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Früherer Uni-Turm in Frankfurt : 40.000 Schaulustige zu Sprengung erwartet

Ausgedient: Wegen des Umzugs der Universität ins Frankfurter Westend ist der „AfE-Turm“ (“Abteilung für Erziehungswissenschaft“) nun überflüssig geworden Bild: Helmut Fricke

Ausnahmeereignis in Frankfurt: Der 116 Meter hohe AfE-Turm - früher Heimat der Geisteswissenschaften an der Universität - soll am 2. Februar gesprengt werden. Rund 50.000 Tonnen Beton und Stahl werden dann zu Fall gebracht.

          Einen Monat nach Silvester wird es in Frankfurt wieder knallen. Am ersten Sonntag im Februar steht der Stadt die spektakuläre Sprengung eines Hochhauses bevor. Rund 50.000 Tonnen Beton und Stahl sollen dann im Stadtteil Bockenheim mit einem lauten Donner zu Boden rauschen. Wie ein Kartenhaus soll der 116 Meter hohe AfE-Turm auf dem alten Universitätscampus am 2. Februar um 10 Uhr morgens in sich zusammenfallen. Zuvor muss noch die Bauaufsicht zustimmen; sie prüft derzeit den Antrag auf Sprengung des 40 Jahre alten Seminargebäudes.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit dem Umzug der Goethe-Universität ins Westend hat der AfE-Turm ausgedient. Die städtische Wohnungsgesellschaft ABG Frankfurt, die den Campus vom Land Hessen erworben hat, plant an seiner Stelle neue Bürohäuser. Sie sind Teil der Neugestaltung des Areals, das zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnungen, Büros und Kultureinrichtungen werden soll. ABG-Geschäftsführer Frank Junker hält eine Sprengung für sinnvoller als den mühsamen und langwierigen Abbruch mit kleinen Baugeräten. Zudem gebe es jetzt schon Beschwerden wegen des Baulärms, daher will er „mit einem Schlag für Ruhe sorgen“.

          Fix und fertig entkernt

          Von außen sind die Vorbereitungen am AfE-Turm schon gut zu erkennen. Über dem Erdgeschoss wurden Planen angebracht, die verhindern sollen, dass kleine Teile durch die Luft fliegen. Bagger bereiten sechs Meter hohe Schutzwälle vor, damit die Gebäude in der Nachbarschaft nicht beschädigt werden. Und auch die Bohrlöcher, die die Sprengladungen aufnehmen, sind schon zu sehen. Das Abbruchunternehmen AWR hat den Turm in den vergangenen Monaten von innen entrümpelt. „Das Bauwerk ist fix und fertig entkernt und von Schadstoffen saniert“, sagt der zuständige Bauleiter.

          Vor dem Fall: Am ersten Sonntag im Februar soll der AfE-Turm morgens um 10 Uhr zu Boden rauschen

          Die Pläne für die Sprengung stammen von Rainer Melzer. Nach den Berechnungen seines Dresdener Planungsbüros für Bauwerksabbruch werden jedes Jahr etwa zehn Gebäude in die Luft gejagt. „Man muss die Struktur des Bauwerks verstehen“, sagt der Ingenieur. Der AfE-Turm wird Melzer zufolge in zwei Abschnitten gesprengt: Zunächst wird das Skelett, das rund um den Kern die Seminarräume trägt, zu Fall gebracht. Alle Stützen im Erdgeschoss werden gesprengt. „Das Skelett kollabiert“, sagt Melzer. Es muss zuerst fallen, denn andernfalls würde es den Kern des Turms am Kippen hindern. Weniger als zehn Sekunden später detonieren dann die keilförmigen Sprengzonen im Kern des AfE-Turms, in dem sich die Aufzugsschächte und die Treppenhäuser befinden. Durch die Zündung der Sprengladungen im 5. und im 14. Obergeschoss wird der zentrale Turm mehrfach geknickt und in sich zusammengefaltet.

          Melzer ist sich sicher, dass die Gebäude in der Umgebung keinen Schaden nehmen werden. Das nur einen Steinwurf entfernte denkmalgeschützte Institutsgebäude der Pharmazie wird mit einem Gerüst gegen Trümmer abgesichert. Das direkt vor dem AfE-Turm stehende niedrige Gebäude „Flat“ dient als Schutz: Es steht ebenfalls zum Abbruch frei.

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