Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hält den Abbau von Arbeitsplätzen am privatisierten Uni-Klinikum Gießen und Marburg (UKGM) für vertretbar, solange die medizinische Qualität nicht darunter leidet. „Was geschieht, kann dort nur geschehen, wenn die verantwortliche ärztliche Leitung sagt: Das ist in Ordnung, das kann man machen“, sagte er in der Staatskanzlei.
Bei einem Unternehmen mit einem Personalstamm von 10.000 Menschen müsse es um Größenordnungen und weniger um „die Stelle hinter dem Komma“ gehen, sagte Bouffier. Das Krankenhaus hatte Mitte Juni angekündigt, dass insgesamt 236 Stellen wegfallen könnten - vor allem über auslaufende Verträge, die nicht verlängert werden.
Kein Abbau im „patientennahen Bereich“
Betroffen davon sei aber nicht das medizinische Fachpersonal wie etwa Ärzte oder Pfleger, sagte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) nach einem Gespräch mit den Klinikdirektoren, den Dekanen und ärztlichen Direktoren des UKGM. Da die Stellen nicht im „patientennahen Bereich“ seien, hielten die Verantwortlichen den Abbau zumindest für erwägenswert, betonte Kühne-Hörmann. Am späten Nachmittag wollte sie sich auch mit den Betriebsräten treffen.
Das Land hatte das UKGM vor sechs Jahren an den Krankenhauskonzern Rhön Klinikum verkauft und hält noch fünf Prozent. Zuletzt sollte das Klinikum vom Konkurrenten Fresenius geschluckt werden - die Übernahme scheiterte Ende Juni jedoch knapp. Fresenius wollte mit dem Zusammenschluss den europaweit größten privaten Krankenhausbetreiber mit einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro formen. „Für uns ist entscheidend, dass die erfolgreiche Arbeit dieses Klinikums fortgeführt werden kann“, sagte Bouffier zur Zukunft des UKGM.