Home
http://www.faz.net/-gzg-75dpp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Opernensemble Bewegliches Singen

Frankfurts Figaro kommt aus Korea: Kihwan Sim gehört seit dieser Spielzeit zum Frankfurter Opernensemble.

© Fricke, Helmut Vergrößern Fasziniert von Mozart: Der 1983 in Seoul geborene Bassbariton Kihwan Sim will sich noch viele Partien des Komponisten erarbeiten.

In einer Fernsehsendung mit dem Namen „Stars von morgen“ aufzutreten, macht wohl niemandem etwas aus. Vor allem nicht dann, wenn sie von einem wirklichen Star wie dem Tenor Rolando Villazón moderiert wird. Auch Kihwan Sim hatte im Juni Spaß bei der Aufzeichnung der vor kurzem ausgestrahlten Sendung. Wenn nur der Moderator etwas weniger spontan gewesen wäre. Sim sang eine Arie aus „La Gioconda“, abgesprochen war, dass er Villazón danach ein Interview geben würde. Der aber änderte kurzerhand die abgesprochenen Fragen und zwang seinen koreanischen Schützling zum Improvisieren. Vor der Kamera und großem Saalpublikum unerwartete Fragen auf Deutsch - das war Sim fast etwas zu viel.

Florian  Balke Folgen:

Wohler fühlt sich der Bassbariton in diesen Tagen auf der Bühne der Oper Frankfurt, wo er in Mozarts Figaro singt. Die Rolle bedeutet ihm viel. Mit ihr hat er vor zwei Jahren, während seines Gesangsstudiums, erstmals auf einer deutschen Bühne gestanden, am Staatstheater Darmstadt, unter dem damaligen Generalmusikdirektor Constantin Trinks, der nun auch den Frankfurter „Figaro“ dirigiert. Sein Debüt zu Hause in Südkorea hat Sim ebenfalls als Figaro gegeben. Und nach den Auftritten in Darmstadt hat er Mozarts scharfsinnigen Diener in Budapest gesungen, wohin man ihn eingeladen hatte.

Figaro ist ein kluger Mann

Mozarts Musik findet der 1983 in Seoul geborene Sim faszinierend. Nicht nur, weil sie seiner Stimme liegt und er sich in den nächsten Jahren außer Masetto und Leporello, die er ebenfalls im Repertoire hat, weitere Mozart-Partien erarbeiten will, den Sarastro etwa. Er empfindet Mozarts Musik als besonders vielschichtig. Sie komme ihm jeden Tag anders vor, sagt er, mal sehr fröhlich, mal tieftraurig. Sim freut sich über die Möglichkeit, als frisch zum Frankfurter Opernensemble gestoßenes Mitglied in einer Hauptrolle aufzutreten. Noch mehr hat er sich darüber gefreut, das Publikum während der Aufführungen von „Le nozze di Figaro“ lachen zu hören. Figaro, sagt Sim, sei ein kluger Mann. „Er denkt schnell, bewegt sich schnell, ist immer aktiv.“ Das müsse er spielen, vor allem aber: „Das muss ich singen.“

Nach Deutschland ist er vor vier Jahren gekommen, auf Rat seines Gesangslehrers in Seoul. Zuerst ging es nach Nürnberg, wo seine Freundin, ebenfalls mit Gesangsausbildung, lebte. Dann machte er die Aufnahmeprüfung für die Hamburger Musikhochschule und zog an die Elbe. An Hamburg denkt er gerne zurück, an die frische Luft und die Spaziergänge an der Alster. Als er das erste Mal nach Frankfurt kam, fühlte er sich zwischen den Hochhäusern fremd: „Die Stadt hatte einen ganz anderen Rhythmus.“

Sim hat sich an Frankfurts Rhythmus gewöhnt

Inzwischen gefällt es ihm am Main sehr gut. Das liegt sicher an den Erfahrungen, die er mit der Oper Frankfurt gemacht hat. Im vorigen Jahr wurde er nach seinem Hamburger Konzertexamen in das Opernstudio aufgenommen, im Herbst dieses Jahres mit Beginn der neuen Spielzeit zum Mitglied des Ensemble ernannt. Er hätte auch nach Zürich gehen können, das dortige Opernhaus wollte ihn ebenfalls haben. Sim gefällt es, in Frankfurt mit vielen guten Kollegen und Gastsolisten zusammenarbeiten zu können. Auch Agenten, fügt er hinzu, säßen im Publikum. Es kann nie schaden, von ihnen auch auf der Bühne gehört und gesehen zu werden, nicht nur auf Wettbewerben, denen sich wie viele gute Nachwuchssänger auch Sim tapfer gestellt hat. 2009 belegte er in Gütersloh den zweiten Platz bei den „Neuen Stimmen“, ein Jahr später gewann er in Paris die „Paris International Opera Competition“, im vorigen Jahr errang er den ersten Preis des „Concours Régine Crespin“.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Theaterbühne Bessung Den Liebhaber spielen und das Foyer fegen

Beim Projekt Jugend und Theater Darmstadt spielen Profis und Laien Seite an Seite. Jetzt hat die Gruppe ihre erste eigene Bühne - und verwandelt sie in einen wilden Nachtclub der Dreißiger. Mehr Von Samuel Rieth, Darmstadt

09.05.2015, 16:01 Uhr | Rhein-Main
Seltenes Bild Außenminister singen und schunkeln auf der Bühne

Nach einem gemeinsamen Abendessen im türkischen Antalya haben sich einige der Nato-Außenminister von einer anderen Seite gezeigt. Auf der Bühne schunkelten sie und sangen We are the world. Mehr

16.05.2015, 12:32 Uhr | Gesellschaft
SV Darmstadt 98 Tor zum hollywoodreifen Ende steht weit offen

Marcel Hellers Sprint vor dem Darmstädter Siegtreffer in Karlsruhe lässt alle staunen. Er sorgte dafür, dass die Lilien jetzt nur noch hindurchgehen müssen - durch das Tor der ersten Liga. Mehr Von Alex Westhoff, Karlsruhe

13.05.2015, 06:01 Uhr | Rhein-Main
Singen per Gebärdensprache Musik für Gehörlose

María José Siebald lässt Musik für Gehörlose erfahrbar werden: Die Chilenin macht Musikvideos in Gebärdensprache oder tritt auf der Bühne auf. Dafür verkleidet sie sich auch schon mal als Amy Winehouse. Mehr

06.02.2015, 15:59 Uhr | Gesellschaft
ESC-Sängerin Ann Sophie Der Traum von der ersten Reihe

Sie hat lange für eine Karriere auf der Bühne gearbeitet und dabei so manche Widrigkeit in Kauf genommen. Jetzt fährt Ann Sophie zum Finale des Grand Prix nach Wien. Einen Plan B hat sie trotzdem. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt, Köln

15.05.2015, 12:24 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.12.2012, 15:48 Uhr

Bitte kein Krieg im Verkehr

Von Hans Riebsamen

Rüpel-Radfahrer missachten die Regeln und bringen Fußgänger in Gefahr. Doch ein Krieg bringt niemanden weiter. Die Politik muss daher Antworten finden auf die Probleme im Verkehr. Mehr 0