Home
http://www.faz.net/-gzg-75ttr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Gewerbegebiet Kastel Bauer Koch denkt über Umsiedlung nach

Die Entwicklung des Gewerbegebiets Kastel wird seit Jahren durch einen Hof behindert. Jetzt scheint eine Einigung mit der Stadt möglich.

© Sick, Cornelia Vergrößern Frisch vom Bauern: Der Hofladen gehört zu dem Anwesen, das die Stadt gerne kaufen möchte.

Seit einem Jahrzehnt möchte die Stadt Wiesbaden den Hof des Landwirts Hans Koch im Gewerbegebiet Kastel verlagern. Doch immer wieder scheiterten die Gespräche am Geld. Jetzt scheint die Chance einer Einigung so groß wie nie. „Höher als 50 Prozent“, schätzt Hans-Martin Kessler, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Dass seine Zuversicht berechtigt ist, zeigt das Schweigen der Verhandlungspartner. „Wir bestätigen nur, dass wir im Gespräch sind“, lässt die Stadtentwicklungsdezernentin Sigrid Möricke (SPD) ausrichten. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, sagt auch Koch.

Ewald Hetrodt Folgen:    

Die Fraktionsvorsitzenden der großen Koalition, Bernhard Lorenz (CDU) und Sven Gerich (SPD), sprechen von einem „letzten Angebot“ der Stadt. Dass es sich dabei um eine Chefsache handelt, liegt an der wirtschaftlichen Bedeutung des 88 Hektar großen Gewerbegebietes und an der Brisanz der Auseinandersetzung. Sie ähnelt dem Streit, der im Künstlerviertel ausgetragen wird. Dort hatte die Stadt den Betrieb des Holzhändlers Karl-Ulrich Blum als Wohngebiet überplant. Der Bebauungsplan erwies sich als rechtswidrig. Blum ist immer noch da. Sein Anwalt vertritt auch Koch. Der baut Kartoffeln und Salate an und verkauft seine Produkte im Hofladen an der Boelckestraße.

Koch hat das Baurecht auf seiner Seite

Das Gehöft ist der Stadt im Weg. Zu Beginn des Jahrtausends stellte sie einen entsprechenden Bebauungsplan auf, der Kochs Hof gleichsam ignorierte. Der Landwirt ging dagegen mit einem Normenkontrollantrag vor. Ihn lässt er allerdings seit einiger Zeit ruhen, um mit der Stadt konstruktiv verhandeln zu können. Dass Koch das Baurecht auf seiner Seite habe, geben die Kommunalpolitiker heute unumwunden zu. Die Mängel des Bebauungsplans seien offenkundiger als im Fall des Künstlerviertels, meint Kessler.

Sie stellen eine umso größere Belastung dar, als die Stadt nach den Angaben des Wirtschaftsdezernenten Detlev Bendel (CDU) an der Boelckestraße in den zurückliegenden Jahren insgesamt für rund 28 Millionen Euro Grundstücke erworben hat. Davon hat sie Flächen im Wert von rund acht Millionen Euro inzwischen wieder an Gewerbetreibende verkauft. Die Vermarktung sei „nicht ganz einfach“, sagt Bendel. Denn man befinde sich zwar auf Wiesbadener Gemarkung, aber der Stadtteil heiße „Mainz-Kastel“. Und in Mainz seien Grundstücke für weniger Geld zu bekommen.

Koch soll sechs Millionen Euro für Umsiedlung bekommen

Die Beilegung des Konflikts mit Koch würde nicht nur die Vermarktung des Areals erleichtern. Kochs Anwesen steht dem vierspurigen Ausbau der Boelckestraße im Wege. Und die halten alle Parteien langfristig für unausweichlich. Mit diesen Trümpfen in der Hand hat Koch in der Vergangenheit für seine Umsiedlung viel Geld von der Stadt verlangt - zu viel, wie die Kommunalpolitiker meinen.

Denn auch Koch hat Interesse an einer Verlagerung des Anwesens. Sein Gehöft liegt auf der westlichen Seite der Boelckestraße, aber die dazu gehörenden Flächen auf der östlichen. Geschwächt wird Kochs Position außerdem dadurch, dass er einen großen Teil der Felder ausgerechnet von der Stadt gepachtet hat. Diese Tatsache werde man aber nicht gegen ihn ausspielen, versichert Kessler.

Dass das Interesse der Stadt an einer Einigung groß ist, zeigt auch das Angebot selbst. Für die Umsiedlung und alle damit verbundenen Nachteile soll Koch nach Informationen dieser Zeitung eine Summe von rund sechs Millionen Euro bekommen. Der Betrag liegt dem Vernehmen nach deutlich über allen bisherigen Angeboten der Kommune und nur knapp unter Kochs Forderungen.

Mehr zum Thema

Allerdings wollen die Vertreter der großen Koalition zugleich Stärke demonstrieren. Wenn man sich nicht einige, werde dies Zeit kosten, sagt Kessler. Aber letztlich werde der Landwirt die Entwicklung des Gewerbegebietes nicht aufhalten. Notfalls müsse man einen neuen Bebauungsplan beschließen. Der werde Koch nicht die Möglichkeit bieten, sich auszudehnen. Und wenn eines Tages die Boelckestraße ausgebaut werde, müsse man über eine Enteignung von Grundstücksteilen nachdenken. Vorerst aber stehen die Zeichen auf eine Verständigung. Noch im Januar wollen beide Seiten sich wieder an einen Tisch setzen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 17:00 Uhr

Keine Brandmauer

Von Helmut Schwan

Die Stadt Frankfurt kann verdeckte Bordelle in Wohngebieten untersagen. Das bestätigt das Bundesverwaltungsgericht. Eine Brandmauer zwischen den Stadtvierteln wird es deshalb nicht geben - aus einem einfachen Grund. Mehr