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Gelände fast ausgebucht : Industriepark Kalle-Albert will wachsen

  • -Aktualisiert am

Aufwärts: Industriepark Kalle-Albert in Wiesbaden Bild: Cornelia Sick

Der Industriepark Kalle-Albert ist fast ausgebucht. Die Hessische Landesbahn will dort eine Wartungshalle bauen, andere Firmen investieren ebenfalls. Der Betreiber hat schon Ideen, wie er Platz schaffen kann.

          Am Tor herrscht reger Betrieb. Lastwagen und Autos fahren ein und aus; Besucher und Lieferanten melden sich bei der Werkssicherheit an – und auch auf dem Gelände des Industrieparks Kalle-Albert ist es nicht ruhiger. Das gesamte Areal ist durch eine Atmosphäre produktiver Betriebsamkeit gekennzeichnet. In Anbetracht der Tatsache, dass der Industriepark eine kleine Stadt ist und dort etwa 5600 Arbeiter und Angestellte ihren Arbeitsplatz haben, scheint das wenig verwunderlich.

          Seit 2013 sind 130 neue Arbeitsplätze hinzugekommen. Und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht, wie Peter Bartholomäus, der Chef der Betreibergesellschaft Infraserv, sagt. Derzeit haben sich 75 Unternehmen an dem Chemiestandort im Wiesbadener Stadtteil Amöneburg niedergelassen, und im September dieses Jahres wird die Hessische Landesbahn an der Nordseite des Geländes eine Wartungshalle für 30 Regionalzüge errichten.

          Etwa 12 000 Quadratmeter Fläche sind für die Wartungshalle eingeplant, Gleisanschlüsse gibt es dort bereits. Von Herbst 2018 an sollen dort die Regionalzüge gewartet werden, konkretisiert Bartholomäus den aktuellen Zeitplan. Bis zu 30 neue Stellen sollen dort entstehen; das Investitionsvolumen wird mit 16 Millionen Euro beziffert. Da die Lok-Reparatur von Infraserv in direkter Nachbarschaft liegt, hofft das Unternehmen zudem auf Synergien. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit unserer Technik dort Unterstützung leisten können“, sagt Bartholomäus.

          Wettbewerbsfähigkeit gestärkt

          Paradoxerweise ist der Umsatz von Infraserv trotz neuer Kunden gesunken. „Unser Umsatz ist rückläufig, was daran liegt, dass wir 70 Prozent unseres Umsatzes mit der Energieversorgung erzielen“, sagt Bartholomäus und fügt an: „Wir kaufen Strom und Gas direkt an den Börsen ein. Dort sind Strom und Gas so billig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Diese Preise geben wir an unsere Kunden weiter. Dadurch ist unser Konzernumsatz von 180 Millionen Euro auf konsolidiert 150 Millionen Euro gesunken.“ Sorgen bereitet der Umsatzrückgang ihm indes nicht: stärkt dies doch die Wettbewerbsfähigkeit am Standort. Andere Konzernteile wie etwa die Technik oder die Informationstechnik seien stark gewachsen. „Wir wollen im Dienstleistungsbereich wachsen, aber unser Kernziel ist auch, unseren Kunden minimale Kosten in Rechnung zu stellen“, stellt der Geschäftsführer klar.

          Die Ertragslage von Infraserv hat diese Entwicklung laut Bartholomäus nicht beeinträchtigt: Infraserv überweise jedes Jahr etwa zehn Millionen Euro Dividende an seine Eigentümer. 2016 hat das Unternehmen zudem erstmals seit Jahren wieder die Eigenkapitalbasis erhöht, um liquide Mittel für anstehende Investitionen zur Verfügung zu haben. Eine der größten anstehenden Investitionen ist die Erweiterung des Kraftwerks. „Wir planen ein Gas- und Dampfkraftwerk, dessen eingesetzte Energie wir zu fast 90 Prozent in Wärme und Strom für unsere Kunden umwandeln“, schildert der Chef das Vorhaben und beziffert die anstehende Investition auf rund 60 Millionen Euro. Derzeit wartet Infraserv noch auf die Genehmigung durch das Regierungspräsidium und eine Förderzusage aus Berlin nach dem KWK-Gesetz – die Inbetriebnahme ist für das erste Quartal 2020 geplant.

