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Frankfurter Skyliners : Ein Candy Man in Frankfurt

Entspricht nicht den gängigen Klischees: Ted Scott , hier in der Begegnung der Skyliners gegen die Spieler der Telekom Baskets Bonn. Bild: Wonge Bergmann

Skyliners-Neuzugang Ted Scott studierte Geschichte, spielte Basketball in Polen und Portugal - und pusht sich mit Süßigkeiten. Einmal ging das schief.

          Ted Scott hat sich einiges anhören müssen bei seinem jüngsten Auftritt für die Fraport Skyliners. Mitten in der wichtigsten Phase des Basketball-Bundesligaspiels in Bamberg hatte sich der Amerikaner den Schiedsrichtern gegenüber im Ton vergriffen - und prompt ein technisches Foul eingesteckt. Und weil so ein Basketballspiel auch Nervensache ist, kassierten die Frankfurter nach der Vollstreckung der fälligen Strafwürfe und dem folgenden Ballbesitz für die Oberfranken gleich sechs Punkte in Folge. Bis auf fünf waren sie zuvor an den deutschen Meister herangekommen. Doch von diesem Rückschlag hatten sie sich nicht mehr erholt und schließlich 67:76 verloren. Am Sonntag, wenn die Frankfurter gegen Braunschweig (Ballsporthalle, 15 Uhr) spielen, soll es besser laufen.

          Scott, der Frankfurter Neuzugang, wirkt eigentlich überhaupt nicht wie ein Heißsporn. „So etwas ist mir zum ersten Mal passiert“, sagt der Amerikaner, der bei den Skyliners als sogenannter „Combo Guard“ spielt – was ganz einfach bedeutet, dass der 27 Jahre alte Mann aus Columbus im amerikanischen Bundesstaat Ohio für eine Kombination aus den zwei Aufbaupositionen, der des Spielmachers und der des Mannes daneben, dem Shooting Guard, bestens geeignet ist. Scott wird sich bei den Skyliners wohl auf letztere Position, die seine Qualitäten als Schütze mehr in den Mittelpunkt rückt, konzentrieren können.

          „Der Coach ist extrem geduldig mit mir“

          Sein emotionaler Ausrutscher den Schiedsrichtern gegenüber ist vielleicht durch die Tatsache zu erklären, dass Scott erst seit drei Wochen in Frankfurt und auch das erste Mal in seiner Karriere in der Bundesliga spielt. Seine Aufnahme im Team von Trainer Muli Katzurin sei „smooth“ gewesen. „Der Coach ist extrem geduldig mit mir“, sagt Scott. Sich schnell ins Spielsystem einzufinden, bei bestimmten Spielzügen auf der exakten Position zu stehen, die richtigen Wege zu laufen - all dies müssen sich die Profis in der Saisonvorbereitung hart erarbeiten. Scott hat dafür ganz offenbar eine spezielle Begabung. „Man kann sich sehr gut mit ihm über solche Themen unterhalten“, sagt Skyliners-Kapitän Marius Nolte, der den neuen Kollegen sehr schätzt. „Er ist ein angenehmer Typ.“ Auf dem Feld treffe er „spontan die richtigen Entscheidungen, und er hilft uns als Punktelieferant“. Auch Katzurin sieht Scott als wichtige Ergänzung in seinem ohnehin personell nicht allzu üppig ausgestatteten Kader. „Er wird in dieser Saison sicher sehr wertvoll für uns“, sagt Katzurin über den Neuzugang, der im vergangenen Jahr den Titel des „wertvollsten Spielers“ der portugiesischen Liga verliehen bekam.

          Scott hat nach seiner Ankunft in Frankfurt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin und seinen beiden Söhnen – Ted junior, drei Jahre alt, und Tyler, neun Monate – eine Wohnung bezogen. Anders als die meisten seiner Kollegen wohnt er nicht in einem der Appartements im Frankfurter Nordwestzentrum, sondern ist in die Innenstadt gezogen. „Dort fühlen wir uns wirklich wohl“, sagt er. Zur Arbeit fährt er eine Viertelstunde mit dem Auto, was für einen längere Distanzen gewohnten Amerikaner ein Katzensprung ist. Ohnehin entspricht er nicht in jeder Hinsicht dem Klischeebild des typischen Basketball-Legionärs. Scott hat Geschichte studiert, liest gerne – und mag Computerspiele nicht.

          „Ich esse Süßigkeiten“

          Scott hat schon allerlei Erfahrung gesammelt im internationalen Basketball. Seine College-Karriere hat er 2008 an der West Virginia State University beendet. Aus dem Sprung in die NBA, den sich sein Vater immer so sehr für ihn gewünscht habe, ist nichts geworden. Also ging Scott nach Polen, spielte dort für drei verschiedene Klubs, bevor er im August des vergangenen Jahres zu Benfica Lissabon wechselte. Dort spielte der Amerikaner recht erfolgreich. 17 Punkte erzielte er für den portugiesischen Serienmeister im Schnitt. In Frankfurt ist er noch nicht ganz so gut in Schuss, aber auch der Durchschnitt von 14,5 Punkten kann sich sehen lassen. Vor den Spielen hat Scott seine ganz eigene Art, sich auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. „Ich esse Süßigkeiten“, sagt er und lacht. In Lissabon hätten sie ihm deshalb sogar einen Spitznamen verpasst: „Candy Man“.

          Man hört also fast nur Gutes über den wurfstarken Frankfurter Neuzugang. Nur ein Detail passt nicht ganz ins Bild. Im Mai der vergangenen Saison war der Benfica-Profi mit einem positiven Dopingtest negativ aufgefallen, wie Luis Horta, der Präsident der portugiesischen Anti-Doping-Agentur, auf Anfrage bestätigte. Der festgestellte Wirkstoff, dies teilte Ana Paula Cunha, die für ausländische Athleten zuständige Abteilungsleiterin des portugiesischen Basketballverbandes, dieser Zeitung mit, war Cannabis. Scott war vom Verband deshalb 15 Tage gesperrt worden. Der Wirkstoff, sagt Scott, sei in einem Sportdrink gewesen. „Den hatte ich aus Amerika mitgebracht, eine Art Nahrungsergänzungsmittel. Leider enthielt er eine Substanz, die dem Wirkstoff Cannabis zugeordnet wird.“ Bei den Skyliners ist Scott ebenfalls getestet worden – ohne Ergebnis.

          Quelle: F.A.Z.

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