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Globus in Wächtersbach : Schlossverkauf mit Dominoeffekt

Gutes Rathaus wird teuer: Das Schloss von Wächtersbach soll nach der Sanierung durch die Globus-Gruppe neuer Sitz der Stadtverwaltung werden. Bild: dpa

Die Globus-Kette übernimmt die Sanierung vor Umzug des Rathauses und schafft so Platz für Erweiterung des eigenen Supermarkts

          Das Schloss von Wächtersbach ist ein historisch und architektonisch ein Kleinod. Malerisch gelegen in einem Park inmitten der Altstadt von Wächtersbach, könnte es eine Augenweide für Bürger und Besucher der Kleinstadt im Osten des Rhein-Main-Gebiets sein. Doch das im Jahr 1324 erstmals urkundlich erwähnte Schloss, das eigentlich mehr eine Burg ist, verfällt seit Jahren.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Notwendige Sanierungsarbeiten ließen die bisherigen privaten Besitzer nicht ausführen. Das hatte Folgen: Immer mehr Fensterscheiben sind zerbrochen, Feuchtigkeit dringt ein, Wände sind verschmierert, und das Mauerwerk bröckelt. Gehen aber die gemeinsam entwickelten Pläne der Stadt und der Supermarktkette Globus in Erfüllung, sind die schlechten Tage des Wächtersbacher Schlosses bald vorüber, und die Stadt hat gleichzeitig einige dringende Zukunftsaufgaben gelöst.

          Eine bessere Zukunft für das Schloss

          Der wichtigste Schritt für eine wahrscheinlich bessere Zukunft des Wächtersbacher Schlosses ist bereits getan: Thomas Bruch, geschäftsführender Gesellschafter der Globus-Gruppe, kaufte nach städtischen Angaben das Anwesen zum Preis von 1,85 Millionen Euro. Erklärte Absicht des Investors sei es, die einstige Wasserburg im Herzen der Altstadt zu sanieren. Die Kosten dafür sind auf knapp sieben Millionen Euro veranschlagt. Einziehen in die sanierten Räume soll aber kein weiterer Globus-Supermarkt, was an dieser Stelle auch gar nicht möglich wäre. Geplant ist, dass die Stadtverwaltung nach der Renovierung dort ihr Domizil einrichtet, das Schloss in Erbpacht übernimmt und mit den Jahren zum Eigentümer wird. Das ebenfalls sanierungsbedüftige Rathaus würde nach dem Umzug der städtischen Mitarbeiter frei.

          In direkter Nachbarschaft befindet sich ein Globus-Supermarkt, der mit den Jahren zu einem Magneten für Kunden aus zahlreichen umliegenden Gemeinden geworden ist. Globus hat die Absicht bekundet, nicht nur das Rathaus zu erwerben, sondern auch das angrenzende Bürgerhaus, das über kurz oder lang auch nicht um eine teure Sanierung herumkäme. Beide Gebäude will Globus abreißen lassen und das Areal für eine großzügige Erweiterung der Verkaufsfläche nutzen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf von Rathaus und Bürgerhaus könnte sich die Stadt einen lang gehegten Wunsch erfüllen: Den Bau einer Festhalle auf dem nur einen Steinwurf entfernt liegenden Messegelände, die auch als Ersatz für das Bürgerhaus dienen würde.

          Keine zeitlichen Vorgaben für das Gesamtprojekt

          Nach Auskunft von Stadtrat Andreas Weiher (SPD) verzichtete die Stadt auf ihr Vorkaufsrecht für das Schloss, um den Verkauf an Thomas Bruch zu ermöglichen. Im Dezember beauftragte die Stadtverordnetenversammlung dann den Magistrat mit einem einstimmigen Beschluss, die Verhandlungen mit der Firma Globus zur Realisierung des Projekts „Rathaus/Schloss/Neue Veranstaltungshalle“ zu führen. Diesem Auftrag komme der Magistrat derzeit nach, so Weiher. Die „Grundparameter“ seien erörtert, jetzt gehe es an die Details. Außerdem prüfen nach seinen Worten derzeit die Denkmalschutzbehörden die Möglichkeiten einer künftigen Ausgestaltung des Schlosses. Nach Abschluss der Vertragsverhandlungen muss die Stadtverordnetenversammlung den Inhalten zustimmen. Zeitliche Vorgaben für die Verwirklichung des Gesamtvorhabens gibt es laut Weiher keine. Zunächst sollen die Stadtverordneten auf Antrag der SPD in der nächsten Sitzung einen überparteilichen Arbeitskreises beschließen, der alle Phasen des Projektes begleiten soll.

          Das Unternehmen bestätigte den Kauf des Schlosses, gab aber keine weitere Stellungnahme ab. Gegründet wurde es im Jahr 1828 von Franz Bruch in St. Wendel. Heute betreibt das Familienunternehmen in Deutschland 44 Warenhäuser, 80 Baumärkte und neun Elektrofachmärkte. Dazu kommen 21 Vollsortimenter in Tschechien und Russland sowie zwei Baumärkte in Luxemburg. Im Jahr 2005 gründete Thomas Bruch die gemeinnützige Globus-Stiftung, die soziale Projekte in Deutschland und in den ärmsten Ländern der Welt unterstützt. Vor allem geht es ihr um eine bessere Bildung von Kindern und Jugendlichen. Im März eröffnet Globus ein Warenhaus im Industriegebiet von Maintal (F.A.Z. vom 23. Januar), in dem bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt werden sollen.

          Quelle: F.A.Z.

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