Die Frankfurter SPD besteht auf eine Wiederwahl von Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff (SPD). Die Parteiführung hat vor Konsequenzen für das Regierungsbündnis von CDU, SPD, Grünen und FDP gewarnt, falls Nordhoff am Nein der Koalitionspartner scheitere. Parteichef Franz Frey forderte namentlich die Grünen auf, nicht vertragsbrüchig zu werden. Diese hätten jetzt die Frage zu klären, ob für sie der Koalitionsvertrag noch gelte. "Wenn die Grünen Nordhoffs Wahl nicht mittragen, verletzen sie den Bündnisvertrag und scheiden damit aus", sagte er gestern bei einer Pressekonferenz.
Die Parteiführung ist überzeugt davon, daß der SPD-Parteitag Ende März mit breiter Mehrheit ihrem einstimmigen Votum folgen wird, Nordhoff als Kandidaten zu nominieren. Die Kritik namhafter Frankfurter Künstler und Kulturvermittler an Nordhoff, geäußert Anfang der Woche in einem Offenen Brief, hält der Parteivorsitzende Frey für falsch und "inhaltlich dürftig". Die Unterzeichner des Briefes seien sicher "interessante Menschen", repräsentierten aber keineswegs die Frankfurter Kulturszene in ihrer Gesamtheit. Frey appellierte an die Kritiker, die realen Ergebnisse der Kulturpolitik zu betrachten und dann noch einmal ein Urteil zu fällen. Nordhoff sei kein "Selbstdarsteller", äußerte der Parteichef in Anspielung auf den Vorwurf, der Dezernent repräsentiere in seinem Auftreten und seinen Äußerungen die Kultur nicht angemessen. Doch er sei ein "Ermöglicher von Leistungen", und genau dieses brauche die Stadt. Nordhoff stehe für hohe Qualität in Zeiten knapper Mittel, er habe in seiner Bilanz beispielsweise einen Rekordbesuch in den Museen vorzuweisen und darüber hinaus Erfolge bei der Geschichtsvermittlung erzielt, wofür etwa die Einrichtung des Oskar-Schindler-Lernzentrums im Museum Judengasse stehe.
Unter Verweise auf Hamburg, Köln und München versuchte Bürgermeister Joachim Vandreike zu belegen, daß Frankfurt auf dem Feld der Kultur gut dastehe: In den genannten Städten seien die Kulturetats erheblich stärker gekürzt worden - Hamburg minus 17 Prozent, Köln minus 15 Prozent - als in Frankfurt. Die Mainmetropole habe trotz großer finanzieller Schwierigkeiten eine gute Bilanz vorzuweisen - was nach Ansicht Vandreikes mit ein Verdienst des Ressortchefs Nordhoff ist.
Nordhoff selbst sprach den Unterzeichnern des gegen ihn gerichteten Offenen Briefes die Legitimität ab, über das Amt des Kulturdezernenten zu bestimmen. Darüber werde nicht in einer "plebiszitären Entscheidung" abgestimmt - Obdachlose wählten schließlich auch nicht den Sozialdezernenten oder Architekten den Baustadtrat. Einer Diskussion mit den Verfassern des Briefes etwa im Schauspielhaus, wie sie der frühere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) angeregt hatte, will sich Nordhoff vorerst nicht stellen. Das sei, so sagte er auf Nachfrage, bisher nicht vorgesehen.

