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Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann : Ein Mann mit Durchhaltevermögen

Setzt ungewohnte Prioritäten: Oberbürgermeister Peter Feldmann in seinem Arbeitszimmer. Bild: Wonge Bergmann

Man sagt, es gebe zwei Arten Politiker. Peter Feldmann ist keiner von beiden. Der oft unterschätzte SPD-Politiker nutzt seine begrenzten Möglichkeiten geschickt.

          Man sagt, es gebe zwei Arten Politiker. Da ist der Charismatiker, der sich nicht so gern mit Details in Sachfragen abgibt, sondern seinem Instinkt und seiner rhetorischen Begabung vertraut und die Wähler mit seiner Ausstrahlung überzeugt. Gerhard Schröder gehört zu dieser Gattung. Und dann gibt es den Typus Arbeiter, der die Akten kennt, sich in den Gremien nach oben schuftet und sich den Respekt der Leute durch seine Beharrlichkeit erwirbt. Angela Merkel gehört in diese Rubrik.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Peter Feldmann hat kein Charisma, sein Redestil ist ziemlich künstlich, er gilt auch nicht als besonders fleißig und schon gar nicht als auffallend sachkundig, trotz der 23 Jahre, die er als Stadtverordneter im Römer verbracht hat. Weil das so ist, hatte nicht nur die CDU den Sozialdemokraten, der am Sonntag 54 Jahre alt wird, unterschätzt. Und weil das so ist, glaubt mancher nun, Feldmann sei dem Amt nicht gewachsen. Sein ehemaliger innerparteilicher Konkurrent Michael Paris sprach das unlängst während eines parlamentarischen Abends in Wiesbaden öffentlich aus. Sinngemäß rief er Feldmann in Anwesenheit des SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel und anderer Politprominenz zu: „Das hältst du doch nicht sechs Jahre durch, Peter!“

          Viele Alphatiere reagieren auf seine zurückhaltende Art irritiert

          Da dürfte sich Paris gewaltig täuschen, das lässt sich nach annähernd hundert Tagen Amtszeit des neuen Oberbürgermeisters sagen. Feldmann besitzt Durchhaltevermögen und einen Blick für das Wesentliche, das hat er zuletzt in seinem langen Lauf zur Kandidatur und anschließend im Wahlkampf bewiesen. Feldmann pflegt einen Führungsstil, der nicht in die bekannten Schemata passt. Das hat sich auch auf seiner Türkei-Reise gezeigt, wo er sich nur selten an der Spitze der städtischen Delegation aufhielt, sondern eher mitlief. Darin ist er das genaue Gegenteil seiner Vorgängerin Petra Roth.

          Viele Alphatiere in Politik und Wirtschaft reagieren auf seine zurückhaltende, fast defensive Art irritiert. Ministerpräsident Volker Bouffier etwa ist dem Vernehmen nach sehr verwundert darüber, dass Feldmann noch nicht das Gespräch mit ihm gesucht hat. Der Oberbürgermeister nimmt das in Kauf, er will sich treu bleiben. Was an sich eine Tugend ist, könnte den Anforderungen des Amts nicht genügen; Roth etwa hat manches Projekt dadurch angeschoben, dass sie einige Mächtige und Reiche angerufen und um ihre Unterstützung gebeten hat. Solche Telefonate kann aber nur führen, wer zuvor den Respekt und die Zuneigung der Gesprächspartner gewonnen hat.

          Wer ihn zu Gast hat, fühlt sich besonders geehrt

          Feldmann scheint darauf zu vertrauen, dass sein Stil gut in eine Zeit passt, die Autoritäten misstraut. Er lässt sich durch Kritik und Anfeindungen nicht aus der Ruhe bringen, Angriffe des politischen Gegners scheinen an ihm abzuperlen. Ob die bis an die Grenze der Bedächtigkeit reichende Gelassenheit angeboren oder antrainiert ist, lässt sich für Außenstehende nicht sagen. Sie nutzt Feldmann jedenfalls im Umgang mit der ihm nicht wohlgesinnten schwarz-grünen Magistratsmehrheit.

          Viel ist in den vergangenen drei Monaten darüber gesprochen und geschrieben worden, dass das Stadtoberhaupt bei wichtigen Anlässen nicht zugegen ist. Ob Faust-Premiere im Schauspiel, Grundsteinlegung für das Maintor-Areal, Verleihung des Adorno-Preises in der Paulskirche oder Empfang für das diplomatische Corps - Feldmann fehlte. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Darauf angesprochen, sagt Feldmann, er lege weniger Wert auf repräsentative Termine mit den Spitzen der Stadtgesellschaft, sondern wolle häufiger als beispielsweise seine Vorgängerin bei denen sein, die nicht im Licht stehen. Aus seiner Sicht und nach seinen Wahlkampfversprechen ist das nur konsequent. Die Empörung in den besseren Kreisen über diese Akzentverschiebung scheint denn auch schon abzuflauen. Gelegentlich kommt Feldmann eben doch, etwa zu einem Empfang im Hause Metzler. Wer ihn zu Gast hat, fühlt sich besonders geehrt.

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