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Geschäftsbericht Ein neues Flaggschiff und ein Kaufhaus aus Fulda

10.02.2012 ·  Freßgass’ und Goethestraße sind in Bewegung. Diesel kommt, und es wird gebaut. Auch in der ehemaligen Diamantenbörse geht es voran.

Von Petra Kirchhoff
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Diesel macht neuen Flagship-Anlauf

Die Große Bockenheimer Straße, besser bekannt als Freßgass’, ist bei Einzelhändlern gefragt. Das Nachsehen haben Delikatessenhändler und Gastronomen, die bei den Mieten (in der Spitze um die 250 Euro) nicht mehr mithalten können, wie der Immobilienmakler Jones Lang Lasalle in dieser Woche deutlich machte. Ein neues Modehaus hat sich bereits angekündigt. Wie berichtet, wird die italienische Jeansmarke Diesel ein Pilotgeschäft eröffnen und dafür die Räume von Faber-Castell und Escada übernehmen, was einen Durchbruch nach hinten zur Kleinen Bockenheimer Straße bedeutet. Diesel hatte bereits einen sogenannten Flagship-Store am Steinweg. Dort sitzt inzwischen H&M mit seinem Edel-Konzept Cos. Escada hatte den Umzug vom Rathenauplatz in das ehemalige Miele-Küchenstudio immer als Übergangslösung bezeichnet. Der Schreibwarenhersteller Faber-Castell begründet den für März 2013 geplanten Auszug damit, dass der Mietvertrag auslaufe und „aufgrund der Umstrukturierungsmaßnahmen seitens des Vermieters“ nicht verlängert werden könne. „Wir halten jedoch am Standort Frankfurt fest“, heißt es. Man sei auf der Suche nach einer passenden Fläche. Das teilt auch Escada auf Anfrage mit.

Freie und neue Flächen an Freßgass’ und Goethestraße

Freie Flächen für Faber-Castell und Escada gäbe es sogar in unmittelbarer Nachbarschaft. Von Grund auf saniert wird zurzeit die bisherige Viktoria-Apotheke an der Ecke Kleine/Große Bockenheimer Straße, ein denkmalgeschütztes Haus aus den fünfziger Jahren. Gestartet war der zweistöckige Eckbau mit der für die damalige Zeit typischen goldeloxierten Fensterfront als Obst- und Fruchtbar. Eine Apotheke kam später herein. Mitte Dezember wurde die Viktoria-Apotheke nach mehr als 50 Jahren geschlossen. Die letzte Inhaberin, Marion Sauer, hatte den Rückzug mit überzogenen Vorstellungen des Vermieters begründet. Schon bisher habe sie mehr als 9000 Euro im Monat gezahlt. Nun wird an der Freßgass’ über den Nachfolger spekuliert. Genannt wurden bisher die Namen Palmers (Unterwäsche) und Wolford (Strümpfe). Eine Palmers-Sprecherin bestätigt, man habe den Standort geprüft, sich dann aber entschieden, die bereits bestehende Filiale an der Freßgass’ dem neuen Konzept anzupassen. Auch Wolford hat nach eigenen Angaben keine Pläne für einen Umzug von der Kaiserhofstraße. Viel tut sich derweil in den Seitenarmen zur Goethestraße. An der Alten Rothofstraße baut der Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen sein Stammhaus neu auf. Wie ein Sprecher bestätigt, sollen zwei Stockwerke für Läden frei gehalten werden. Eine Querstraße nördlicher (Luginsland), plant die Frankfurter Gewerbeimmobilien GmbH neu. Die bisherigen Mieter (Ludwig Reiter, Body Shop, Mosch-Mosch) sind bereits ausgezogen oder werden in Kürze ausziehen. Nach Angaben des Projektentwicklers befindet sich das Nutzungskonzept noch in Abstimmung. Fest stehe jedoch, dass es an der Straße künftig nur noch Einzelhandel geben werde. Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Wie zu hören ist, sind die neu entstehenden Ladenflächen am Goetheplatz (Projekt Goetheplaza) bereits ausgebucht.

Alle Karten wieder offen an der Berger Straße

Das Berliner Label Liebeskind hat, wie berichtet, seine Frankfurt-Pläne zurückgezogen. Zunächst hatte das Unternehmen dieser Zeitung bestätigt, mit einem sogenannten Monolabel-Store in die Räume des Schuhladens Escape Futura an die Berger Straße zu ziehen. Über die Gründe für den Rückzug kann nur spekuliert werden. Tatsache ist, dass in Frankfurt viele andere Geschäfte, auch an der Berger Straße, Taschen und Portemonnaies von Liebeskind verkaufen. Derweil nimmt der Umbau eines ehemaligen Antiquitätengeschäfts an der Unteren Berger Straße Form an. Hier werden in Zukunft Handys verkauft.

Kaufhaus Lieblings in der Diamantenbörse

In der ehemaligen Diamantenbörse an der Stephanstraße haben die Umbauarbeiten für das Ardi-Goldman-Projekt begonnen, das unter dem japanischen Namen „Ma“ vermarktet wird. Vom Frühjahr 2013 an soll das Gebäude neben dem Karstadt-Parkhaus „zur neuen Trendmeile“ werden, teilt Goldman mit. Ursprünglich wollte der Eigentümer und Projektentwickler der ehemaligen Diamantenbörse das Hochhaus in ein Wohn- und Geschäftshaus umbauen, ist dabei aber an den Klagen eines Nachbarn gescheitert. Nun sollen nach dem Vorbild des Union-Geländes an der Hanauer Landstraße kleinteilige Büros entstehen. Zudem sind rund 5600 Quadratmeter für Einzelhandelsflächen reserviert. Ein Mieter steht bereits fest: das Kaufhaus Lieblings, das in Fulda von den gebürtigen Frankfurtern Lars-Oliver Hergeth und Joachim Kleinert geführt wird. Lieblings wird auch in Frankfurt auf 1200 Quadratmetern eine Mischung aus trendiger Modeboutique, Kosmetikstudio, Parfümerie, Blumenladen und Cafébar mit Musik und Büchern bieten. Hergeth, der viele Jahre als Visagist im Ausland gearbeitet hat, kündigt „ein großes gemütliches Wohnzimmer“ im Vintage-Stil an mit angeschlossenem Friseurladen. Zwei seiner Studios (Art Hair) gibt es bereits in Frankfurt. Als Markenzeichen seines in Fulda erfolgreichen Konzepts bezeichnet Hergeth den persönlichen Führungsstil des Hauses. Dem Kunden müsse man ein „Lieblings-Kaufhaus-Gefühl“ vermitteln.

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