Wie kein anderer FSV-Profi preschte Ilian Micanski verbal nach vorne. Der satte 5:0-Sieg der Bornheimer bei Hansa Rostock in der zweiten Liga verleitete den erfolgreichen Stürmer (zwei Tore, zwei Vorlagen) am Freitagabend dazu, die Mission Klassenverbleib für erreicht zu erklären. Drei Spieltage vor Rundenende sagte er: „Nach diesem Auftritt kann ich mir nicht vorstellen, dass wir noch absteigen. Wir spielen ja nicht mehr gegen Barcelona und Real Madrid.“ Forsche Worte des Torjägers aus Bulgarien, die Trainer Benno Möhlmann unter einer Bedingung akzeptiert. „Wenn Ilian in den Spielen gegen Fürth und Paderborn durch Leistung zu seiner Aussage steht, kann er es sagen.“
Zweifel am Klassenverbleib hat auch Möhlmann wohl keine. Dazu ist der Zusammenhalt der Mannschaft zu groß. Auf welch bravouröse Art die Spieler das 0:1 in Düsseldorf wegsteckten, zeigte dem Trainer, „dass sie Charakter haben und dass das Team intakt ist“. Weil der letzte Schritt im Abstiegskampf aber noch nicht gemacht ist, muss er die Konzentration hoch halten. Von seinen Profis verlangt er sogar eine nochmalige Steigerung. Im Duell zu Hause am Freitag gegen Tabellenführer Fürth eine konstant gute Leistung über 90 Minuten zu bringen - so lautet nun sein Auftrag ans Team. „Das ist das Paradestück, das die Mannschaft machen kann“, findet Möhlmann.
Im Aufeinandertreffen mit den stark abstiegsgefährdeten Rostockern hielt der FSV sein gutes Niveau über die volle Spielzeit. Aber es war „nur“ ein Gegner auf Augenhöhe. Einer, der sich dann aufgrund der Frankfurter Kaltschnäuzigkeit beim Abschluss (zweimal Jutae Yun sowie Zafer Yelen erzielten die übrigen Treffer) früh aufgab. „Gegen Fürth reicht es nicht, 20 Minuten gut zu spielen“, warnte Möhlmann. In dieser Partie bekommt der FSV nicht nur die Gelegenheit, die Frankfurter Eintracht im Aufstiegsrennen zu unterstützen. Die Bornheimer können auch beweisen, dass sie in den vergangenen Wochen dazugelernt haben. „Wir haben uns damals gar nicht getraut, etwas zu probieren“, sagt Möhlmann im Hinblick auf das 1:6 im Stadtderby im Februar. Den einzigen FSV-Treffer erzielte damals Micanski. Nun kommt er auf acht Tore in zwölf Spielen - für die Mannschaft ist der Angreifer im zweiten Saisonabschnitt unverzichtbar geworden. „Das sind oft die besten Geschäfte, wenn die Dinge so eintreten, wie es sich beide Seiten wünschen“, meint Sportchef Uwe Stöver. Als Leihgabe vom 1. FC Kaiserslautern macht Micanski in Frankfurt trefflich auf sich aufmerksam. Und sein neuer Arbeitgeber profitiert davon. Doch die Frage ist, wie lange noch? Mit jedem Treffer wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass Micanski in der kommenden Saison wieder auf dem Betzenberg auf Torejagd geht. Zumal die Lauterer vor dem Abstieg in die zweite Liga stehen und Trainer Krassimir Balakow ein Landsmann des Stürmers ist. Ohnehin dürfte eine feste Verpflichtung von Micanski für den FSV finanziell nicht machbar sein. „Doch manchmal gibt es die tollsten Dinge“, sagt Stöver. „Ilian fühlt sich hier richtig wohl.“ Ein Fußballprofi, der auf und neben dem Platz angriffslustig ist.