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Trude Simonsohn : „Ich werde mich nicht verbiegen“

Ehrenbürgerin: Trude Simonsohn hat immer noch viel zu berichten. Und vor allem die jungen Leute hören ihr begeistert zu. Mit ihren 95 Jahren sammelt sie weiter neue Freunde. Bild: Frank Röth

Trude Simonsohn ist 95 Jahre alt. Noch immer folgt sie Einladungen, Schülern von ihren Erlebnissen im KZ und ihrem Überleben zu erzählen. Nun wird die Frau aus Olmütz Ehrenbürgerin.

          Der Magistrat hat beschlossen, Sie zur Ehrenbürgerin Frankfurts zu machen. Wann werden Sie dazu ernannt?

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das weiß ich nicht.

          Nehmen Sie den Ehrentitel überhaupt an?

          Ja. Aber ich werde mich wegen dieses Ehrentitels nicht verbiegen.

          Sie stammen aus Olmütz in Mähren. Empfinden Sie Frankfurt als Ihre Heimatstadt?

          Ja. Zum ersten Mal seit 1945 fühle ich mich irgendwo zu Hause. Das kommt daher, dass hier meine Arbeit anerkannt wurde.

          Sie sind in der damaligen Tschechoslowakei zur Welt gekommen. Hat Sie das geprägt?

          Ganz bestimmt. Denn ich habe meine Jugend in einer wirklichen Demokratie verbracht. Der erste Präsident der tschechoslowakischen Republik, Tomas Garrigue Masaryk, ein großartiger Mann, hat sehr viel vom Judentum verstanden. Deshalb war es für uns kein Problem, dort Zionist zu sein.

          Wollten Sie damals nach Palästina auswandern?

          Ja, sicher. Meine ganze zionistische Arbeit war darauf ausgerichtet. Die zionistische Jugendbewegung reichte von streng religiös über sozialdemokratisch bis zu marxistisch. Wir in Olmütz waren sozialdemokratisch orientiert.

          Sind Sie wegen Ihrer zionistischen Aktivitäten ins Gefängnis gekommen?

          Ja, wegen meiner Arbeit in der zionistischen Jugend. Aber erst nachdem die Deutschen in die Tschechoslowakei einmarschiert waren. Der Leiter der jüdischen Gemeinde warnte uns, dass der Gestapochef angekündigt habe, er werde jeden ins KZ bringen, den er bei jüdischen oder zionistischen Aktivitäten erwische.

          Haben Sie weitergemacht?

          Ja, illegal. Wir waren aber weiß Gott keine Helden. Wir haben uns damals auch nicht vorstellen können, was KZ wirklich bedeutet.

          Wie sind Sie aufgeflogen?

          Der Spitzel, der mich anzeigte nach dem erfolgreichen Attentat im Juni 1942 in Prag auf Reinhard Heydrich, den stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren, hat aus meiner zionistisch-jüdischen Jugendarbeit eine kommunistische gemacht. Das kam bei seinen Oberen besser an. Weil mir illegale kommunistische Arbeit angedichtet wurde, stand mein Todesurteil mehr oder weniger fest. Heydrich war es übrigens auch, der die Wannsee-Konferenz einberufen hat, auf der im Januar 1942 die Vernichtung des europäischen Judentums beschlossen wurde.

          Wie haben Sie das Gefängnis überlebt?

          Ich saß sechs Wochen, ohne zu wissen, wessen ich beschuldigt wurde. Dann sagten sie mir: Hochverrat und illegale kommunistische Tätigkeit. Damit galt ich als politischer Häftling. Wäre ich weiter als Politische behandelt worden, wäre ich ins Frauen-KZ Ravensbrück gekommen.

          Stattdessen?

          ANTWORT: Da kommt der deutsche Polizeipräsident von Olmütz ins Spiel, der nicht nur mir, sondern auch anderen geholfen hat. Olmütz ist eine Kleinstadt, man kannte sich. Und ich war bekannt als Zionistin. Dieser Polizeipräsident hat es erreicht, dass ich als Jüdin behandelt und nach Theresienstadt gebracht wurde, wo meine Mutter während der Zeit meiner Verhaftung gelandet war.

          Und Ihr Vater?

          Der ist schon zu Beginn des Zweiten Weltkrieges ins KZ Buchenwald und später nach Dachau verschleppt worden. Dort ist er gestorben.

          Zurück zu Ihrer Haft im Gefängnis. Wie war die Behandlung dort?

          Ohne dass mir erklärt wurde, warum, wurde ich plötzlich in Einzelhaft gesteckt. Weil das Gefängnis zu voll war, haben sie einmal eine tschechisch sprechende Zigeunerin in meiner Zelle untergebracht. Ich hatte damals wegen der Einzelhaft und der gleichzeitigen Nachricht vom Tod meines Vaters überhaupt keine Energie und keinen Mut mehr. Die junge Zigeunerin hat mir an jenem Tag aus der Hand gelesen.

          Was hat sie gesehen?

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