25.11.2011 · Peter Feldmann gegen Michael Paris: Die Kandidatenfindung der Frankfurter SPD für das Oberbürgermeisteramt hat begonnen. Beide wollen mehr Schutz vor Fluglärm.
Von Hans RiebsamenDie Frankfurter CDU hat als erste Partei mit Boris Rhein ihren Oberbürgermeister-Kandidaten gefunden - par ordre der regierenden Oberbürgermeisterin Petra Roth. Die Grünen haben mittlerweile nachgezogen und die Favoritin des Vorstands, die designierte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, zu ihrer Hoffnungsträgerin bestimmt.
Gestern nun haben die Sozialdemokraten mit einer Regionalkonferenz im Bürgerhaus Südbahnhof ihren Prozess der Kandidatenfindung eröffnet. Michael Paris gegen Peter Feldmann lautete das Duell, moderiert von Parteichef Gernot Grumbach. Paris ist ehrenamtlicher Stadtrat in Frankfurt, Feldmann der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Römer-Fraktion. Urwahl und Regionalkonferenzen heißen die beiden Zauberworte, mit denen die SPD-Führung die Mitglieder mobilisieren und die beiden Kandidaten bekannt machen will. "Bei der CDU dürfen drei Leute über den Kandidaten entscheiden, bei der SPD 3800 Mitglieder", lobte Grumbach das sozialdemokratische Modell. Allerdings reichte die Mobilisierung gestern nicht so weit, dass das Bürgerhaus bis auf den letzten Platz besetzt gewesen wäre.
20 Minuten. So lange durfte jeder Kandidat sich und sein Programm vorstellen. Und jeweils 20 Minuten haben Paris und Feldmann auch auf den anderen fünf Regionalkonferenzen in den nächsten Tagen Zeit, die Genossen für sich einzunehmen. Paris richtete gestern im Bürgerhaus staatsmännisch vom Rednerpult aus das Wort an die knapp 150 Besucher: Seine Schwerpunkte legte er auf Lebensqualität in den Stadtteilen, bezahlbares Wohnen sowie Schule und Bildung. Feldmann gab sich als Volkstribun, stieg vom Podium herab und suchte mit hochgekrempelten Hemdsärmeln die Nähe der Basis. Er nannte als seine Ziele den Kampf gegen Kinderarmut und für eine bessere Alten-Politik. Außerdem kündigte er an, für mehr Wohnungsbau und mehr Internationalität in der Stadt einzutreten. Beide Bewerber versprachen den Zuhörern, sich für einen besseren Schutz vor Fluglärm stark zu machen.
Feldmann und Paris redeten sich, wie unter Genossen üblich, mit Du und Vornamen an. "Michael ist für mich kein Gegner, er ist ein Mitbewerber", sagte Feldmann, der im Gegensatz zu Paris zum linken Flügel der Partei zählt. Sie hätten sich in die Hand versprochen: Egal wie die Urwahl ausgehe, der Unterlegene werde den Sieger im Wahlkampf unterstützen.
Er, so kündigte Paris als erster Redner an, wolle mit Unterstützung der Mitglieder die Frankfurter SPD wieder dahin führen, wohin sie gehöre - an die Spitze. Davon ist die SPD seit der Kommunalwahl im Frühjahr allerdings weit entfernt, mit 21,3 Prozent der Stimmen wurde sie hinter CDU und Grünen nur drittstärkste Kraft. Diese Schwäche dürfte ausschlaggebend dafür gewesen sein, dass keine prominente Persönlichkeit von außerhalb Kandidat werden wollte, obwohl der SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel und der Frankfurter Vorsitzende Grumbach viele Gespräche geführt hatten.
Wer gestern als Sieger aus dem ersten Duell hervorgegangen ist, lässt sich nicht sagen. Einen überwältigenden Auftritt hat keiner der beiden Kandidaten hingelegt, beide bekamen Applaus, aber keinen stürmischen. Die Teilnehmer an der Regionalkonferenz konnten, sofern sie Parteimitglieder waren, schon gestern Abend ihre Stimme abgeben, Versammlungsleiter Grumbach ließ nach anderthalb Stunden um 20.30 Uhr die Urnen bereitstellen. Ausgezählt wird jedoch erst am 14. Dezember. Bis dahin können auch jene Genossen, die nicht in einer der Regionalkonferenzen abgestimmt haben, per Brief ihr Votum abgeben.