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Frankfurter Roßmarkt : Ein Versuchsballon für das Platz-Trio

Kohlsuppe oder grüne Soße: Die Pflanzen an der Fassade des Pavillons auf dem Roßmarkt werden geerntet und verarbeitet. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit einem Pavillon sucht die Stadt eine Antwort auf eine alte Frage: Soll der Riesenraum vom Roßmarkt über den Goetheplatz bis zum Rathenauplatz neu gegliedert werden?

          Die Töpfengasse ist verschwunden. Vor dem Krieg verlief sie hinter einer schmalen Häuserzeile, die am westlichen, der Hauptwache zugewandten Rand des Goetheplatzes stand. Dann bereiteten die Bomben den prächtigen Gebäuden ein Ende. Nach der Zerstörung entschied man sich Anfang der fünfziger Jahre gegen den Wiederaufbau der schlanken Häuser. Und der zuvor etwas schmalere Goetheplatz, der auf der nördlichen Seite in den Rathenauplatz mündet und auf der südlichen Seite in den Roßmarkt, erhielt seine jetzige Dimension.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis 2008 wurde die Platzfolge nach einem Entwurf der Architektin Gabriele Kiefer neu gestaltet. Seither sind die Frankfurter in zwei Lager gespalten. Der Riesenplatz sei viel zu groß und ohne Kontur, rufen die einen, die auch nicht müde werden, sich nach der Neugestaltung über die „graue Steppe“ zu beklagen. Endlich ein Ort, an dem man in der eng bebauten Innenstadt den Blick schweifen lassen kann, sagen die anderen, die den steinernen Platz wegen seiner Weite schätzen.

          Querriegel könnte Platz neu beleben

          Die Idee, den Platz neu zu gliedern, war schon einige Jahre zuvor aufgekommen. 2003 schlug das Stadtplanungsamt vor, in der Verlängerung der Junghofstraße, also an der Grenze von Goetheplatz und Roßmarkt, ein Gebäude zu bauen und den Riesenraum zu teilen. Doch der Vorschlag fand keine Mehrheit. Die Stadtverordneten entschieden sich vorerst gegen eine Bebauung, ließen die neue Tiefgarage aber statisch so ertüchtigen, dass dort immer noch ein Gebäude errichtet werden könnte. Der Vorschlag fand auch Eingang ins Innenstadtkonzept, mit dem die Planer die weitere Entwicklung des Stadtzentrums steuern wollen.

          Ein Querriegel, so der Plan, könnte den Platz neu beleben. Denn tatsächlich wirkt der neu gestaltete Roßmarkt wüst und leer. Hinzu kommt, dass es an dem 200 Meter langen Dreifach-Platz nur ein einziges Restaurant gibt, das seine Stühle auf das Pflaster stellt. Die Idee wurde von dem Architekten Jo Franzke aufgegriffen, der 2004 vorschlug, zwischen Goetheplatz und Roßmarkt einen fünfgeschossigen Querriegel mit einem Hotel in den Obergeschossen und Restaurants und Cafés im Erdgeschoss zu bauen.

          Zehn Jahre alte Idee: Der Querriegel könnte den Platz teilen.
          Zehn Jahre alte Idee: Der Querriegel könnte den Platz teilen. : Bild: Simulation Jo Franzke

          Andere Stimmen halten einen Pavillon für die passendere Bauform. Der Projektentwickler Christian Anniés schlug 2003 vor, ein zweigeschossiges Gebäude an den westlichen Rand setzen, parallel zur Börsenstraße. In dem Gebäude sollten bis zu acht Restaurants und Cafés Platz finden. Die Idee stieß bei Stadtplanern, die sich gegen die Riegelwirkung aussprachen, aber auf Ablehnung.

          Workshops im „Zukunftspavillon“

          Von einem Querriegel in Höhe der Junghofstraße haben sie sich aber noch nicht verabschiedet. Wie ein massives Bauwerk an dieser Stelle wirken könnte, will die Stadt bis zum Herbst mit einem temporären Pavillon erproben, in dem es eine Bühne und ein kleines Café gibt und auch die Ergebnisse des Architektursommers 2015 präsentiert werden. Der „Frankfurter Garten“ nutzt den Bau als „Urban Gardening“-Projekt, gestaltet die Fassade mit Pflanzen und gibt Kurse.

          Am 27. November wurde der „Zukunftspavillon“ eröffnet. Die ersten Workshops im Dezember waren gut besucht. Auch in diesem Jahr soll es viele Termine geben, unter anderem eine Ausstellung von Landschaftsarchitekten aus Rotterdam und eine Installation zur Luminale. Das Stadtplanungsamt und das Hochbauamt bereiten eine Vortragsreihe vor. Die lokale Gruppe des Bunds Deutscher Architekten begleitet das Projekt und will in diesem Jahr dort seine „Tischgespräche“ öffentlich veranstalten. „Wir erhoffen uns einen offenen Raum, um mit Stadtbewohnern ins Gespräch zu kommen - über Verkehr, Hochhäuser, Stadträume und Plätze“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Dunkelau.

          Er sieht in dem Projekt einen „Versuchsballon“. Ganz ähnlich äußert sich der Architekt Ian Shaw: Er wundert sich über die Meinung der SPD-Fraktion, die die Veranstaltungsfläche freihalten will und das Experiment als gescheitert betrachtet. „Wie kann man ein Urteil jetzt schon fällen?“, fragt Shaw. Auch der Büroleiter von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) mahnt, noch „ein Weilchen“ abzuwarten, ob der Pavillon zu einer regeren Nutzung der Plätze führt.

          Quelle: F.A.Z.

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