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Galerie Detterer : Malerische Illusionen werden mutwillig zerstört

Lapidarer, ja banaler geht es im Grunde gar nicht. Die Galerie Detterer zeigt Arbeiten von Jagoda Bednarsky, Thomas Buck, Robert Klümpen und Cornelius Völker.

          Lapidarer, ja banaler geht es im Grunde gar nicht. Hier Cornelius Völkers leeres „Blatt“, dort eine „Lache“ oder Robert Klümpens kunterbunter Strauß Ballons, und nichts als messinggelbe Röhrchen bei Thomas Buck und seinen „Frankfurter Orgeln“. Nur vor Jagoda Bednarskys vielschichtigen Bildern verliert man angesichts all der Fotografien, Zeitschriften oder dem Internet entnommenen Motiven schon einmal den Überblick. Und doch, kein Zweifel, lösen die vier nun in der Frankfurter Galerie Detterer zusammengeführten malerischen Positionen das im Titel angedeutete Versprechen reicher Ernte ausnahmslos ganz trefflich ein.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei gibt die „harvest“ überschriebene Ausstellung zunächst einmal schlicht Einblick in das aktuelle Schaffen der vier Künstler, deren Arbeiten, sieht man von der jungen Städelschülerin Bednarsky einmal ab, Martina Detterer schon wiederholt vorgestellt hat. Und in der Tat scheint die Banalität der Motive auf den ersten flüchtigen Blick auch schon so ziemlich alles, was die so unterschiedlichen Themen, Stile und Temperamente der Ausstellung zusammenhält. Wie gut sie sich nichtsdestotrotz vertragen, ist vornehmlich eine Frage der künstlerischen Haltung. Denn im Kern geht es hier wie dort doch stets ums Ganze. Um Farbe, Farbauftrag und Stofflichkeit etwa, um Abstraktion und Gegenständlichkeit und nicht zuletzt um malerische Illusionen, die mitunter auch mutwillig zerstört werden. Das gilt für Klümpens so fröhlich leuchtende, doch bei genauerer Betrachtung melancholisch, ja „schmutzig“ anmutende und vor allem an Oberflächen interessierte Gemälde in Acryl, Tusche und Sprühlack auf Nessel. Sie sind im Vergleich zu verstehen zu seinen nächtlichen „Büdchen“-Bilder früherer Jahre.

          Bednarsky kann ihr Temperament kaum zügeln

          Dieselbe Haltung findet sich auch bei Völker wieder und seiner scheinbar achtlos weggeworfenen „Zeitung“ oder seinem ganz wunderbaren, malerisch an die Atelierwand gehefteten „Blatt“ in Öl auf Leinwand. Zwar markieren Klümpen wie Völker zunächst klar gegenständlich zu nennende Positionen. Doch sind den einstigen Schülern von Dieter Krieg die Motive stets kaum mehr als beiläufiger Anlass ihrer immer neuen Variationen eines Themas: der Malerei.

          Derweil kann die 1988 geborene Bednarsky, die noch in der Klasse von Christa Näher studiert, ihr Temperament gelegentlich kaum zügeln, kombiniert Kohle, Siebdruck, Öl und Aquarell, trägt die Farbe mal dünnflüssig und flächig, mal pastos, dann wieder mit der Sprühpistole auf, lässt figurative Elemente als satte, monochrom abstrakte Flächen sichtbar werden oder umgekehrt, bis sich der Betrachter mehr und mehr zwischen den zahlreich ineinandergestellten Bildebenen verliert.

          Banale Röhrchen als gewaltige Orgel

          Im Vergleich dazu nehmen sich die Arbeiten Bucks deutlich unspektakulärer aus, indes in ihrer vordergründigen Schlichtheit genau betrachtet auch komplexer und vor allem konzentrierter. Denn während Bednarsky sich augenscheinlich auch schon mal an ihrem eigenen Können berauscht, zeigt zwar auch der einstige Meisterschüler von Thomas Bayrle mit jedem seiner Bilder, was er kann. Es auszustellen aber ist seinem Temperament ganz offensichtlich gänzlich fremd. Das Ergebnis präsentiert eine Malerei, die weit eher intro- als extrovertiert erscheint und dabei stets die Bedingungen des eigenen Mediums mit reflektiert.

          Ob er die Struktur der Leinwand als eigenständiges Motiv behandelt wie in „Double Check“ oder banale Röhrchen als gewaltige Orgel zeigt und in deren Ordnung wiederum assoziativ den Frankfurter Dom ahnen lässt: Buck spielt Banales und Erhabenes, Figur und Abstraktion, Motiv und malerische Mittel nie gegeneinander aus, sondern spiegelt stets gleichsam auf engstem Raum das eine im anderen, mitunter ohne dass man es überhaupt bemerkt. Und zeigt insofern exemplarisch, was die malerische Ernte von „harvest“ erst zum wahren Erntedankfest macht: die Arbeit am Bild.

          Die Ausstellung in der Frankfurter Galerie Martina Detterer, Hanauer Landstraße 20-22, ist bis 8. Dezember dienstags bis freitags von 13 bis 18.30 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

          Quelle: F.A.Z.

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