Die Frankfurter ABG Holding will in den Jahren 2013 bis 2017 rund 1,4 Milliarden Euro in den Wohnungsbau investieren. 750 Millionen möchte die städtische Wohnungsgesellschaft für Neubauvorhaben verwenden, 650 Millionen fließen in die Pflege des Bestands. Insgesamt soll die ABG rund 4000 neue Wohnungen errichten. Im Vergleich zur Investitionssumme des Unternehmens in den vergangenen fünf Jahren bedeute das eine Steigerung um 400 Millionen Euro, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der auch dem Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens vorsitzt, am Freitag bei der Vorstellung der Zahlen. Er sprach von einer gemeinsamen „Offensive“ des Magistrats für den Wohnungsbau.
Die Investitionen der ABG sollen den städtischen Haushalt nicht belasten, sondern zum Teil aus Eigenkapital geleistet, zum Teil, wie bei Immobilienprojekten üblich, fremdfinanziert werden, wie Geschäftsführer Frank Junker erläuterte. Da die ABG ihre rund 50.000 Bestandswohnungen schon zu zwei Dritteln saniert hat, könne man sich stärker dem Neubau widmen. Junker hält die Zahl von 4000 neuen Wohnungen, die gegenüber den vergangenen fünf Jahren eine Steigerung von 40 Prozent bedeute, trotz des allgemein in Frankfurt zur Neige gehenden Baulands für realistisch.
Es handele sich um „keine unbekannten Gebiete“
Wo genau die ABG diese Wohnungen errichten will, steht im Detail noch nicht fest. Als Beispiele nannte Junker den alten Universitätscampus Bockenheim, der Platz für 1500 Wohnungen bietet, die Bürostadt Niederrad, wo die ABG im Zuge der Umwandlung des Büroviertels in ein gemischt genutztes Gewerbe- und Wohnquartier 140 Wohnungen bauen will, das Gelände des Klinikums Höchst, wo 300 Wohnungen geplant sind, ein Areal an der Kurmainzer Straße in Höchst für bis zu 140 Wohnungen und ein Projekt mit 260 Wohnungen im Europaviertel. Auf die Nachfrage, ob die weiteren Standorte vom einschlägigen Wohnbauland-Entwicklungsprogramm des Stadtplanungsamts abwichen, sagte Junker, es handele sich um „keine unbekannten Gebiete“.
Ein Drittel der neuen Wohnungen soll laut Feldmann durch unterschiedliche Programme gefördert werden. Das Stadtoberhaupt beklagte, dass die Anzahl der Sozialwohnungen in Frankfurt von heute 30.000 bis 2020 voraussichtlich auf 22.000 sinke. Bei der Wohnungsbauförderung sei aber nicht nur der sogenannte erste Förderweg für Sozialwohnungen, sondern vor allem das Mittelstandsprogramm der Stadt zu berücksichtigen. Auf diesem Weg werden Wohnungen für eine Zielgruppe gefördert, deren Einkommen die Fördergrenzen für Sozialwohnungen übersteigt, die sich aber nicht aus eigenen Kräften am Wohnungsmarkt versorgen kann. „Gerade im Bereich des Mittelstands muss mehr getan werden“, sagte auch Junker.
„Eine Stadt, die Fachkräfte braucht, braucht für sie auch ein Dach über dem Kopf“
Feldmann befüchtet, dass der Druck auf dem Wohnungsmarkt weiter zunimmt. Dies sei außer dem Verkehr „das größte Stadtproblem“ und auch ein Risiko für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. „Eine Stadt, die Fachkräfte braucht, braucht für sie auch ein Dach über dem Kopf.“ Selbst Durchschnittsverdiener können sich seiner Ansicht nach in der Innenstadt keine Wohnung mehr leisten. In Anspielung auf den Slogan der ABG „Frankfurt für alle“ fragte er: „Gibt es ein Frankfurt für alle oder nur für alle, die es sich leisten können?“ Viele Kita-Beschäftigte, Krankenschwestern und Fraport-Mitarbeiter könnten nicht mehr „mitbieten“.
Der Oberbürgermeister mahnte, dass Neubaugebiete wie in Bonames-Ost, die schon seit Jahren geplant sind, zügiger verwirklicht werden sollten. „Ich werde Druck machen, bis der Acker ein Wohngebiet ist“, kündigte er an. Auch an das Silogebiet müsse die Stadt „ran“. Um den privaten Wohnungsbau zu fördern, benötige die Stadt mehr baureife Flächen. Dass die ABG den privaten Bauherren zu viel Konkurrenz macht, glaubt er nicht. „Es wird genügend Platz für private Investoren geben.“
Der Wohnungsbau ist für Feldmann auch eine regionale Aufgabe. Die Stadt müsse stärker mit den Nachbarkommunen und Landkreisen kooperieren: „Es ist den Menschen egal, ob ihre Wohnung ein paar Meter links oder rechts von der Frankfurter Gemarkungsgrenze liegt.“ Junker berichtete, die ABG verhandele mit zwei Städten über gemeinsame Wohnungsbauprojekte. Die ABG errichtet bereits auf der Offenbacher Hafeninsel Wohnungen.
Diskussionen über bezahlbaren Wohnraum und die Bedingungen für Mieter finden sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung auf den Seiten 40, 42, 43.
Weiter so Peter Feldmann!
Barbara Wagner (BarbaraWagnerFfm)
- 16.09.2012, 09:56 Uhr