Home
http://www.faz.net/-gzg-753n4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

FSV Frankfurt Einfach übertölpelt

 ·  Der FSV Frankfurt verspielt binnen drei Minuten eine Führung und verliert 1:2 bei Hertha BSC.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)
© dpa Vergrößern Gute Ansätze: Nils Teixeira ist dabei, den Berliner Ramos zu stören.

Atmosphärisch war es ein ziemlich einzigartiges Fußballspiel im Berliner Olympiastadion. Die Hertha-Fans präsentierten zum Anpfiff der letzten Bundesligapartie des Jahres ein Transparent, um ihre Forderung nach Mitsprache in Sicherheitsfragen zu dokumentieren („DFL: Vor lauter Dialogbereitschaft habt ihr vergessen mit uns zu reden“). Was danach über neunzig Minuten gegen den FSV Frankfurt folgte, war Schweigen. Und so kam es, dass zeitweilig das Klingeln des Brezelverkäufers durch das mitunter mucksmäuschenstille Stadion hallte und von allen 30.000 Zuschauern zu hören war. Aber auch die vierzig, fünfzig FSV-Anhänger konnten sich so immer wieder Gehör verschaffen, von einem Auswärtsspiel im eigentlichen Sinne konnte also für die Bornheimer in Berlin nicht die Rede sein.

Wie sich der FSV dann auch sportlich sehr lange präsentierte, war ebenfalls nicht dazu angetan, Stimmung im Olympiastadion aufkommen zu lassen. Bis zur 82. Minuten führten die Frankfurter völlig überraschend, aber nicht ganz unverdient durch einen Treffer von Michael Görlitz in der 55. Minute 1:0. Aber eine Unachtsamkeit nach einem blitzschnell ausgeführten Freistoß von Ronny, den Marcel Ndjeng zum kaum mehr erwarteten Ausgleich nutzte, brachte den FSV von seinem erfolgreichen Weg ab. Keine 100 Sekunden später hatten die Frankfurter ihre gesamte Vorarbeit verspielt, als sie bei einem schnellen Berliner Gegenangriff ungewohnt unsortiert den entscheidenden Treffer durch Ronny (84. Minute) hinnehmen mussten. Mit einem Sieg beim nun neuen Tabellenführer hätte der FSV als Vierter sogar in der Nähe der Aufstiegsränge überwintert. „Wenn man nach 19 Spielen mit 27 Punkten dasteht, wäre normalerweise jeder zufrieden“, sagte FSV-Torhüter Patric Klandt: „Doch so, wie es zuletzt in einigen Spielen gelaufen ist, bin ich persönlich nicht zufrieden, weil wir einfach mehr Punkte hätten holen müssen.“

Trainer Benno Möhlmann sagte: „Wir haben absolut unnötig das 1:1 bekommen, auch wenn man wie meine Spieler meint, dass der Freistoß nicht berechtigt war.“ Der eingewechselte Sandro Wagner war eher selbst als durch seinen Gegner zu Fall gekommen. „Man muss einfach aufpassen und eine schnelle Ausführung nicht zulassen oder die Außen zumachen“, sagte Möhlmann über den Frankfurter Sekundenschlaf in der Abwehr, den Ronny zu seinem Zuspiel auf den völlig freistehenden Ndjeng nutzte, der allein vor Torwart Klandt keine Mühe mehr hatte, den Ausgleich zu erzielen. „Einfach übertölpelt“, schimpfte der FSV-Trainer über den entscheidenden Moment des Tages, „und wenn man dann kurz danach das zweite Tor durch einen guten schnellen Gegenangriff bekommt, dann tut das weh. Denn wir haben eine gute Mannschaftsleistung gezeigt und hatten uns ein Unentschieden verdient.“

  Weitersagen Kommentieren (6) Merken Drucken

15.12.2012, 20:12 Uhr

Weitersagen

Provokationen am wunden Punkt

Von Helmut Schwan

Die Frankfurter Hausbesetzer kritisieren den Leerstand von Gebäuden bei angespanntem Wohnungsmarkt. Damit treffen sie die schwache Stelle einer Politik, die das Feld zu lange dem freien Spiel der Kräfte überlassen hat. Mehr 21 4