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Gesundheit Das eigene Blut ist nicht immer das beste

12.04.2004 ·  Der Skandal um verseuchte Blutkonserven ist gut zehn Jahre her und in Vergessenheit geraten, die Angst vor einer Bluttransfusion nicht. Wissen Patienten, daß sie in absehbarer Zeit operiert werden müssen, erkundigen sich deshalb viele nach der Eigenblutspende.

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Der Skandal um verseuchte Blutkonserven ist gut zehn Jahre her und in Vergessenheit geraten, die Angst vor einer Bluttransfusion nicht. Wissen Patienten, daß sie in absehbarer Zeit operiert werden müssen, erkundigen sich deshalb viele nach der Eigenblutspende. Warben Krankenhäuser vor Jahren noch mit dieser Möglichkeit, so stehen viele Ärzte ihr inzwischen skeptisch bis ablehnend gegenüber. Denn Blutpräparate sind sicherer geworden, Operationen schonender und damit sozusagen blutärmer. Dennoch hängt das Für und Wider einer Eigenblutspende sehr von der medizinischen Disziplin ab. In Frage kommt sie ohnehin nur bei planbaren Eingriffen.

"Sie brauchen kein eigenes Blut spenden", antwortet regelmäßig der Chefarzt der Chirurgie am Städtischen Klinikum Frankfurt-Höchst, Wolf-Joachim Stelter, seinen Patienten. Aufgrund moderner Operationsverfahren und Medikamente sowie der Möglichkeit, aus Operationswunden sickerndes Blut nach entsprechender Aufbereitung dem Körper zurückzugeben, werde heutzutage viel weniger Blut benötigt als früher. Der Ärztliche Geschäftsführer der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim, Wolf-Peter Klövekorn, läßt Zahlen sprechen: Während in seinem Herzzentrum vor zehn Jahren für 1200 bis 1500 Operationen jährlich 4500 Blutkonserven gebraucht wurden, sind es heute weniger als 1000 Konserven für 2600 Operationen. Neun von zehn Patienten kommen nach seiner Einschätzung ohne Transfusion aus.

Die Sicherheit der Konserven sei heute zudem so hoch, daß eine Eigenblutspende unter diesem Gesichtspunkt nicht lohne, meint Klövekorn. "Für einen Patienten aus Frankfurt ist es wahrscheinlicher, auf dem Weg zur Eigenblutspende nach Bad Nauheim mit dem Auto zu verunglücken, als sich durch eine Transfusion mit Aids oder Hepatitis zu infizieren." Erhard Seifried, Ärztlicher Direktor des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg/Hessen, beziffert das Risiko, sich bei einer Transfusion mit Aids zu infizieren, auf eins zu 18 Millionen, für Hepatitis C mit etwa eins zu 20 Millionen. Damit sei Fremdblut so sicher wie nie zuvor in der Medizingeschichte.

Dies ist ein Grund, warum Seifried kaum mehr eine Notwendigkeit zur Eigenblutspende sieht - und das, obwohl der Blutspendedienst nach seinen Angaben die größte Einrichtung zur Eigenblutspende im Rhein-Main-Gebiet ist. Der Professor beanstandet aber auch die Qualität des vor Wochen selbst gespendeten Bluts. Bei der Eigenblutspende ist es üblich, dem Patienten vor dem geplanten Operationstermin zwei- bis dreimal jeweils 450 Milliliter Blut zu entnehmen. Während der Chef der Orthopädie der Städtischen Kliniken Höchst, Louis Hovy, den ersten Entnahmetermin mit meist vier Wochen vorher angibt, spricht Seifried von sechs Wochen. In dieser Zeit verschlechtere sich der Stoffwechsel der roten Blutkörperchen, und die Qualität des Blutes lasse nach.

Außerdem handele es sich bei den Spendern um kranke Menschen. Sie hätten somit ein höheres Risiko, bei der Blutentnahme zum Beispiel einen Kreislaufkollaps zu erleiden. Überdies sei das Blut etwa eines Herzklappen-Patienten wesentlich häufiger mit Bakterien verseucht als das eines gesunden Menschen, der zur Blutspende gehe. Die Bakterien könnten sich im Lauf der Wochen noch vermehren, weshalb es nach einer Transfusion zur Blutvergiftung kommen könne. Bedenklich findet Seifried darüber hinaus, daß sich durch die drei Entnahmen der Gehalt an roten Blutkörperchen vermindere. "Wenn der Patient dann während des Eingriffs blutet, hat er wesentlich weniger Kompensationsmöglichkeiten." Das bedeutet, er benötige früher eine Transfusion als andere Patienten ohne Eigenblutspende. Hinzu komme, daß das Blut nur bei 20 bis 30 Prozent der größeren Operationen tatsächlich gebraucht werde. "Das heißt, 70 Prozent der Patienten hat man umsonst Blut abgenommen." Darin sehen Seifried und der Frankfurter Chirurg Stelter auch einen unnötigen Kostenfaktor. "Ich möchte lieber nicht wissen, wie viele Hektoliter Eigenblut täglich in Deutschland weggeschüttet werden." Es müsse entsorgt werden wie Sondermüll, und das "ist verdammt teuer", gibt Stelter zu bedenken.

Der Patient freilich sorgt sich in erster Linie um sein Wohl. Zu Recht auch bei der Eigenblutspende, weiß Seifried doch zu berichten, daß Blutpräparate in Krankenhäusern in einem von 36000 Fällen vertauscht werden. Weil zur Eigenblutspende aber auch Kranke zugelassen seien, erhalte ein Patient möglicherweise statt des eigenen Blutes mit Hepatitits B oder Aids verseuchtes eines anderen Eigenblutspenders. Hovy hingegen sieht darin für das Höchster Krankenhaus nur ein "theoretisches Risiko".

In der Orthopädie sind die Blutverluste vor allem nach Gelenkersatz und -wechsel so groß, daß sie ausgeglichen werden müssen. Hovy hat die Erfahrung gemacht, daß Patienten sich nicht damit anfreunden könnten, möglicherweise Fremdblut infundiert zu bekommen. 40 bis 50 Prozent lehnten das strikt ab und machten die Wahl des Krankenhauses sogar von der Möglichkeit der Eigenblutspende abhängig. Hovy bietet dies seinen Patienten daher an. "Fast alle nehmen das Angebot in Anspruch", sagt er.

Wenn der körperliche Zustand zum Beispiel aufgrund einer Herzerkrankung oder des hohen Alters keinen Aderlaß erlaubt, muß niemand um sein Leben fürchten. In der Regel sind die Vorräte an Blutkonserven ausreichend. Zu Engpässen freilich kommt es regelmäßig während der Sommermonate - weil dann viele potentielle Blutspender verreist sind.

BRIGITTE ROTH

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