Home
http://www.faz.net/-gzg-6xgtd
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

FSV Frankfurt Der Mann, zu dem die Bälle kommen

05.02.2012 ·  So sieht eine perfekte Premiere aus: Der technisch beschlagene Stürmer Ilian Micanski trifft beim 2:1 des FSV Frankfurt beim MSV Duisburg zweimal.

Von Jörg Daniels
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Sich ordentlich zu verabschieden, gehört bei Ilian Micanski dazu. Also rief der Bornheimer Stürmer Zafer Yelen nach dem Training am Samstag zu sich und reichte dem FSV-Spielmacher die Hand. Der konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Hintergrund: Den zweiten Treffer beim 2:1 am Freitag in Duisburg beanspruchte Yelen eigentlich für sich, das Tor in der 68. Minute wurde jedoch Micanski gutgeschrieben, weil er seinen Kopf in den Schuss gehalten hatte. „Ich habe den Ball an meinen Haaren gespürt“, sagte der Bulgare. Und damit war die Sache schweren Herzens auch für Yelen erledigt.

Dessen neuer Teamkollege konnte das Erfolgserlebnis gut gebrauchen - auch wenn es schon sein zweites nach dem Führungstreffer in der 17. Minute war. Bevor Micanski imSommer 2010 zum 1. FC Kaiserslautern wechselte, hatten sie ihn in Polen „Lubin Maradona“ genannt. In 59 Spielen für Zaglebie Lubin schaffte er es, 40 Zweitliga-Treffer zu erzielen. In Deutschland aber war es dann mit seinem Torhunger vorbei. Bei den Lauterern pendelte er in den zurückliegenden eineinhalb Jahren zwischen Bank und Tribüne. Zum Schluss war für ihn nur Platz in der Regionalligamannschaft - und das, obwohl er einen Traumstart auf dem Betzenberg hatte. Sein 1:0-Siegtreffer mit der Hacke im Testspiel gegen Liverpool wurde 2010 zum Tor des Monats Juli gewählt.

Selbstbewusst, aber nicht überheblich

„Ich kenne meine Fähigkeiten“, sagt Micanski. „Ich kann keine Tore schießen, wenn ich nicht spiele.“ Beleidigt hört er sich aber nicht an. Der Nationalspieler macht auch FCK-Trainer Marco Kurz keinen Vorwurf. Das ist natürlich gut so, schließlich hat die Kaiserslauterer Leihgabe dort einen Vertrag bis 2014. Bis zum Rundenende will er nun eine Klasse tiefer in Frankfurt zeigen, dass er doch kein Fehleinkauf war. Mit seinem Traumeinstand machte der Sechsundzwanzigjährige den ersten Schritt in die richtige Richtung. „Jeder kennt meinen Stil“, so der Offensivspieler. „Ich weiß, dass der Ball zu mir kommt, wenn ich im Strafraum bin.“

Selbstbewusste Worte, die aus seinem Mund aber nicht überheblich klingen. Er ist sich bewusst, dass er etwas vorweisen kann - einst zum Beispiel 21 Tore in 37 Spielen für Pirin Blagoewgrad in seiner bulgarischen Heimat. Nur hat die zweite Liga in Deutschland eine andere Güteklasse. Insofern werden die kommenden Monate Aufschluss darüber geben, ob Micanski hier der Durchbruch gelingt.

Mittelplatz? „Warum nicht?“

Den Frankfurtern tun seine technischen Fähigkeiten im Abstiegskampf jedenfalls gut. Nicht nur, weil er sich im Eins-gegen-eins durchsetzen kann. Auch mit seinem Zug zum Tor macht er die FSV-Offensive vielseitiger. Umgekehrt hält Micanski nach seinem Rückschlag bei den „Roten Teufeln“ die Hessen für die beste Wahl in seiner Karriereplanung. Nach Gesprächen mit Trainer Benno Möhlmann und Uwe Stöver, dem Geschäftsführer Sport, entschied er sich gegen einen Wechsel zum Ligarivalen Ingolstadt oder zu einem polnischen Spitzenklub. Nach dem Frankfurter Auftakterfolg im Jahr 2012 traut der Angreifer dem Tabellenfünfzehnten sogar einen Mittelfeldplatz zu. „Warum nicht?“, sagt er.

Immerhin löste der neue Trainer Möhlmann offenbar die Blockade bei der Mannschaft. „In den letzten Spielen der Hinrunde waren wir gehemmt. Man ist ins Spiel gegangen, und die Beine waren schon schwer“, berichtet Marc Heitmeier. Heute verspürt der defensive Mittelfeldspieler eine „gewisse Leichtigkeit. Man freut sich regelrecht auf die Spiele und macht die Wege auf dem Platz lieber“. Und weiter: „Wir haben das Vertrauen, ein Spiel gewinnen zu können.“ Der Frankfurter Wunschstürmer in der Winterpause hieß eigentlich Michael Thurk. Doch Micanski bewies dem FSV mit seinem Doppelpack schon im ersten Einsatz, dass der Verein wohl das richtige Gespür hatte. Jetzt hoffen beide Seiten, dass das erst der Anfang einer erfolgreichen Zusammenarbeit war.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr