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Frankfurter Sparkasse Fraspa ist auf der Suche nach Kreditkunden

Die Frankfurter Sparkasse hat 2011 so viel verdient wie nie. Eine Kreditklemme müssten die Kunden nicht fürchten, sagt der Chef. Und dass das Thema Lehman abgehakt sei. Von Tim Kanning

© Röth, Frank Vergrößern Gut aufgestellt: Vorstandschef Herbert Grüntkerkann für 2011 abermals ein Rekordergebnis für die Fraspa vorlegen.

So viel los war lange nicht in Frankfurts öffentlich-rechtlicher Banken-Welt. Die Landesbank Hessen-Thüringen übernimmt Teile der WestLB, über die künftige Struktur des Hauses wird kräftig diskutiert, und zwei Vorstände werden die Bank überraschend verlassen. Die Fondsgesellschaft der Sparkassen, die Dekabank, hat am Montag ihren Vorstandsvorsitzenden gefeuert und mit kräftigen Mittelabflüssen zu kämpfen. Da bietet die Frankfurter Sparkasse - Tochter der Helaba, Anteilseignerin der Deka - geradezu einen ruhenden Pol.

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In gewohnter Bescheidenheit stellte der Vorstandsvorsitzende Herbert Grüntker am Mittwoch die Jahreszahlen des Hauses vor, die fast alle gestiegen sind. Das Ergebnis vor Steuern in Höhe von 109,5 Millionen Euro bedeutet eine Steigerung um ein Drittel gegenüber dem auch schon guten Vorjahr - „ein bisher nicht erreichtes Ergebnisniveau“, wie Grüntker meinte. Das Ergebnis wäre noch besser ausgefallen, wenn die Fraspa nicht 21 Millionen Euro auf ihre Beteiligung an der Landesbank Berlin hätte abschreiben müssen, die hohe Verluste in Griechenland zu verbuchen hatte. Das sei fast die einzige Belastung im Bewertungsergebnis, sagte der Vorstandschef. Das Bewertungsergebnis des Kreditgeschäfts und des eigenen Depots bewege sich wie im Vorjahr auf sehr niedrigem Niveau.

Mehr Kredite an große Institute

Als Jahresüberschuss weist die Sparkasse wie im Vorjahr 60 Millionen Euro aus, 35 Millionen davon sollen an die Helaba ausgeschüttet werden. Dass sich dieser Wert trotz des besseren Ergebnisses nicht verändert hat, begründete Grüntker damit, dass 2010 einige Sondereffekte die Steuern vergleichsweise niedrig gehalten hätten. Das habe sich 2011 nicht wiederholt.

Eine Kreditklemme gebe es bei der Frankfurter Sparkasse nicht, sagte der Vorstandsvorsitzende. Im Gegenteil: Die Fraspa würde gerne viel mehr Kredite vergeben und richtet dabei ihr Augenmerk auch auf die großen Institute, die aufgrund neuer Regularien oder - wie im Fall der Commerzbank - Vorschriften der EU ihre Risiken, sprich Kreditbücher, verkleinern müssen.

Großteil der Kreditzusagen in Immobilienfinanzierungen

2011 wuchs das Volumen der vergebenen Kredite um 3,3 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Angesichts von Kundeneinlagen in Höhe von 13,9 Milliarden Euro hat die Fraspa aber vergleichweise wenig Geld in Form von Krediten wieder ausgegeben. Als Begründung dafür nannte Grüntker den hohen Anteil an Dienstleistungsunternehmen in der Rhein-Main-Region. Diese brauchten eben weniger Kredite als Industrieunternehmen, die teure Maschinen bezahlen müssten.

Ein Großteil der neuen Kreditzusagen in Höhe von 952 Millionen Euro sei in Immobilienfinanzierungen geflossen. Obwohl die Nachfrage nach solchen Investitionen in Sachwerten schon seit einiger Zeit groß ist, sieht Privatkundenvorstand Stephan Bruhn in Frankfurt immer noch eine Reihe von Objekten, die es sich anzusehen lohne. „Der Frankfurter Immobilienmarkt ist schon immer teuer gewesen“, sagte Bruhn und verwies darauf, dass zum Beispiel in München die Preise wesentlich stärker gestiegen seien.

Viele ihrer Filialen modernisiert die Sparkasse gerade. Vor der Zentrale an der Neuen Mainzer Straße steht derzeit ein knallroter Truck, eine Art riesiger Wohnwagen. In der mobilen Filiale müssen die Kunden der Geschäftsstelle derzeit ihre Bankgeschäfte erledigen, denn die Hauptkasse wird gerade umgebaut. Schon im vergangenen Jahr hat die Fraspa elf ihrer Zweigstellen modernisiert und dafür 1,2 Millionen Euro ausgegeben. In den vergangenen vier Jahren hat sie zehn Millionen in Filialerneuerungen gesteckt.

„Für eine Ballungsraumsparkasse ein sehr guter Wert“

Trotz der Investitionen und obwohl die Zahl der Mitarbeiter konstant bei 1800 geblieben ist, konnte die Sparkasse die Verwaltungskosten 2011 leicht senken. Mit einigem Stolz verwies Grüntker darauf, dass diese Ausgaben seit 2005, als die Fraspa von der Helaba übernommen wurde, kaum gewachsen seien, obwohl die Bilanzsumme gleichzeitig von 14,2 auf 17,9 Milliarden Euro gestiegen sei. Um einen Euro zu verdienen, muss die Fraspa nun knapp 64 Cent ausgeben. „Für eine Ballungsraumsparkasse ein sehr guter Wert“, findet Grüntker, zumal es 2005 noch knapp 84 Cent gewesen waren.

Anders als über die Filialen hat die Sparkasse über ihre Direktbanktochter 1822direkt im vergangenen Jahr kaum neue Kundengelder eingesammelt. Privatkundenvorstand Bruhn zeigte sich dennoch zufrieden. Die Direktbank habe 2011 das beste Segmentergebnis ihrer Geschichte abgeliefert. An einem Konditionenwettbewerb wolle man sich nach wie vor nicht beteiligen. Derzeit versuchten europäische Banken mit Refinanzierungsproblemen aggressiv am Markt zu werben. „Der deutsche Privatanleger ist offenbar der Letzte, der denen noch Geld gibt“, sagte Bruhn.

„Das Thema Lehman haben wir abgehakt“

Das Thema Lehman Brothers würde Grüntker am liebsten gar nicht ansprechen. Die Sparkasse war in der Finanzkrise 2008 immer wieder in die Kritik geraten, weil sie vielen Kunden Zertifikate der amerikanischen Bank verkauft hatte, die nach deren Insolvenz nahezu wertlos geworden waren. Noch vor einem Jahr sprach Grüntker von 125 anhängigen Klagen. Davon sei nun keine mehr offen, hieß es gestern. „Das Thema Lehman haben wir abgehakt“, sagte Grüntker und hielt sich ansonsten trotz mehrerer Nachfragen dazu bedeckt.

Quelle: F.A.Z.

 
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