20.02.2012 · In einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden im Römer wirbt die Dom-Römer-GmbH dafür, das Stadthaus entgegen der Empfehlung durch die schwarz-grüne Haushaltskommission doch zu bauen.
Von Matthias Alexander, FrankfurtIn einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden im Römer wirbt die Dom-Römer-GmbH dafür, das Stadthaus entgegen der Empfehlung durch die schwarz-grüne Haushaltskommission doch zu bauen. In dem Brief, der vom 14. Februar datiert ist und dieser Zeitung vorliegt, argumentiert Geschäftsführer Michael Guntersdorf, dass ein Verzicht auf das Stadthaus fatal „für die Struktur des künftigen Altstadtquartiers und das Ansehen der Stadt Frankfurt“ wäre. Nur bei oberflächlicher Betrachtung spare die Stadt Geld, wenn sie auf das Haus über dem Archäologischen Garten verzichte.
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling bezeichnete das Schreiben Guntersdorfs als einmaligen Affront, da der Geschäftsführer eines städtischen Unternehmens öffentlich gegen die Beschlüsse einer Kommission Stellung beziehe, der zwei Magistratsmitglieder und die beiden Fraktionsvorsitzenden von CDU und Grünen angehört hätten. Zudem sei die Wortwahl in dem Schreiben „krass“. Nach Ansicht Oesterlings muss der Magistrat nun klären, ob er diesen Angriff unkommentiert hinnehmen wolle. Sollte eine Reaktion ausbleiben, sei der jetzige Grünen-Fraktionsvorsitzende und künftige Planungsdezernent Olaf Cunitz demontiert, bevor er sein Amt antrete.
Cunitz wies diese Interpretation zurück. Die Argumentation Guntersdorfs könne er in der Sache absolut nachvollziehen. Er, Cunitz, habe sich mit Guntersdorf während der Verhandlungen der Sparkommission ausgetauscht. Da es jedoch bei deren Arbeit darum gegangen sei, eine bestimmte Einsparsumme zu erreichen, seien für alle Beteiligten Kompromisse nötig gewesen. Mit der Empfehlung, unter anderem den Bau des Stadthauses zu verschieben, habe er sich auch mit Blick auf seine künftige Tätigkeit besonders schwer getan. Er habe sich aber dazu entschlossen, das Gesamtpaket mitzutragen. Cunitz wies darauf hin, dass die Empfehlungen der Kommission nun noch in den Fraktionen debattiert würden. Womöglich ergäben sich Vorschläge, wie man an anderer Stelle sparen könne oder zusätzliche Einnahmen erziele.
Wie berichtet, kam aus dem Gestaltungsbeirat für das Dom-Römer-Areal der Vorschlag, die Stadt solle weitere Gebäude aus dem Altstadt-Areal veräußern, um mit diesen Einnahmen den Bau des Stadthauses zu finanzieren. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel bezeichnete diesen Vorschlag auf Anfrage als wenig aussichtsreich. Es werde vermutlich eher so sein, dass die Stadt das eine oder andere Haus behalten müsse, weil es nicht ohne weiteres vermarktbar sei. Es sei eher unwahrscheinlich, dass das Projekt mit einer schwarzen Null abgeschlossen werde.
Guntersdorf weist in seinem Schreiben darauf hin, dass die Kommission irre, wenn sie die Kosten für das Stadthaus auf 20 Millionen Euro beziffere. Tatsächlich seien es nur 15,8 Millionen Euro. Die Nutzung als Veranstaltungsgebäude sei im Fall des Stadthauses nicht vorrangig. Vielmehr befänden sich in ihm die Be- und Entlüftung sowie Erschließungsräume für die U-Bahn-Station und die Tiefgarage Dom-Römer. Die Kosten für diese technischen Vorrichtungen fielen in jedem Fall an, so dass sich die Ersparnis auf höchstens acht Millionen Euro reduziere. Letztlich hält Guntersdorf die Ersparnis sogar für gleich null. Denn der Verzicht auf das Stadthaus wird seiner Meinung nach dafür sorgen, dass der Verkauf von Häusern und Wohnungen im Altstadtareal weniger Einnahmen bringt. Wie der Geschäftsführer bei anderer Gelegenheit geäußert hat, werden viele potentielle Käufer Abschläge fordern, wenn die Altstadt ein Torso bleiben sollte.
Guntersdorf hebt in seinem Schreiben allerdings auch hervor, dass eine Verschiebung des Stadthaus-Projekts möglich sei, wenn sie sorgfältig geplant werde. Auch sei eine deutliche Reduzierung der Kosten durch eine weiter entwickelte Planung denkbar. Guntersdorf wirbt darum, entsprechende Vorschläge in den Fraktionen vorstellen zu dürfen.
Die Bürgerinitiative SOS Dom-Panorama sieht sich dagegen in ihrer Auffassung bestärkt, dass der Bau des Stadthauses überflüssig sei. Ihrer Meinung nach lässt sich die Rückseite der Häuserzeile zwischen Krönungsweg und Archäologischem Garten durchaus ansprechend gestalten. Zur Veranschaulichung hat sie eine Simulation erarbeitet.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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