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Veröffentlicht: 19.12.2013, 21:31 Uhr

Fraport-Chef kündigt Widerstand an Al-Wazir und „viele Schrauben“ am Flughafen

Der Flughafenbetreiber Fraport sieht die schwarz-grünen Pläne „zum Teil sehr kritisch“. Doch der künftige Verkehrsminister und Grünen-Chef Tarek Al-Wazir will „an vielen Schrauben drehen.“

von und , Frankfurt/Wiesbaden
© dpa Der Lärm vom Himmel: Das Vorhaben, den Fluglärm in der Summe zu „deckeln“, sehe die Fraport AG „sehr kritisch.“

Die Verhandlungen eines künftigen Verkehrsministers Tarek Al-Wazir (Die Grünen) mit der Luftverkehrsbranche dürften schwierig werden. Der Chef des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte, will nach seinen Worten mit einer schwarz-grünen Landesregierung engagiert zusammenarbeiten, um die Region vom Lärm zu entlasten, „da sind wir uns einig“. Er zeigte sich aber am Donnerstag zum Teil sehr skeptisch ob der Vorgaben des am Mittwoch bekannt gewordenen Koalitionsvertrages.

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Der Vorstandsvorsitzende des Flughafenbetreibers Fraport AG reagierte auf die dort angedeuteten Pläne, die Zeit um eine Stunde zu verlängern, in denen die Menschen im Umfeld von Fluglärm verschont bleiben, und auf das Vorhaben, den Fluglärm in der Summe zu „deckeln“. Zu einer solchen Obergrenze, „die wir sehr kritisch sehen“, merkte Schulte an, als börsennotiertes Unternehmen müsse man die Interessen aller Aktionäre wahren.

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Weitere Einschnitte „problematisch“

Diese Äußerung Schultes zielt auf den Anspruch von CDU und Grünen, das Land spreche als Miteigentümer von Fraport. Bei allen Überlegungen dürfe angesichts der globalen Entwicklung in der Luftverkehrsbranche die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Frankfurt nicht gefährdet werden, sagte der Vorstandschef. Deswegen sei er froh, dass dieser Aspekt im Koalitionsvertrag hervorgehoben werde. Al-Wazir äußerte sich in einer ersten Erwiderung optimistisch, dass Fortschritte beim Lärmschutz möglich seien.

Weitere Betriebseinschränkungen hält Schulte für „problematisch“. Schon jetzt habe Frankfurt weltweit die „härteste Nachtflugregelung“ und die stärksten Betriebsbeschränkungen aller Drehkreuze. Er erkennt in dem Koalitionsvertrag zum Teil den „Tenor weiterer Regulierung und Begrenzung“, was ihm angesichts der Zukunftsfähigkeit des Flughafens mit seinen rund 80000 Arbeitsplätzen Sorge bereite. Mit Blick auf die angestrebte zusätzliche Stunde Lärmpause macht der Fraport-Chef geltend, alle Veränderungen könnten nur auf dem Boden des rechtsgültigen Planfeststellungsbeschlusses erfolgen.

Widerstand gegen Terminal-Überprüfung

Er sagte, der Frankfurter Flughafen gelte schon jetzt international als Vorbild, wenn es darum gehe, den Lärm „aktiv“ zu mindern, also durch Modifizierung von Flugverfahren. „So trivial, wie das manchen erscheinen mag, ist das nicht, sonst hätten wir es längst gemacht“, fügte er zur Frage zusätzlicher Lärmpausen an. Er verwies darauf, dass frühmorgens, nach Ende des Nachtflugverbots, eine große Zahl von Maschinen von 5 bis 5.20 Uhr landen wollten. Ähnlich groß sei abends, bis zum Beginn der Betriebsruhe um 23 Uhr, die Nachfrage nach Starts.

Zur Forderung im Koalitionsvertrag, den Bedarf für das dritte Terminal noch einmal zu überprüfen und nach „für die Region verträglicheren Alternativen“ zu suchen, kündigte der Fraport-Chef Widerstand an. Zwar habe das Unternehmen selbst ein Interesse daran, so „klein und günstig“ wie möglich zu bauen und das Gebäude erst dann zur Verfügung zu stellen, wenn es tatsächlich gebraucht werde. Deshalb habe man den Beginn der Arbeiten aufgrund neuerer Prognosen auch verschoben. Er beharrte aber darauf, man benötige die neue Halle spätestens, wenn die Grenze von 68 Millionen Fluggästen im Jahr erreicht werde; das sei nach jüngeren Prognosen 2020 der Fall. Ansonsten litte der Service für die Fluggäste massiv. „Wir bauen nicht um des Bauens willen“, sagte Schulte. Es gehe um den Bedarf der Wirtschaft am Luftverkehr und damit auch um Jobs in der Region.

Mehr „Lärmpausen“ realistisch

Er wisse wohl, dass Fraport den Bauantrag für das dritte Terminal bereits gestellt habe, sagte Al-Wazir am Donnerstag in Wiesbaden. Dennoch glaube er, dass die Entscheidung des Vorstands mit Blick auf eine stärkere Auslastung der bestehenden Terminals noch einmal überprüft werden sollte. „Baurecht bedeutet nicht Baupflicht.“ Auch einvernehmliche Lösungen mit dem Ziel, mehr „Lärmpausen“ zu erreichen und zu niedrigeren Lärmobergrenzen zu kommen, halte er für realistisch. Letztlich hänge sein Erfolg als Wirtschafts- und Verkehrsminister einer künftigen schwarz-grünen Regierung nicht unwesentlich davon ab, wie viel er in Sachen Lärmbegrenzung am Flughafen erreichen könne, deshalb werde er sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschale werfen. „Wir werden versuchen, an ganz vielen Schrauben zu drehen.“

In dem halbjährlichen Lärmschutzbericht, den Fraport am Donnerstag veröffentlichte, sind zwar in der Summe wenig Veränderungen im Vergleich zu den Sommermonaten 2012 konstatiert; das Niveau liege – wohl wegen des stagnierenden Verkehrsaufkommens – unter den prognostizierten Werten, sagte Vorstand Operations, Peter Schmitz. Jedoch habe sich an den Messstationen deutlich positiv bemerkbar gemacht, dass der Anfluggleitwinkel von 3 auf 3,2 Grad auf der Landebahn Nordwest erhöht worden sei. Schmitz sieht auch abends und nachts zumindest eine Stabilisierung. Im zu Ende gehenden Jahr seien pro Monat durchschnittlich 25 Ausnahmen für Starts nach 23 Uhr erteilt worden, 2012 seien es noch doppelt so viele gewesen. Statt der vom Bundesverwaltungsgericht erlaubten 133 Flüge zwischen 22 und 6 Uhr seien es nur 92 gewesen.

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