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Frankfurter Studenten : Blitzeinsatz auf der ISS

Siegerteam: In einem Labor der Goethe-Uni arbeiten Nachwuchsforscher an ihrer Experimentierbox für die ISS. Bild: Maria Klenner

Studenten der Uni Frankfurt bereiten ein Experiment für die Internationale Raumstation vor. Funktioniert es, könnte die Wissenschaft ein Rätsel des Sonnensystems lösen.

          Im Weltall einen Film drehen: So lässt sich zusammenfassen, was Tamara Koch und ihre Kommilitonen vorhaben. Sehr einfach ausgedrückt, zugegeben. Koch und die elf anderen Mitglieder ihres Teams werden nicht das Vergnügen haben, mit Kameras durch die Internationale Raumstation ISS zu schweben. Regie wird dort oben Alexander Gerst führen, der künftige Kommandant der ISS. Viel künstlerische Gestaltungsfreiheit dürfte er dabei allerdings nicht haben. Im Grunde besteht seine Aufgabe nur darin, einen Knopf zu drücken und damit die Filmproduktion zu starten, für die sich die Frankfurter Studenten nicht nur das Drehbuch ausgedacht haben. Auch die technische Ausstattung für diesen Streifen wird zu großen Teilen in der Goethe-Universität zusammengebaut.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es wird kein Blockbuster werden. Nicht feindlichen Raumkreuzern oder zerstörerischen Asteroiden wird in Kochs Film eingeheizt, sondern lediglich ein paar Staubteilchen. Für das Finale wird sich statt eines Millionenpublikums vermutlich nur eine kleine Gemeinde von Wissenschaftlern interessieren. In diesem Kreis aber könnte ein Happy End den Frankfurtern viel Anerkennung einbringen. Zum Beispiel in Form eines Artikels in einer renommierten Fachzeitschrift. „Ein Beitrag für ,Nature‘, das wäre schon nett“, sagt Koch.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Eindruck gemacht hat das Skript, das die Doktorandin und ihre Mitstreiter geschrieben haben, zunächst einmal im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Frankfurter Uni-Gruppe gehört zu den Gewinnern eines vom DLR ausgeschriebenen Wettbewerbs: Gesucht worden waren originelle Experimente, die der deutsche Astronaut Gerst während seines Aufenthalts auf der ISS im nächsten Jahr durchführen kann.

          Kochs Doktorvater Frank Brenker, Professor am Institut für Geowissenschaften, warb unter Mitarbeitern und Studenten für die Teilnahme an dem Wettstreit. Um Gruppenleiterin Koch fand sich schnell ein knappes Dutzend Interessierte zusammen – überwiegend angehende Geowissenschaftler und Physiker. Lange wendeten die Studenten Ideen für Versuche hin und her, und „irgendwann war alles doof“, erinnert Koch sich lachend. Dann aber kam dem Kreis eine buchstäblich zündende Idee: Die Jungforscher beschlossen, die Hypothese zu überprüfen, dass Blitze eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Himmelskörpern gespielt haben könnten.

          Einschlüsse in Meteoriten

          Vor 4,5 Milliarden Jahren war das heutige Sonnensystem nur ein Nebel aus Gas und Staubkörnern. Wie sich aus winzigen Krümeln größere Festkörper und schließlich ganze Planeten formten, ist im Detail bis heute ungeklärt. Offenbar verschmolzen die mineralischen Partikel unter großer Hitze miteinander und erstarrten dann zu Tröpfchen, den sogenannten Chondren. Sie finden sich auch als Einschlüsse in Meteoriten. Drei Theorien gibt es, die erklären sollen, warum die Staubteilchen fusioniert sind. Schockwellen könnten eine Ursache gewesen sein, vielleicht auch Zusammenstöße mit Asteroiden. Oder eben Blitze. Elektrische Entladungen, verursacht durch Reibung der Partikel aneinander.

          Koch und ihre Mitstreiter dachten sich einen Versuchsaufbau aus, der zeigen soll, ob sich tatsächlich Chondren bilden, wenn man es in einem Staubnebel blitzen lässt – und zwar in der Schwerelosigkeit. Blitze kann man auch auf der Erde simulieren, zum Beispiel in Falltürmen, aber nicht lange genug für ein solches Experiment. Da liegt der Gedanke nahe, es im Weltraumlabor zu probieren. Auf Konferenzen erzählte Brenker Kollegen von der Idee: „Die sagten, das wollen wir schon seit 20 Jahren ausprobieren. Jetzt macht es endlich mal jemand.“

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