Es klingt nach traumhaften Renditen. Sechs Prozent Dividende hat die Wiesbadener Volksbank ihren Mitgliedern in diesem Jahr ausgeschüttet, die Frankfurter Volksbank in ihrem Jubiläumsjahr 7,5 Prozent, die PSD-Bank Hessen-Thüringen, die ebenfalls in diesem Jahr 150 Jahre alt wurde, sogar acht Prozent. Wenige sichere Geldanlagen werden in diesen Zeiten so gut verzinst wie Geschäftsanteile an Genossenschaftsbanken. Bei vielen der Volks- und Raiffeisenbanken im Rhein-Main-Gebiet liegt die jährlich gezahlte Dividende regelmäßig zwischen fünf und acht Prozent.
Die Risiken sind gering. Dass eine Genossenschaftsbank pleite geht, kommt so gut wie nie vor. Von den Krisen am Finanzmarkt, in Griechenland und anderswo sind die sehr auf ihren eigenen Heimatmarkt konzentrierten Kreditgenossenschaften weitgehend verschont geblieben.
Wie viele Geschäfte mit der Bank
Doch ganz so einfach ist der genossenschaftliche Geldsegen nicht zu haben. Denn viele Volks- und Raiffeisenbanken ermöglichen es nur ihren Kunden, Mitglied des Hauses zu werden. Gerade in der Finanzkrise haben sich viele findige Anleger an gleich mehreren Kreditgenossenschaften beteiligt. Um sich vor reinen „Dividendenhaien“ zu schützen, wie sie der Vorstandssprecher der Rüsselsheimer Volksbank einmal nannte, die nur eine ordentliche Rendite abräumen wollen, hängt bei immer mehr Häusern die Höhe der Ausschüttung davon ab, wie viele Geschäfte ein Mitglied auch wirklich mit der Bank macht.
„Eine Genossenschaft soll die Geschäftstätigkeit ihrer Mitglieder fördern, wir sind nicht dafür da, eine reine Geldanlage zu verzinsen“, sagt ein Sprecher des in Neu-Isenburg beheimateten Genossenschaftsverbands. Zumal sich auch Volksbanken in Zeiten niedriger Marktzinsen günstiger mit Eigenkapital versorgen können als durch die Ausgabe von hochverzinsten Genossenschaftsanteilen.
Wer länger dabei ist, bekommt mehr Anteile
Bei der Volksbank Dreieich ist es nicht Pflicht, Kunde zu sein, bevor man Mitglied werden kann. Doch wie einige andere Banken vor ihr, führt die Bank im Süden von Frankfurt in diesem Herbst ein Bonuspunktesystem ein. Vorbehaltlich der Zustimmung der Mitglieder sinkt die Basisdividende dann auf drei Prozent im Jahr. Wer mehr will, muss auch Geschäfte mit der Bank machen. Wenn Mitglieder etwa ihr Gehaltskonto, eine geförderte Altersvorsorge oder einen Sparplan über die Bank laufen lassen, bringt ihnen das jedes Mal Bonuspunkte ein, die am Ende des Jahres in barer Münze ausgezahlt werden. Auf bis zu 13 Prozent kann die Dividende so laut eines Sprechers der Bank steigen.
Ein anderes Programm belohnt die Treue der Mitglieder der Volksbank. Je länger ein Mitglied dabei ist, desto mehr Anteile zu jeweils 50 Euro kann es zeichnen. Wer neu einsteigt, kann 20 Anteile erwerben, danach alle fünf Jahre fünf weitere. Wer 50 Jahre dabei ist - das kommt bei einer klassischen Volksbank öfter vor, als man meinen sollte - kann sich dann mit bis zu 2500 Euro an seinem Kreditinstitut beteiligen.
Summe ist überschaubar
Auch die Frankfurter und die Wiesbadener Volksbank machen die Zahl der zeichenbaren Anteile an ihren Häusern von der Intensität der Kundenbeziehung abhängig. Und verhindern auf diese Weise, dass jemand sich nur an der Bank beteiligt, um die gute Rendite mitzunehmen.
In der Regel ist die Summe, die man in Form von Geschäftsanteilen bei Volks- und Raiffeisenbanken sowie anderen Kreditgenossenschaften anlegen kann, ohnehin überschaubar. Wer sehr enge Kontakte zur Wiesbadener Volksbank pflegt, kann sich zum Beispiel mit maximal 20 Anteilen zu jeweils 50 Euro beteiligen; macht also 1000 Euro. Bei der Volksbank Darmstadt beträgt ein Geschäftsanteil 25 Euro. 20 Stück davon können Mitglieder maximal bekommen; entspricht also einer Summe von 500 Euro.
Zulauf ist ungebrochen
Die ebenfalls genossenschaftlich organisierte Sparda-Bank Hessen am Frankfurter Güterplatz gibt Mitgliedern seit zwei Jahren nur noch einen Geschäftsanteil aus, in Höhe von 52 Euro. Von den 4,5 Prozent Dividende, die die Bank im vergangenen Jahr gezahlt hat, kann sich ein Mitglied in Frankfurt mithin kaum einen Kaffee kaufen. Dass dennoch 280000 der 380000 Kunden der Bank auch Mitglieder sind, dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass die Bank viele Produkte, wie etwa eine Baufinanzierung, nur Mitgliedern gewährt. „Genossenschaften sind ja gegründet worden, um ihrer Klientel günstige Kredite zu vergeben, nicht damit Leute Geld anlegen können“, sagt ein Sprecher der Bank.
Der Zulauf zu den Volks- und Raiffeisenbanken ist trotz aller Barrieren seit Jahren ungebrochen. Allein 2011 ist die Zahl der Mitglieder bei hessischen Kreditgenossenschaften um knapp 30000 auf mehr als 1,2 Millionen gestiegen. 2008 gab es in Hessen etwas mehr als eine Million Kreditgenossen. Der Sprecher des Genossenschaftsverbands führt den Zulauf auch auf die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers und die danach einsetzende Finanzkrise zurück. Die Volks- und Raiffeisenbanken versuchen seit einiger Zeit, sich im Bewusstsein der Kunden über Werbekampagnen vom Rest der Finanzwelt als die „guten“ Banken abzusetzen.
Für jedes neue Mitglied einen Baum
Das Geld, das in einer Volksbank investiert werde, bleibe in der Region - und verschwinde nicht irgendwo an den Kapitalmärkten, hebt denn auch der Verbandssprecher hervor. Zudem habe jedes Mitglied eine Stimme, mit der es entweder direkt oder über gewählte Vertreter mitentscheiden kann, wofür das Geld der Bank verwendet wird. „Das sind Aspekte der Mitgliedschaft, die man neben den materiellen nicht unterschätzen sollte“, sagt der Sprecher.
Die Sparda-Bank Hessen hat sich noch ein besonderes Schmankerl für neue Mitglieder ausgedacht: Seit November 2011 pflanzt die Bank für jedes neue Mitglied einen Baum in hessischen Wäldern. Die ersten Bäume hat sogar Bankchef Jürgen Weber persönlich eingesetzt.
Mitbestimmung ist eine Farce
Johannes Meister (john23)
- 06.09.2012, 16:57 Uhr
Jedes Mitglied hat eine Stimme !?
Werner Schmidt (werschmidt17)
- 06.09.2012, 08:28 Uhr