Ökologisch wirtschaftende Weingüter ernten auf gleich großer Weinbergsfläche weniger Trauben als konventionell wirtschaftende Konkurrenten. Weil sie aber höhere Erlöse je Flasche erzielen, können sie diesen Nachteil ausgleichen. Unter dem Strich hat keine Wirtschaftsweise einen eindeutigen ökonomischen Vorteil. Zu diesem Ergebnis kommt Matthias Mend vom Fachgebiet Betriebswirtschaft der Forschungsanstalt Geisenheim, der seinen Betriebsvergleich auf der Betriebsleitertagung „Weinbau und Kellerwirtschaft“ der Branche vorstellte.
Mend hat 38 Ökoweingüter mit 319 herkömmlich arbeitenden Winzern über drei Jahrgänge hinweg verglichen und ihre Unternehmenszahlen analysiert. Die Produktionsfläche beider Gruppen ist in etwa gleich. Die Produktivität der Ökoweingüter liegt allerdings 16,8 Hektoliter je Hektar unter der der Konkurrenz. Weil Ökoweine zumindest der analysierten Güter mit Aufschlag vermarktet werden können, hat Mend für beide Gruppen eine gleich hohe Umsatzproduktivität von rund 30.000 Euro je Hektar ermittelt. Der Gewinn je Liter ist mit jeweils rund 1,10 Euro ebenfalls annähernd gleich. Das ergibt jeweils rund 6800 Euro Gewinn je Hektar oder einen Unternehmensgewinn von 90.000 Euro jährlich.
Ein Nischenprodukt
Mend schließt daraus, dass „die Wirtschaftsweise nicht ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg ist“. Biowein wird nach Ansicht von Mend ein Nischenprodukt bleiben, weil der Begriff „Bio“ bei Wein nicht den gleichen Stellenwert habe wie etwa bei Obst und Gemüse.
Die Nische für Ökowinzer ist aber noch nicht völlig besetzt. Nach den Schätzungen der Marktforscher an der Forschungsanstalt können Bioweine einen Marktanteil von vier Prozent beanspruchen. Dieses Volumen von 50 bis 60 Millionen Hektolitern Ökowein sei bislang nur zur Hälfte erreicht. Die Güter müssten sich auf dem Markt aber mehr über eine stärkere eigene Marke als nur über den Begriff Bio profilieren. Durch die Vermischung der Begriffe Bio, Öko, Fair Trade, Nachhaltigkeit und Regionalität und die sich daraus ergebende Vielzahl an Logos und Zertifizierungen werde die Profilierung immer schwieriger, weil die Verunsicherung der Verbraucher zunehme.
Im Rheingau nur sechs Ökobetriebe
Weil immer mehr Erzeuger in Europa und auch anderswo ihre Weine unter einem Biosiegel vermarkten wollten, sei mit zunehmendem Preisdruck zu rechnen. Bio als Wirtschaftsweise könne nur erfolgreich sein und zu höherer Wertschöpfung führen, wenn der Winzer seinen Kunden die eigene „Philosophie“ nahebringen könne.
Genau das wollen immer mehr Güter, auch im Rheingau. Vor 20 Jahren waren es im Rheingau nur sechs Ökobetriebe, die zusammen 33 der 3200 Hektar Rebfläche bewirtschafteten. Zehn Jahre später war die Rebfläche auf 55 Hektar gestiegen, und 2011 waren es schon 158 Hektar, die von rund 20 Betrieben ökologisch zertifiziert bewirtschaftet werden. Experten gehen davon aus, dass der ökologische Weinbau weiter an Boden gewinnen wird, auch an der hessischen Bergstraße, zumal mehrere Weinbaubetriebe gerade in der sogenannten Umstellungsphase sind. Hessenweit sind es mehr als 30Betriebe, die schon anerkannt ökologisch wirtschaften, auch wenn daraus nach den Analysen der Geisenheimer Wirtschaftsfachleute offenbar keine handfesten wirtschaftlichen Vorteile resultieren.
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