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Frankfurter Musikmesse : Das Herz schlägt als Bassdrum

  • -Aktualisiert am

Gigantisch: Ein Model posiert auf der Frankfurter Musikmesse an der Markneukirchener Riesengeige. Bild: dapd

Die Frankfurter Musikmesse zeigt in dieser Woche die neuen Trends der Szene. Ausprobieren ist erwünscht.

          Ein junger Mann Anfang zwanzig betritt Halle fünf. Er trägt eine abgewetzte Jogginghose und ein Liverpool-Trikot. Griesgrämig schaut er drein, viel Freude scheint er nicht zu haben. Doch es dauert nicht lange und seine Augen leuchten auf: Schnellen Schrittes steuert er auf den Mendelssohn-Flügel zu, nimmt Platz und beginnt zu spielen. Beethovens „Mondscheinsonate“ erklingt, gefühlvoll und fehlerfrei. Dutzende andere Besucher versammeln sich um ihn, staunend. Keine zwei Minuten später stoppt der junge Mann, erhebt sich und schlurft weiter den Gang entlang, so, als wäre nichts gewesen.

          Am Stand nebenan raunt ein Teenager im Ed-Hardy-Käppi seinem Freund gerade zu, dass der Lack des restaurierten Bechstein-Pianos nicht sehr originalgetreu aussehe. Wer sich heute hier auf dem Messegelände eingefunden hat, der versteht etwas von Musik. Oder ist zumindest ihr leidenschaftlicher Liebhaber: Die Frankfurter Musikmesse ist Pflichtprogramm für professionelle Musiker und solche, die es werden wollen. Hersteller zeigen neue Trends und Produkte, die Firma Bose ist sogar mit einem echten Monstertruck aufgeschlagen. Ein Blick in die Ausstellungsräume zeigt aber schnell: Hier geht es mehr um Spaß als um Business.

          Halle vier beherbergt die Königsklasse

          Wildfremde Menschen jammen gemeinsam. Denn fast alle Instrumente dürfen frei bespielt werden, auch und gerade die teuren - nur wer es mit der Rockstar-Attitüde ein wenig zu weit treibt, wird freundlich des Standes verwiesen. Mit Lärmbelästigung hat das Treiben dennoch wenig zu tun, da viele Instrumente elektrisch sind und nur über Kopfhörer klingen. Und wer sich inmitten von Tausenden Besuchern traut, ein Gitarrensolo hinzulegen, der weiß meist, was er tut.

          Halle vier beherbergt die Königsklasse. Fender, Gibson, Sonor. Kein großer Name der Rockgeschichte fehlt. Vor der Wand mit Gibsons „Les Paul“-Gitarren hat sich eine regelrechte Schlange gebildet, die „Ohs“ und „Ahs“ sind schon von weitem zu hören. Die Musikmesse ist ein Abenteuerspielplatz für kleine wie für große Jungs. Und für Mädchen: Die Szene scheint sich immer mehr auf weibliche Kundschaft auszurichten. Pinkfarbene Kopfhörer, Drumkits mit Blumenmuster, „Girl-Power“-Gitarrengurte gehören zum Standard. Manch einer treibt dies zuweilen ein wenig zu weit: Das knallig pinkfarbene Acryl-Piano mit den durchsichtigen Beinen ist ästhetisch wohl eher fragwürdig. Stehen bleibt hier jedenfalls niemand.

          Geheimtipp ist das Kinderparadies

          Ähnlich spärlich scheint das Interesse an der „Pfeifenorgel für Zuhause“ zu sein. „Genau wie die in Kirchen und Kathedralen“, wirbt der Hersteller. Aufbauzeit angeblich keine 15 Minuten, das Metallkonstrukt kann an jedes handelsübliche Keyboard angeschlossen werden. Der Klang? Nun ja, im Dom klingt’s besser.

          Geheimtipp ist das Kinderparadies. Auf dem musikalischen Spielplatz gibt es Xylophone aus Schraubenschlüsseln, Töpfe als Snare Drums und Orgeln aus Abflussrohren, die mit Flipflops bespielt werden. Phantasievolle Musikspielzeuge machen das Medium Ton für Kinder greifbar: An Gruppentischen können sie mit Trommel und Klöppel den menschlichen Herzschlag imitieren oder entdecken, wie ein Luftzug eine Frequenz verändert.

          Die Musikmesse bezeichnet sich als „weltweite Leitmesse für Musikinstrumente und Live-Musik“. Und tatsächlich begleitet sie ein umfassendes Konzertprogramm, fast immer wird irgendwo etwas vorgeführt. Auch wenn die meisten Rockstars der Messe nur in Plakatform beiwohnen, finden sich dort dennoch einige Berühmtheiten: In einer Vitrine glänzt das Schlagzeug von Michael Jacksons „Dangerous Tour“, darauf ein kleiner gelber Zettel: „Steht zum Verkauf. Machen Sie ein Angebot.“ Was das gute Stück letztendlich kosten soll, konnte auf Nachfrage am Stand jedoch niemand beantworten.

          Die Fachmesse ist täglich zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet. Am Samstag ist sie zum Publikumstag für alle zugänglich. Tickets können online auf musik.messefrankfurt.com bestellt werden.

          Quelle: F.A.Z.

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