Nur nichts überstürzen. Auch jetzt, da die nächste große Strafe unmittelbar bevorsteht, will sich Heribert Bruchhagen nicht treiben lassen. So trifft sich der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht an diesem Donnerstag zu Beratungen mit seinem Vorstandskollegen Axel Hellmann sowie Rechtsbeistand und Eintracht-Justitiar Philipp Reschke. Grund des Treffens: Akzeptiert der Bundesliga-Rückkehrer den Teilausschluss der Frankfurter Anhängerschaft, die der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wegen mehrerer Verfehlungen gefordert hat?
Der Strafantrag des DFB aus der Otto-Fleck-Schneise ist eindeutig. Für das erste Punktspiel der neuen Saison soll die Eintracht nur 15000 Eintrittskarten verkaufen dürfen - plus 5000 Tickets für Fans der gegnerischen Mannschaft. Zudem: Der komplette Stehblock in der Frankfurter Arena muss gesperrt bleiben. Aufgerundet werden soll das Strafmaß mit einer Geldstrafe von 50000 Euro.
Bis zum Treffen an diesem Donnerstag gilt bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG die Devise, nichts Substantielles zu vermelden. „Wir müssen die Vorwürfe inhaltlich prüfen und mit den Strafen für die anderen Vereine vergleichen“, sagte Bruchhagen in einer vorsichtigen Stellungnahme. Auch dem Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf sowie dem Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC hat der Kontrollausschuss des DFB drastische Strafen angedroht. Im Fall der Fortuna soll es wegen der Verfehlungen rund um das Relegationsspiel gegen Hertha BSC Berlin sogar eine Begegnung unter völligem Ausschluss der Zuschauer geben. Gleiches droht dem KSC.
Es droht finanzielles Ungemach
Fußballspiele unter spärlicher Anteilnahme des Publikums: Für die Eintracht ist dies nichts Neues. Schon in der zurückliegenden Zweitligasaison war die Stimmung in der Frankfurter Arena nicht gerade überschäumend. Dies lag nicht nur an der Darbietung, sondern vor allem daran, dass vor halbleeren Rängen gespielt wurde. Gegen den FC St. Pauli seinerzeit am 25. Juli 2011 verfolgten lediglich 16500 Zuschauer die Partie. Der Teilausschluss der Anhänger war die Folge der Verfehlungen einiger Frankfurter Chaoten. So war es am vorletzten Bundesliga-Spieltag beim 0:2 gegen den 1. FC Köln zu Ausschreitungen gekommen. Mehr als hundert Fans waren von der Stehtribüne aus nach dem Schlusspfiff auf den Platz gestürmt und hatten Werbebanden zertrümmert. Besonders bitter damals für die Eintracht: Die Deutsche Fußball Liga, zuständig unter anderem für die Spielplangestaltung im Profifußball, hatte der Eintracht für jenes Strafspiel ausgerechnet den Bundesliga-Mitabsteiger St. Pauli zugeteilt. Den wohl attraktivsten Heimspielgegner der gesamten Liga, der an jenem sommerlichen Montagabend nur von 16500 Zuschauern beobachtet wurde. Der Eintracht entstand damals ein finanzieller Schaden von gut 500.000 Euro.
Nun droht abermals finanzielles Ungemach. Denn es ist nicht auszuschließen, dass die Eintracht einen Gegner von besonderer Güteklasse zugeteilt bekommt. Christopher Fiori, Prokurist des Frankfurter Stadionbetreibers, hält es demnach nicht für ausgeschlossen, dass zum Auftakt der FC Bayern München kommt. „In der letzten Saison haben wir uns mit der Eintracht vernünftig einigen können. Jetzt muss man diskutieren, denn wenn die Bayern beispielsweise zum ersten Heimspiel kommen, ist das schon eine ganz andere Größenordnung. Für die Eintracht ist das ein Imageschaden“, sagte er gegenüber HR-online. Und ein wirtschaftlich relevanter dazu. Beispielsweise durch teurere Eintrittstickets im Vergleich zur zweiten Liga ist nicht auszuschließen, dass dem Frankfurter Bundesliga-Rückkehrer ein finanzieller Schaden von bis zu einer Million Euro entsteht. Eine Summe, die den Klub hart treffen würde. So bemüht sich die Eintracht seit Monaten darum, einen Nachfolger für Hauptsponsor Fraport zu bekommen, der jährlich gut fünf Millionen Euro in die Kassen spült. Der Flughafenbetreiber hatte dem ersten Frankfurter Profiklub elf Jahre lang die Treue gehalten und schon kurz vor Weihnachten 2011 das für Ende Juni 2012 vorgesehene Ende der Partnerschaft verkündet.
Ausschau halten bis zum 3. Juli
Wenn sich die Eintracht-Verantwortlichen an diesem Donnerstag treffen, um das weitere Vorgehen abzusprechen und möglicherweise einen Widerspruch gegen das Strafmaß des DFB-Kontrollausschusses in Erwägung zu ziehen, haben sie bis zur finalen Meinungsbildung bis Anfang nächster Woche Zeit.
Zeit, um nach weiteren neuen Spielern Ausschau zu halten, hat sich die Eintracht eigentlich bis zum 3. Juli gesetzt. Dann bittet Trainer Armin Veh seine Mannschaft nach einem ausgedehnten Urlaub zur ersten Übungsstunde. Der 51 Jahre alte Aufstiegsmacher will dabei möglichst seinen kompletten Kader um sich versammeln, um gezielt und effektiv die Vorbereitungsphase auf die neue Saison anzugehen. Schon drei Tage später nämlich, am 6. Juli, geht der Eintracht-Tross auf Reisen. In Windischgarsten in Österreich sollen im Rahmen des ersten sommerlichen Trainingslagers die ersten Grundlagen für die neue Spielzeit gelegt werden. Nachdem Sportdirektor Bruno Hübner schon vier Neuzugänge verpflichtet hat, sollen weitere folgen. Im Gespräch ist, neben dem offensiven Mittelfeldmann Takashi Inui, derzeit noch in Diensten des VfL Bochum, einen Stürmer sowie zwei Innenverteidiger für ein Engagement in Frankfurt zu begeistern. Denkbar allerdings, dass einige von ihnen beim ersten Heimspiel eine nicht alltägliche Kulisse zu sehen bekommen.
Neue Perspektiven bei der Sponsorensuche
Wolfgang Metzger (OFCfan)
- 14.06.2012, 21:28 Uhr
Eintracht als mehrfacher Wiederholungstäter ist mit dem
Strafmaß noch bestens bedient!
Marcel Schneider (Mainzer05)
- 14.06.2012, 14:08 Uhr