http://www.faz.net/-gzg-8x341

Kommentar zur Volksbank : Nicht die letzte Bankenfusion

Gemeinsam: Eva Wunsch-Weber und Armin Pabst wollen die Volksbanken aus Frankfurt und Griesheim fusionieren. Bild: Frank Röth

Die Volksbank Griesheim wollte selbständig bleiben. Aber die Regulierungsauflagen machen das unmöglich. Deshalb fusioniert sie nun mit der Frankfurter Volksbank.

          Ob die obersten Bankenaufseher schon einmal in Griesheim waren? Eher unwahrscheinlich. Aber sie sollten darüber nachdenken. Es wäre eine Bildungsreise. Denn die kleine Volksbank im Frankfurter Westen droht im Würgegriff der seit der Finanzkrise massiv angestiegenen europäischen Regulierungsauflagen zu ersticken und hat deshalb den lange tapfer geführten Kampf um die Eigenständigkeit nun aufgegeben. Wie soll eine Bank mit 40 Mitarbeitern die Flut an Briefen, Aufgaben und Auflagen allein bewältigen? Gar nicht, lautet die Antwort der Volksbank Griesheim, die deshalb mit der deutlich größeren Frankfurter Volksbank fusioniert.

          Bei aller Anerkennung für den Wunsch nach Selbständigkeit ist der Zusammenschluss für Kunden, Eigentümer und Mitarbeiter der Volksbank Griesheim aller Wahrscheinlichkeit nach keine schlechte Nachricht. Die Frankfurter Volksbank hat bei früheren Fusionen bewiesen, dass man ihr vertrauen kann. Es gab keine betriebsbedingten Kündigungen, die Geschäftsstellen wurden nicht geschlossen.

          Bankenlandschaft wird sich verändern

          Die Kunden behalten ihre Bank mit Präsenz am Ort, die Mitarbeiter bekommen im größeren Konzern vielseitigere Perspektiven. Und die Eigentümer müssen nicht befürchten, dass die Bank irgendwann im Markt abgehängt wird, weil sie des Papierkrams und der Digitalisierung nicht mehr Herr wird.

          Dennoch geht auch mit dieser wenn auch kleinen Fusion ein Stück Vielfalt verloren. Der von dieser Vielfalt getragene Wettbewerb ist eine tragende Säule der Marktwirtschaft und darüber hinaus ein Motor für Innovation und Kreativität. Wettbewerb führt zu niedrigeren Preisen und zu höherer Qualität.

          Das ist aber eine eher abstrakte Überlegung für die Verantwortlichen in den überwiegend kleinen Volksbanken. Sie werden sich regelmäßig fragen, ob eine Fusion zu einer größeren Einheit nicht zum eigenen Vorteil ist. Betriebswirtschaftlich kann man den Managern für solche Überlegungen keinen Vorwurf machen, volkswirtschaftlich bleibt die Entwicklung bedauerlich. Dass die Fusion von Frankfurt nicht die letzte sein wird, steht jedenfalls fest. Die Bankenlandschaft wird sich in den nächsten Jahren massiv verändern.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Alleine schaffen wir es nicht“ Video-Seite öffnen

          Transatlantische Beziehungen : „Alleine schaffen wir es nicht“

          Bei der Münchner Sicherheitskonferenz standen bisher traditionell die transatlantischen Beziehungen im Mittelpunkt. Ein erfahrener Teilnehmer und eine neue Teilnehmerin erzählen, was diese für sie bedeuten – und ob es die Konferenz eigentlich noch braucht.

          Transparente, Pfiffe und Tennisbälle

          Fanprotest in Frankfurt : Transparente, Pfiffe und Tennisbälle

          Die Montagsdemo beim Spiel der Frankfurter Eintracht gegen RB Leipzig bleibt friedlich und weitgehend kreativ. Nicht alle Fans sind dabei einverstanden mit dem Pfeifkonzert. Tragisch: Ein Fan stirbt auf der Tribüne nach einer Herzattacke.

          „Lasermann“ zu lebenslanger Haft verurteilt Video-Seite öffnen

          Wegen Mord vor über 25 Jahren : „Lasermann“ zu lebenslanger Haft verurteilt

          Der als „Lasermann“ bekannt gewordene John Ausonius ist auch in Deutschland wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Frankfurt am Main sprach ihn schuldig, 1992 eine 68-jährige Garderobenfrau mit einem Kopfschuss getötet zu haben.

          Topmeldungen

          Amokläufe : Trump regt Bewaffnung von Lehrern an

          Der Präsident sieht in der Bewaffnung von Schulpersonal ein geeignetes Mittel gegen Amokläufe. Auf Angreifer müsse zurückgeschossen werden können, sagte er zu Überlebenden des jüngsten Massakers.
          Der Prototyp Hyperloop One

          Mit dem Hyperloop : Von Washington nach New York – in 29 Minuten?

          Tesla-Chef Elon Musk lässt jetzt buddeln: Für ein futuristisches Verkehrskonzept darf der Visionär jetzt testweise in Amerikas Hauptstadt bohren. Es geht um nicht weniger als eine Revolution.

          Syrischer Krieg : Spielball der Großmächte

          Syrien versinkt seit Jahren in Krieg und Gewalt – und ein Ende ist nicht in Sicht. Das liegt auch an den vielen verschiedenen Beteiligten und Interessen. Ein Überblick.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.