          Fast vollständig belegt

          Die Betreibergesellschaft plant zudem weiteres Wachstum innerhalb des Areals. Der Park hat eine Größe von 96 Hektar und ist fast vollständig belegt. Es stehen lediglich noch zwei größere Flächen für Neuansiedlungen zur Verfügungen, die jedoch nicht mehr als drei Hektar ausmachen. Deswegen strukturiert Infraserv um. „Unser Ziel ist, Kernflächen im Industriepark für die Chemie-Produktion frei zu räumen“, sagt Bartholomäus. Dies soll gelingen, indem Büros, die derzeit noch mitten im Areal sin, an den Rand ziehen. Dort ist die Produktion vieler chemischer Erzeugnisse nicht erlaubt – für Büros sei der Standort jedoch ideal. Zwei weitere Hektar sollen so für neue Unternehmen gewonnen werden. Damit aber nicht genug: Bartholomäus hat nach seinen Worten weitere Schritte im Blick, über die er derzeit jedoch noch nicht sprechen möchte, weil er sich in Verhandlungen befindet.

          Das Konzept geht offenbar auf, denn in der Vergangenheit konnte Infraserv wichtige Unternehmensansiedlungen präsentieren. Vergangenes Jahr errichtete die chinesische Kingfa-Gruppe eine Produktion an der Nordseite des Parks, schaffte 30 neue Jobs und will laut Bartholomäus weiter investieren. „Kingfa wächst weiter und will dieses Jahr eine weitere Produktionslinie aufbauen“, sagt er. Infraserv habe rund fünf Millionen Euro in die Ansiedlung des Unternehmens investiert; die Kingfa-Investition belief sich auf rund zehn Millionen Euro. Nach dem Aufbau der nächsten Linie schätzt er das gesamte Investitionsvolumen auf bis zu 20 Millionen Euro.

          Das ist in etwa auch die Größenordnung für das amerikanische Unternehmen Sterigenics. „Die Erweiterung ist fast fertig. Wir haben sieben Millionen Euro in die Hand genommen. Die Anlagentechnik in der Halle übernimmt ja das Unternehmen selbst.“ Infraserv gehe davon aus, dass von Sterigenics dort zehn Millionen Euro investiert werden. „Wenn wir langfristig den Park entwickeln wollen, brauchen wir erhebliche Finanzmittel“, stellt Bartholomäus klar. Das führe dazu, dass Infraserv den Spagat zwischen Kunden und Finanzinvestoren machen müsse. Die Kunden wollten kostengünstige Dienstleistungen – die Finanzinvestoren hohe Dividenden.

          Eine weitere Entwicklung wird viele der 5600 im Industriepark arbeitenden Menschen freuen: Die Zukunft der Kantine ist gesichert. Seit dem 2. Mai wird Küche und Gastraum von der Firma Aramark aus Neu-Isenburg betrieben, einem der größten Caterer Deutschlands. Das Unternehmen hat alle 20 Mitarbeiter übernommen und das Angebot erweitert.

          75 Betriebe Der Betreiber des Industrieparks Kalle-Albert am Rhein beackert drei Geschäftsfelder. Die Infraserv-Wiesbaden-Gruppe besteht aus Infraserv Wiesbaden, ISW Technik und GES Systemhaus. Insgesamt beschäftigt der Konzern etwa 850 Mitarbeiter und 70 Auszubildende. Für dieses Jahr plant er 30 neue Stellen. Infraserv verdient Geld mit technischer Unterstützung, Informationstechnik, Ausbildung, Personalservice, Werksfeuerwehr, Sicherheitsdienst, Logistik und der Lieferung von Energie sowie der Vermietung von Hallen und Flächen an Unternehmen. 2015 machten die 75 Firmen im Industriepark rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz. Die Investitionen betrugen insgesamt 113 Millionen Euro. (robm.)

          Quelle: F.A.Z.

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