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Veröffentlicht: 01.01.2013, 17:43 Uhr

Freiwillige am Neujahrsmorgen Slalom durch die Scherben

Bürger für ein sauberes Frankfurt: Wie schon seit einigen Jahren haben Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde und der internationalen Freiwilligen-Organisation Mannam viele Spuren der Silvesterfeiern beseitigt.

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© Helmut Schwan Kehraus: Helfer der Ahmadiyya-Gemeinde und der Freiwilligen-Organisation Mannam beseitigen die Spuren der Silvesternacht.

Japanische Touristen kennen kein schlechtes Wetter. Und sie haben keine Schirme. Sie brauchen freie Hände, um zu fotografieren. Am Neujahrsmorgen um kurz vor zehn finden sie auf dem Frankfurter Römerberg so viele unverstellte Perspektiven, wie sie wollen, kaum einer sonst hat sich bei Regen und sieben Grad auf den historischen Platz verirrt. Sie lichten sogar den Weihnachtsbaum ab, der mit hängenden Zweigen sehr traurig wirkt.

Helmut Schwan Folgen:

Auf einmal aber ist es vorbei mit der asiatischen Hegemonie. Aus dem Rathaus kommt eine kleine Kompanie junger Leute, mit Reisigbesen bewaffnet. Fröhlich ziehen sie Richtung Main. Wie schon seit einigen Jahren machen sich Mitglieder der islamischen Ahmadiyya-Gemeinde und der internationalen Freiwilligen-Organisation Mannam auch diesmal wieder daran, die Spuren der Silvesterfeiern zusammen zu fegen.

„Mehr Sonne, auch in Hessen“

Angesichts dieses Eifers halten sich die Kräfte der städtischen Entsorgungsbetriebe erst einmal zurück und warten im geheizten Kehrwagen auf ihren Einsatz. Es gibt für sie an diesem Tag in der Stadt noch genug zu tun. Aufgeweichte Reste von Feuerwerkskörpern, Packungen, Tüten, Handschuhe, Schals und vor allem Flaschen sind auf Straßen und Bürgersteigen verstreut, wohin man schaut.

Wenn der Müll nicht trügt, hat Wodka Sekt den Rang als liebstes Silvestergesöff abgelaufen. Manche meinen, die Flasche auszutrinken und sie ins Gras fallen zu lassen reiche noch nicht, um zu demonstrieren, wie cool man sei. Auf der anderen Seite, am Museumsufer, sind in der Nacht offenbar besonders viele dieser Zeitgenossen zugange gewesen. Sie haben in ihrer Lust, Glas zerschmettern zu lassen, die Splitter breit auf dem Uferweg verstreut. Trotz des Schmuddelwetters sind dort erstaunlich viele Jogger unterwegs und laufen Slalom zwischen den Scherben. Einige fluchen leise.

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Ministerpräsident Volker Bouffier hat die Hessen am Vorabend in seiner Neujahrsansprache aufgefordert, Ideen zu entwickeln, wie man die Zukunft des Landes gestalten könne. Nach dem Ergebnis unserer zugegeben nicht repräsentativen Umfrage gestern Morgen in Frankfurt haben ihn nur sehr wenige gehört. Die blonde Mitvierzigerin, die gegen neun Uhr in einer der langen Schlangen an den Abfertigungsschaltern des Flughafens mit Ziel Palma de Mallorca steht, auch nicht. Trotzdem will sie sich nicht verweigern. Sie fordert „mehr Sonne, auch in Hessen“.

Der Mann aus dem Taunus, der eine Runde über den Willy-Brandt-Platz dreht, weil das Museum seiner Wahl erst um 11Uhr aufmacht, muss länger nachdenken. Als sein Blick auf das Eurosymbol vor der Europäischen Zentralbank fällt, kommt ihm dann doch noch ein Gedanke: „Eine Binnenwährung, das wäre vielleicht gut.“ Und wie sollte die heißen? „Heuro vielleicht?“

Echte Werte im Eintracht-Shop

Wenn der junge obdachlose Italiener, der wenig später mit einer großen Einkaufstasche voller leerer Dosen auftaucht, nicht so hungrig, müde und wütend wäre, vielleicht hätte er empfohlen, über eine weitere Freigabe der Ladenöffnungszeiten nachzudenken. Er sucht vergeblich einen Supermarkt, in dem er seine Ausbeute der Silvesterfeiern am Automaten versilbern kann.

Am Mittwoch darf endlich wieder eingekauft werden. Alles wird noch billiger, wenn man den Plakaten in den Schaufenstern an der Zeil glauben mag. „Sale“ und „Rabatt“, wohin man blickt. Die Ziffern hinter den Minus- und vor den Prozentzeichen werden wohl demnächst die „100“ erreichen, wenn das so weiter geht. Gut, dass es noch echte Werte gibt. In ihrem Fanshop an der Bethmannstraße hat die Eintracht die Preise über den Jahreswechsel stabil gehalten. Wer oben ist, der muss eben nichts verramschen. Alles ist noch zu haben: der Kalender, die Kuscheldecke und der Toaster, der einen Adler in die Brotscheibe brennt.

Quelle: F.A.Z.

 

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