Der Aufsitzmäher brummt zufrieden vor sich hin. Welcher Mann träumt nicht davon, Lenker eines solchen Gefährts zu sein? Doch wer hat schon ein passendes Gelände, wo er diese Träume ausleben könnte? Jürgen Nold zum Beispiel. Es gehört ihm zwar nicht, aber es ist sein Reich: die Pferderennbahn in Niederrad. Dort darf Nold beruflich herumkurven. In der Fußball-Kreisklasse würden sie ihn Platzwart nennen, im Golf Greenkeeper, die korrekte Bezeichnung ist „Fachagrarwirt“. Und er hat weit mehr als nur mit Rasenmähen zu tun. Kenner nennen Jürgen Nold den Grasflüsterer.
„Ich nenne es Naturwissenschaft, denn ich muss mich mit Biologie, Physik, Chemie und Botanik auskennen - wie mit den natürlichen Bedingungen der Jahreszeiten“, sagt der 45-Jährige. Seit einem Jahr ist er komplett verantwortlich für das 32 Hektar große Areal, das neben der Pferderennbahn und einem Neun-Loch-Golfplatz auch ein beträchtliches Stück Wald beheimatet. Nold kümmert sich um alles - und das mit buchstäblich wachsendem Erfolg. Nach den ersten beiden Renntagen waren alle Aktiven voll des Lobes über den guten Zustand der Bahn. Dahinter steckt allerdings viel Arbeit.
„Idealerweise düngt man vor einem Regen“
Im Sommer geht es um 6 Uhr los, oft bis abends um 18 Uhr. Morgens kümmert sich Jürgen Nold um Green und Fairway, nachmittags um das Geläuf. Zwei höchst verschiedene Aufgaben: „Ein Puttinggreen wird fast chirurgisch auf vier Millimeter geschnitten, auf der Bahn dürfen es 10 bis 15 Zentimeter sein.“ Noch entscheidender sind die Frage des Düngers und die Wahl der Grassorten. „Solche stark beanspruchten Grasflächen müssen ganz gezielt gedüngt werden. Dabei geht es nicht nur um den Erhalt der Vitalität, sondern auch um optische Aspekte“, erklärt der Grasexperte. „Vertrockneten Rasen hat jeder zu Hause, bei uns wollen wir möglichst den Idealzustand präsentieren.“ Auch auf dem Geläuf. Vor dem Renntag am Sonntag, der erste Start ist um 14.15 Uhr, mit acht Rennen wird die Bahn penibel vorbereitet.
Nach einer Ausbildung zum Blumen- und Zierpflanzen-Gärtner bildete sich Nold im Garten- und Landschaftsbau weiter, war in diesem Bereich auch als Bauleiter tätig. Diese Erfahrung bringt er nun ein. Und traditionelles Wissen, zum Beispiel die guten alten Bauernregeln. „Ich bin im hessischen Ried in Dornheim aufgewachsen, da lernt man mit den Augen die natürlichen Anzeichen zu deuten.“ Wenn etwa im Frühjahr der erste Ginster blüht dann weiß Nold: „Der Boden kommt.“ Das Wachstum hat begonnen, und der Rasen kann Dünger vertragen. Auch Mondphasen sind wichtig. Bei Vollmond spricht der Turf am besten auf Dünger an. Auch die Großwetterlage spielt eine Rolle: „Idealerweise düngt man vor einem Regen.“ Aber das ist bei weitem nicht alles. An technischem Gerät steht ihm und seinen sechs Mitarbeitern ein beachtlicher Fuhrpark zur Verfügung: Neben Traktoren ein Tiefbelüfter, Bodenplaner, Walzeneggen, Fräsen. Schließlich kümmert sich Nold mit seinem Team auch um den Wald auf dem Gelände. „Nach Spielen von Eintracht Frankfurt artet das allerdings eher in Müllsammeln aus. Die Leute schmeißen ihren Kram einfach über den Zaun.“
Um sich die Kenntnisse für den Rennbahnbetrieb anzueignen, hat sich Nold auf den Bahnen in Baden-Baden und Mannheim umgesehen. „Ein Netzwerk zu anderen Greenkeepern ist wichtig, um sich auszutauschen“, sagt er. „Ich stehe auch in Kontakt zu Kollegen in Fußballstadien oder anderen Golfplätzen und natürlich zum städtischen Förster.“ Dazu experimentiert er mit neuen Grassorten und neuen Techniken: „Die Entwicklung bleibt nicht stehen.“ Nebenbei kümmert er sich auch noch um die Fauna auf der Bahn: „Wir haben einen Haus- und Hof-fuchs, Karnickel natürlich, drei Nilgänse, die auch im Winter bleiben, Kois und Graskarpfen in unserem Teich.“ Nur gegen eine Art wäre kein Kraut gewachsen: Wildschweine. „Die könnten mühelos ein Green in einen Acker verwandeln“, sagt er. Die Rennbahn ist dagegen durch eine kräftigen Zaun geschützt. Auch den kontrolliert Jürgen Nold regelmäßig, um sein Reich zu schützen: „Eine Wildsau kommt mir hier nicht rein“, sagt er, bevor er sich wieder auf den Aufsitzmäher schwingt. Ein Traumberuf.