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Frankfurter Weihnachtsmarkt : Es weihnachtet sehr rosa

Für die einen bedeutet es Ausgrenzung, für die anderen ein Zeichen der Toleranz: die pinke Zone auf dem Weihnachtsmarkt. Bild: Wresch, Jonas

Auf dem Stoltzeplatz sollen speziell dekorierte Weihnachtsmarktbuden Schwule und Lesben ansprechen. Das ist umstritten, aber eigentlich vor allem kaufmännisch interessant.

          Die Kochtopfkonstruktion, in der die Feuerzangenbowle auf dem Stoltzeplatz heiß und zuckrig gemacht wird, ist vier Meter hoch. Sie leuchtet rosa, das machen die Scheinwerfer und der farbige Baldachin unter dem Dach der Hütte. Zum ersten Mal gibt es in diesem Jahr auf dem Weihnachtsmarkt einen Platz, der vor allem homosexuelle Besucher anziehen soll - aber, so sagen es die Veranstalter, nicht allein dieser Zielgruppe vorbehalten sei. Er steht unter dem Motto „Rosa Weihnacht“, und die Farbgebung ist tatsächlich anders als die auf dem Römerberg. Sonst aber gibt es Lebkuchenherzen, Glühwein und Leuchtsterne, wie überall. Für die Tourismus- und Congress GmbH, die den Frankfurter Weihnachtsmarkt organisiert, ist die „Rosa Weihnacht“ ein Experiment. Etwas, das nach den guten Erfahrungen mit den Regenbogen-Areas zum Museumsuferfest und auf dem Wäldchestag ruhig einmal probiert werden könne.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein Weihnachtsmarkt für Homosexuelle: Ob das besonders tolerant oder besonders diskriminierend ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, auch innerhalb der Szene. Carsten Wolf, der unter dem Namen Bäppi La Belle mit seiner Travestieshow an der Friedberger Landstraße auftritt, findet vor allem den Standort des Marktes problematisch. Der Stoltzeplatz sei kaum an den Weihnachtsmarkt angeschlossen. „Wir kämpfen das ganze Jahr um Gleichberechtigung, und dann grenzen wir uns derart aus.“ Das sei in den vergangenen Jahren besser gewesen: Der Glühweinstand, der in Zusammenarbeit mit der Bar „Pulse“ auf dem Stoltzeplatz betrieben wird, stand da noch mittendrin.

          „Die Leute schieben sich nicht nur umher, sie bleiben auch mal sitzen“

          Claudia Bubenheim hatte die Idee zur „Rosa Weihnacht“. Sie ist im Vorstand des Vereins „Zukunft spenden“, der unter anderem die Tombola zugunsten der Aids-Hilfe auf dem Christopher Street Day organisiert. Bubenheim mag das Budenensemble an der Katharinenpforte, in dessen Mitte eine Handvoll rosa gedeckter Biertische aufgestellt ist. Dort herrsche eine entspanntere Stimmung als auf dem Rest des Marktes. „Die Leute schieben sich nicht nur umher, sie bleiben auch mal sitzen.“ Dafür sei der Stoltzeplatz genau der richtige Ort, weswegen Bubenheim die Lage der rosa Buden auch nicht als Ausgrenzung begreift. Im Gegenteil: Für viele Homosexuelle sei ein Ort wie der Stoltzeplatz auch ein Schutzraum. „Hier können auch die, die sich das an der Konstablerwache nicht trauen, offen Händchen halten.“

          An der Kunsttanne in der Mitte des Stoltzeplatzes hängen rosa Kugeln, die kahlen Bäume sind lila bestrahlt und die Glühweinverkäufer tragen Weihnachtsmannmützen, die rosa statt rot sind. Klar, sagt Bubenheim, das könne man für klischeehaft oder sexistisch halten. Aber es sei wesentlich schwieriger, einen Markt mit den Farben des Regenbogens weihnachtlich zu dekorieren. Da spricht auch die Veranstalterin aus ihr: Bubenheim betreibt eine Eventagentur in Neu-Isenburg und hat vier Buden auf dem Stoltzeplatz. Auf dem regulären Frankfurter Weihnachtsmarkt neue Stellplätze zu bekommen, sei nahezu unmöglich, sagt sie. Das beklagt auch Josef Flohr, der mit seinem Gewürzstand aus Speyer gekommen ist und schon seit ein paar Jahren immer wieder bei der Tourismusgesellschaft nach einem Platz auf dem Weihnachtsmarkt gefragt hat. Erst jetzt hat es geklappt.

          Das macht die „Rosa Weihnacht“ vor allem kaufmännisch, weniger politisch interessant - auch wenn der Stoltzeplatz laut den Veranstaltern von der Tourismusgesellschaft keine echte Erweiterung des Weihnachtsmarktes ist. Dafür seien in den vergangenen Jahren durch die Baustellen in der Innenstadt zu viele Plätze verloren gegangenen. Aber wenn Gewürzhändler Flohr über den Standort seiner Bude spricht, dann geht es um Laufwege und Sichtbarkeit, nicht um die Farbe Rosa oder eine bestimmte Zielgruppe.

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