werfen und die große Spenderfamilie des Altars kennenlernen, die sich an einer Seite in Form von kleinen Figuren verewigt hat.
Was die Stifter wohl damals über die Darstellung der Maria gedacht haben? Wir sehen das Gleiche wie sie, nur 600 Jahre später. Es ist erstaunlich, einen solchen Ort mit historischen Spuren zu besichtigen, der sogar von Karl dem Großen, dem römisch-deutschen Kaiser, betreten wurde. Frankfurt galt als seine Lieblingspfalz - verständlicherweise! Jahrhunderte später fanden an der Stelle, wo wir jetzt stehen, die Kaiserkrönungen statt.
Die Domarchitektur ist außergewöhnlich und entspricht der traditionellen kirchlichen Bauweise nur minimal. Über Geschmack lässt sich streiten - diesen Grundsatz kann man am Frankfurter Dom genau ablesen, er war die Baudevise der Domherren durch die Jahrhunderte hindurch - von der ursprünglichen Romanik ist daher wenig geblieben. Die gotische Skelettbauweise brachte die hohen, waghalsig aufstrebenden Mauern, die uns die Köpfe in den Nacken nehmen lassen und uns überwältigen. Die Mauern sind so stabil, dass auch der Dombrand, ausgelöst durch unaufmerksame Bierbrauer im Jahre 1867, nur einen Teil des Inneren zerstören konnte.
Beim Hinausgehen fällt unser Blick auf einen kleinen Tresor, der sich von der sonstigen Ausstattung abhebt. Darin liegt die Schädeldecke des heiligen Bartholomäus, jene Reliquie, die dem Dom seinen Namen gab. Von seinem Leben erzählen Fresken im Altarraum - eine Art Comic direkt aus dem 15. Jahrhundert.