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Frankfurter Opernensemble : Bewegliches Singen

Fasziniert von Mozart: Der 1983 in Seoul geborene Bassbariton Kihwan Sim will sich noch viele Partien des Komponisten erarbeiten. Bild: Fricke, Helmut

Frankfurts Figaro kommt aus Korea: Kihwan Sim gehört seit dieser Spielzeit zum Frankfurter Opernensemble.

          In einer Fernsehsendung mit dem Namen „Stars von morgen“ aufzutreten, macht wohl niemandem etwas aus. Vor allem nicht dann, wenn sie von einem wirklichen Star wie dem Tenor Rolando Villazón moderiert wird. Auch Kihwan Sim hatte im Juni Spaß bei der Aufzeichnung der vor kurzem ausgestrahlten Sendung. Wenn nur der Moderator etwas weniger spontan gewesen wäre. Sim sang eine Arie aus „La Gioconda“, abgesprochen war, dass er Villazón danach ein Interview geben würde. Der aber änderte kurzerhand die abgesprochenen Fragen und zwang seinen koreanischen Schützling zum Improvisieren. Vor der Kamera und großem Saalpublikum unerwartete Fragen auf Deutsch - das war Sim fast etwas zu viel.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wohler fühlt sich der Bassbariton in diesen Tagen auf der Bühne der Oper Frankfurt, wo er in Mozarts Figaro singt. Die Rolle bedeutet ihm viel. Mit ihr hat er vor zwei Jahren, während seines Gesangsstudiums, erstmals auf einer deutschen Bühne gestanden, am Staatstheater Darmstadt, unter dem damaligen Generalmusikdirektor Constantin Trinks, der nun auch den Frankfurter „Figaro“ dirigiert. Sein Debüt zu Hause in Südkorea hat Sim ebenfalls als Figaro gegeben. Und nach den Auftritten in Darmstadt hat er Mozarts scharfsinnigen Diener in Budapest gesungen, wohin man ihn eingeladen hatte.

          Figaro ist ein kluger Mann

          Mozarts Musik findet der 1983 in Seoul geborene Sim faszinierend. Nicht nur, weil sie seiner Stimme liegt und er sich in den nächsten Jahren außer Masetto und Leporello, die er ebenfalls im Repertoire hat, weitere Mozart-Partien erarbeiten will, den Sarastro etwa. Er empfindet Mozarts Musik als besonders vielschichtig. Sie komme ihm jeden Tag anders vor, sagt er, mal sehr fröhlich, mal tieftraurig. Sim freut sich über die Möglichkeit, als frisch zum Frankfurter Opernensemble gestoßenes Mitglied in einer Hauptrolle aufzutreten. Noch mehr hat er sich darüber gefreut, das Publikum während der Aufführungen von „Le nozze di Figaro“ lachen zu hören. Figaro, sagt Sim, sei ein kluger Mann. „Er denkt schnell, bewegt sich schnell, ist immer aktiv.“ Das müsse er spielen, vor allem aber: „Das muss ich singen.“

          Nach Deutschland ist er vor vier Jahren gekommen, auf Rat seines Gesangslehrers in Seoul. Zuerst ging es nach Nürnberg, wo seine Freundin, ebenfalls mit Gesangsausbildung, lebte. Dann machte er die Aufnahmeprüfung für die Hamburger Musikhochschule und zog an die Elbe. An Hamburg denkt er gerne zurück, an die frische Luft und die Spaziergänge an der Alster. Als er das erste Mal nach Frankfurt kam, fühlte er sich zwischen den Hochhäusern fremd: „Die Stadt hatte einen ganz anderen Rhythmus.“

          Sim hat sich an Frankfurts Rhythmus gewöhnt

          Inzwischen gefällt es ihm am Main sehr gut. Das liegt sicher an den Erfahrungen, die er mit der Oper Frankfurt gemacht hat. Im vorigen Jahr wurde er nach seinem Hamburger Konzertexamen in das Opernstudio aufgenommen, im Herbst dieses Jahres mit Beginn der neuen Spielzeit zum Mitglied des Ensemble ernannt. Er hätte auch nach Zürich gehen können, das dortige Opernhaus wollte ihn ebenfalls haben. Sim gefällt es, in Frankfurt mit vielen guten Kollegen und Gastsolisten zusammenarbeiten zu können. Auch Agenten, fügt er hinzu, säßen im Publikum. Es kann nie schaden, von ihnen auch auf der Bühne gehört und gesehen zu werden, nicht nur auf Wettbewerben, denen sich wie viele gute Nachwuchssänger auch Sim tapfer gestellt hat. 2009 belegte er in Gütersloh den zweiten Platz bei den „Neuen Stimmen“, ein Jahr später gewann er in Paris die „Paris International Opera Competition“, im vorigen Jahr errang er den ersten Preis des „Concours Régine Crespin“.

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