Das Fraunhofer Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) erhält für 18 Millionen Euro einen Erweiterungsbau. Er entsteht in direkter Nachbarschaft zum derzeitigen Institutsgebäude an der Rheinstraße. Finanziert wird das Bauvorhaben vom Land Hessen im Rahmen des Förderprogramms Loewe und dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft. Institutsleiter Michael Waidner, der Staatssekretär im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung (CDU), Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) und Alexander Kurz vom Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft starteten die Bauarbeiten in der Kalenderwoche 27 mit dem symbolischen ersten Spatenstich. Partsch hatte dazu passgenau und tagesaktuell die Teilbaugenehmigung in seiner Fahrradtasche mitgebracht.
Das Fraunhofer SIT ist mit seinem derzeitigen Sitz keineswegs unzufrieden, wie Waidner hervorhob. Das Gebäude an der Rheinstraße, 1961 für das Deutsche Rechenzentrum erbaut, war einst das erste akademische Rechenzentrum Deutschlands und den damaligen Dimensionen der Technik gemäß gestaltet worden - stabil mit gesicherten Kellerräumen und einem Großrechnerraum in der Mitte, um den sich kleine Arbeitsräume gruppierten. Angesichts der wachsenden Bedeutung der IT-Sicherheit und der rasanten Entwicklung der Forschung auf diesem Gebiet reicht dieses Angebot inzwischen nicht mehr aus, und auch die Raumzuschnitte sind nicht mehr zeitgemäß. Wie Waidner sagte, soll die Zahl der Mitarbeiter bis zur Fertigstellung des Neubaus im Sommer 2014 von 170 auf 250 wachsen. Neben weiteren Büros brauche es Tagungs- und Begegnungsräume.
Fortsetzung der Strategie zur Stärkung von außeruniversitären Forschungsinstituten
Die Stadt Darmstadt trage ihren Titel „Wissenschaftsstadt“ mit vollem Recht, sagte Jung. Die Forschung zur IT-Sicherheit habe hier in den vergangenen Jahren einen enormen Schub erfahren zum Beispiel durch das Loewe-Zentrum Cased (Center for Advanced Security Research Darmstadt), mit dem das Fraunhofer Institut in einer Allianz zusammenarbeite.
Hinweis darauf, dass der hohe Forschungsstand und die Vernetzung der Partner zu „Anschlussinvestitionen“ führten, sei die Eröffnung des ersten Intel-Forschungszentrums für IT-Sicherheit außerhalb der Vereinigten Staaten am Sitz von Cased. Mit dem Neu- und Ausbau des Fraunhofer SIT, für das Hessen aus dem Loewe-Programm insgesamt 9,1 Millionen Euro zur Verfügung stelle, setze die Landesregierung ihre „Strategie zur Stärkung von außeruniversitären Forschungsinstituten“ fort.
Forderung nach massiven Investitionen in den Forschungsstandort werden laut
Dass das Institut mit seinen vielfältigen Verbindungen zu den anderen wissenschaftlichen Einrichtungen in Darmstadt „gut aufgestellt“ ist und ein wichtiger Partner für IT-Sicherheitstechnik darstellt, bescheinigte auch Kurt. Es sei daher nur konsequent, dass massiv in den südhessischen Forschungsstandort investiert werde. Partsch verwies darauf, dass schon zahlreiche wichtige wissenschaftliche Einrichtungen an der Rheinstraße angesiedelt seien, weshalb sie den Namen „Straße der Innovation und Wissenschaft“ verdiene.
Diesem besonderen Charakter genügen soll auch die Architektur des Neubaus, dessen Entwurf vom Architekturbüro SEHW entworfen wurde, das unter anderem die Deutsche Botschaft in Paris und den Innenausbau des Pergamonmuseums in Berlin konzipiert hat.
Das neue Bürogebäude entsteht direkt neben dem bestehenden Institutsgebäude, mit dem es durch einen gläsernen Flur verbunden wird. Es wird rund 3000 Quadratmeter Nutzfläche umfassen, die sich über sieben Stockwerke verteilen. Ziel der Fassadengestaltung ist es nach den Worten von Xaver Egger von dem Berliner Architektenbüro, der Informationstechnologie an der Rheinstraße „ein Gesicht zu geben“.