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Genossenschaftsbanken Die gallische Volksbank

 ·  Die meisten Genossenschaftsbanken gehen nach und nach zusammen, um Kunden und Mitarbeitern mehr bieten zu können. Die Volksbank Höchst nicht. Sie ist stolz auf 150 Jahre Eigenständigkeit - mit Hilfe des Verbunds.

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Natürlich wissen alle gleich, was Klaus Reichert meint, und lachen wissend, als er sagt, dass ihn schon viele an diesem Abend mit „Hallo Thomas“ begrüßt hätten. Klaus Reichert ist Moderator vom Hessischen Rundfunk und führt an diesem Abend durch den Festakt zu 150 Jahren Volksbank Höchst. Sein Bruder Thomas leitet die Höchster Traditionsmetzgerei Haxen Reichert und zählt somit zur Prominenz des Frankfurter Stadtteils - und jeder in dem Veranstaltungssaal im Sockel der Jahrhunderthalle scheint ihn zu kennen.

Es ist wie Kerb. An die 300 Gäste sind gekommen, Kunden und Geschäftspartner der kleinen Genossenschaftsbank im Frankfurter Westen, die angesichts der großen Volksbanken in ihrer Nachbarschaft schon einmal als gallisches Dorf bezeichnet wird - und angesichts dessen, dass an diesem Abend jeder jeden zu kennen scheint, wirkt ganz Höchst wie ein Dorf innerhalb Frankfurter Gemarkung.

„Größe ist uns egal“

312 Millionen Euro beträgt die Bilanzsumme der Bank, 627.000 Euro weist sie als Bilanzgewinn 2011 aus. Verglichen mit den acht Milliarden Bilanzsumme, die die Frankfurter Volksbank auf die Waage bringt, den 5,3 Milliarden der Mainzer und den 3,3 Milliarden der Wiesbadener Volksbank sind das Peanuts. Im Vergleich der 1.100 Genossenschaftsbanken in Deutschland liegen die Höchster allerdings im Mittelfeld. Und in der Zentrale an der Hostatostraße ist man durchaus stolz auf seine Eigenständigkeit.

„Größe ist uns egal“, sagt der Vorstandsvorsitzende Manfred Ruhs, „die Nähe zu unseren Kunden ist uns wichtig.“ Nur einmal habe man sich mit einer anderen Bank zusammengetan, 1986 mit der Spar- und Darlehenskasse Flörsheim, sonst habe es keine Fusionsgespräche gegeben, sagt Ruhs. Auch das sieht bei den meisten Volksbanken in der Umgebung anders aus, die sich zu immer größeren Einheiten zusammenschließen, um Kunden und Mitarbeitern mehr bieten zu können. Die Volksbank Höchst verlässt sich für viele Geschäfte auf den genossenschaftlichen Finanzverbund. Um große Kredite vergeben zu können, holt die Volksbank manchmal das Spitzeninstitut DZ-Bank ins Boot. Anschaffungskreditanfragen reicht sie an die Easycredit weiter. Wenn Kunden ihr Eigenheim auf längere Zeit zu einem festen Zinssatz finanzieren wollen, tritt die Bank das Darlehen an die WL-Bank ab. Und freilich profitiert sie auch davon, dass die Kunden die Geldautomaten anderer Volks- und Raiffeisenbanken entgeltlos nutzen können.

„Kollateralschaden“ der neuen Bankenregulierung

Acht Filialen betreibt die Bank selbst, und Ruhs ist stolz darauf, dass darunter keine reine Selbstbedienungsstelle ist. Während seiner Rede zum Jubiläum kann er zu jeder Zweigstelle sagen, wann sie eröffnet wurde. Die Kosten-Ertrags-Relation liegt bei mehr als 70 Prozent, das heißt, um einen Euro zu verdienen, muss die Bank mehr als 70 Cent ausgeben. Doch wenn Ruhs über diesen vergleichsweise schlechten Wert spricht, klingt das nicht so, als wolle oder müsse er daran etwas ändern. Aus seinen Worten spricht die Gelassenheit eines Unternehmers, dessen Geschäftsmodell schon seit 150 Jahren funktioniert. Natürlich ist nicht gegeben, dass das immer so weitergeht. Die Finanzkrise der vergangenen Jahre hat die Bank zwar laut Ruhs ohne Blessuren überstanden. Aber Uwe Fröhlich, der Präsident des Bundesverbands der Volks- und Raiffeisenbanken, der eigens für den Festakt aus Berlin angereist ist, hat recht, als er in seiner Rede davor warnt, dass die Volksbanken zum „Kollateralschaden“ der neuen Bankenregulierung werden könnten, die internationale Regierungen vor allem mit den international agierenden Banken aushandeln. Das vorwiegend deutsche Phänomen der Genossenschaftsbanken droht in den Bemühungen um neue Kapitalregeln und Ähnliches gelegentlich unterzugehen.

Schon mittelgroße Banken beklagen den bürokratischen Mehraufwand der neuen Vorgaben. In der Volksbank Höchst mit ihren 72 Beschäftigten muss alles, was an neuen Regeln hereinkommt, von einem Prokuristen und seinen zwei Mitarbeitern umgesetzt werden. „Wir als genossenschaftliche Familie müssen uns darum bemühen, dass nicht alle Banken in einen Topf geworfen werden“, sagt Fröhlich. Schließlich strebten die Volksbanken nicht „Ackermanns Weltbild“ nach. Für den familiären Zusammenhalt der Kreditgenossen spricht auch die Gästeliste. Die neue Chefin der Frankfurter Volksbank, Eva Wunsch-Weber, ist ebenso nach Höchst gekommen wie Ulrich Tolksdorf von der VR-Bank Untertaunus. Von der DZ-Bank begrüßt Aufsichtsratschef Konrad Mohr Vorstandsmitglied Wolfgang Köhler.

Die besten Beweise für die Stabilität der Volksbank Höchst sind wohl Ruhs und Mohr selbst. Der Aufsichtsratsvorsitzende ist seit 36 Jahren in dem Gremium. Ruhs kam 1978 in die Bank, wurde vier Jahre später Personalvorstand und 2006 Vorstandsvorsitzender. „Jeden, der seit 1982 zur Bank gekommen ist, habe ich eingestellt“, sagt Ruhs. Ein Gast des Festaktes drückt es so aus: „Manfred Ruhs ist die Volksbank Höchst.“

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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