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Gedenken an Holocaust : Der Zeitzeugen werden immer weniger

Gedenken: Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland (links) und Stadtrat Stephan Majer. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Damit nichts in Vergessenheit gerät: In Frankfurt wird der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

          Im vergangenen Jahr hatte Arno Lustiger noch an der Gedenkstunde zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus teilgenommen und nach der Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer der Gewaltherrschaft an der Stele auf die Namen jener Lager gezeigt, in welchen er inhaftiert war: Auschwitz-Blechhammer, Groß-Rosen, Buchenwald, Langenstein. Lustiger starb am 15. Mai.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist, wie Stadtrat Stefan Majer (Die Grünen) in seiner Gedenkrede sagte: „Die letzten Überlebenden und Zeitzeugen gehen nach und nach von uns“. Gestern Morgen in der Paulskirche war als einzige Holocaust-Verfolgte noch Miriam Gertler zugegen, die aus der Gegend von Warschau stammt und mit viel Glück jene schlimmen Jahre überlebt hat. Das Bemühen, die Vergangenheit wach zu halten und aus dem Menschheitsverbrechen die richtigen Lehren zu ziehen, ist gerade in Frankfurt unverkennbar: Vielerorts in der Stadt erinnern Stolpersteine daran, dass die Verfolgten damals Nachbarn waren. In die Mauer des alten jüdischen Friedhofs sind auf kleinen Täfelchen die Namen aller ermordeten Frankfurter Juden eingraviert, darunter der von Anne Frank. Und an der Großmarkthalle entsteht mit dem Neubau der Europäischen Zentralbank eine kleine Gedenkstätte, die daran erinnert, dass die Transporte in die Vernichtungslager des Ostens einst hier losfuhren. Frankfurt, daran besteht kein Zweifel, verdrängt die NS-Geschichte nicht. Oder nicht mehr.

          Die Gefahr ist nie vollständig gebannt

          Spätestens seit den Auschwitz-Prozessen in den sechziger Jahren, die im Haus Gallus stattfanden. Zumindest das offizielle Frankfurt nimmt die Mahnung „Nie wieder!“ ernst, wie man in der Paulskirche bemerken konnte, wo sich die Stadtverordnetenvorsteherin Bernadette Weyland (CDU), Vertreter aller Fraktionen im Römer und Repräsentanten der Kirchen eingefunden hatten. Nur eben keine Holocaust-Opfer und keine Zeitzeugen mehr. Denn es gibt nicht mehr viele von ihnen. Jetzt müssen die Nachgeborenen die Fackel aufnehmen. „Es liegt“, so sagte Stadtrat Majer in seiner bedenkenswerten Rede, „an uns allen, dass der Massenmord sich nicht wiederholt.“

          Das nächste Mal könne eine andere Gruppe drankommen, hat Theodor W. Adorno gewarnt. Nach den Juden vielleicht die Alten oder die Intellektuellen. Von den Migranten hatte der Frankfurter Philosoph damals noch nichts wissen können. Ihm war indes klar, dass die Gefahr nie vollständig gebannt ist. Die Morde der NSU-Terroristen haben jüngst vor Augen geführt, dass der rassistische Bazillus durchaus virulent ist.

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