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Im Gespräch: Margarita Broich und Wolfram Koch : „Es ist mir unangenehm, wie gut ich schießen kann“

Verstehen sich gut, im Leben wie in ihren Rollen: Margarita Broich und Wolfram Koch. Bild: Wonge Bergmann

Am Sonntag hat das neue Kommissarenduo des Frankfurter „Tatorts“ Premiere. Im Interview sprechen Margarita Broich und Wolfram Koch über ihre Schießkünste, charismatische Ermittler und den Umgang der Deutschen mit Prominenten.

          Haben Sie eigentlich schießen geübt?

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Broich: Ja. Und ich kann das sehr gut. Es war mir richtig unangenehm: Ich konnte treffen. Das hätte ich für ausgeschlossen gehalten. Und dieser Schießraum der Polizei war sehr eindrucksvoll. Es gab eine Staffelei, auf der ein großes Foto von Belmondo stand, da konnte man draufschießen und dann das Bild hochklappen, dann sah man die einzelnen Organe.

          Sie haben also eine richtige Ausbildung bekommen?

          Koch: Na, wir haben so rumgeschossen.

          Broich: Die waren sehr nett. Wir sind rausgegangen, und hinterher habe ich eine E-Mail bekommen von der Gruppe, die nach uns da war, die haben lange überlegt, woher denn diese Kollegen kommen. Das war ein Kompliment, dass die dachten, wir gehören dazu.

          Nach dem 17. Mai wird man Sie auf der Straße erkennen und dann sagen, da sind die „Tatort“-Kommissare.

          Koch: Wir haben uns natürlich Pappnasen und falsche Augenbrauen gekauft!

          Broich: Da wird man dann sagen: „Sie haben die Waffe falsch gehalten.“

          Koch: Oder: „Und überhaupt, wie Sie da spielen.“ Als wir das unterschrieben haben, wussten wir ja, das wird so sein. Dein Mann, Margarita (der Schauspieler Martin Wuttke, Anm. d. Red.), hat das Beste dazu gesagt, nämlich: „Sobald einen selbst das nicht interessiert, interessiert es die Leute auch nicht mehr.“ Ein bisschen zumindest.

          Sind die Deutschen dezent im Umgang mit Prominenten?

          Broich: Also in Berlin ist das definitiv so. Ziemlich lässig.

          Koch: Wenn Leute sich freuen, dann kann man sich doch auch zurückfreuen. Ich habe mal einen „Tatort“ gedreht in Bremen. Da lag ich den ganzen Tag als Leiche herum. Damals hatte ich schon 20 Jahre Theater gemacht. Und als der „Tatort“ lief, sagten Leute zu mir: „Mensch, ich wusste ja gar nicht, dass du Schauspieler bist!“

          Es heißt, wenn man bekannt genug ist auf der deutschen Bühne, dann darf man „Tatort“-Kommissar werden. Wahr oder falsch?

          Koch: Falsch. Total falsch. Es gibt Leute, die ganz früh „Tatort“-Kommissar wurden. Was ich problematisch finde, ist die Gewichtung. Also beispielsweise, dass wenn einmal zehn Millionen zusehen, das wichtiger scheint als eine Aufführung, die ich drei Jahre spiele vor 80 oder 100 Leuten.

          Ist das nur die Gewichtung des Publikums?

          Koch: Vor 20 Jahren hat man noch, wenn man unter Schauspielern sprach, verschwiegen, dass man Drehtage hat. Heutzutage werden als Erstes die Drehtage aufgezählt, die man hat – und erst dann kommen die Theaterproduktionen. Ich mache schon sehr lange Theater, das werde ich auch weiter machen, aber ich finde das sehr spannend, mich jetzt in das hier einzuarbeiten. Das ist ja nicht nur eine Filmrolle, die man mal macht. Man soll als Kommissar ja auch im besten Sinn dramaturgisch arbeiten, sprich: Wo stehen die Figuren, was für ein Büro haben die?

          Sie haben mitbestimmen können, wie Ihre Figuren angelegt sind?

          Koch: Wir haben uns zweimal getroffen hier im HR bei Fernsehspielchefin Liane Jessen und Ideen sprudeln lassen. Tatsache ist, dass wir uns stark ausgetauscht haben und dass das in die Bücher eingeflossen ist. Mir war wichtig, dass es nicht vordergründig brutal oder lustig wirkt. Da bin ich selbst immer verstimmt, wenn ich das im Fernsehen spüre.

          Filmtrailer : Tatort: „Kälter als der Tod“

          Aber an den Charakteren und der Grundkonstellation kann man ja nur bedingt in späteren Folgen etwas ändern.

          Broich: Doch, das kann man. Vieles muss so angelegt sein, dass man sich Entwicklungen offenhält. Es sind Dinge angedacht, die im ersten „Tatort“ noch gar nicht vorkommen.

          Was für ein Typ sind Sie denn?

          Broich: Schauen Sie mich an!

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