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Frankfurter Löwen Knall auf Fall

 ·  Katerstimmung bei den Löwen: Die große Eishockey-Party am Ratsweg ist vorerst vorbei. Team und Fans leiden an den jüngsten Misserfolgen.

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Wie erklärt man einem Heranwachsenden den Unterschied zwischen Ironie und Sarkasmus? Vielleicht am Beispiel der Löwen. Als in der Partie am Sonntag gegen Hamm der Gegner in Führung ging, sangen einige Frankfurter Fans: „Nur so spielt man Eishockey.“ Als sich gegen Ende das 3:7 gegen den Tabellenletzten der Eishockey-Oberliga abzeichnete, lautete der Liedtext: „Ohne Mannschaft macht es keinen Spaß.“ Was schließlich Zynismus ist, das konnte man nach der Schlusssirene an den Reaktionen der Fans verfolgen. In ihrer Enttäuschung spiegelte sich nicht nur der Frust über einen peinlichen Misserfolg ihrer Lieblinge, sondern auch eine viel bedenklichere Entwicklung: Durch die noch fragile Beziehung zwischen Mannschaft und Anhängern geht ein tiefer Riss. Und das kaum fünfzehn Monate nach dem Neubeginn des Frankfurter Eishockeys am symbolischen Datum 10.10.2010. Was lange von der Begeisterung des Aufbruchs getragen wurde, schlägt nun in gefährliche Agonie um. „Charakterlos“ ist noch der harmloseste Vorwurf, der dem Gros der Spieler entgegengebracht wird. Statt in die „Hall of Fame“ wird das Team plötzlich in die „Hall of Shame“ gewünscht. Auch die Verantwortlichen der Löwen reagierten fassungslos auf das Gebotene: „Ich kann die Reaktionen der Fans absolut verstehen“, sagt Sportdirektor Michael Bresagk, „wir müssen aufpassen, dass in dieser Phase nicht die große gemeinsame Basis zerschlagen wird.“

In der ersten Erregung sprach er noch von ernsten Konsequenzen: „Es sind zuletzt Dinge vorgefallen, die eine Suspendierung rechtfertigen würden.“ Mittlerweile ist Bresagk von dieser Drohung etwas abgerückt. Zwar gibt es nun ein verschärftes Training mit Pflichteinheiten auch am Vormittag. Das Wort „Straftraining“ will Bresagk zwar nicht in den Mund nehmen, „aber wir wollen zeigen, wie man den Tag sinnvoll füllen kann“. Einen Rauswurf wird es nicht geben. Zum einen ist die Personaldecke so dünn, dass es sich Löwen-Trainer Clayton Beddoes gar nicht leisten kann, jemand auf die Tribüne zu schicken. Zum anderen hat Bresagk in Gesprächen festgestellt, „dass die Spieler völlig demoralisiert sind, schon beinahe Angst haben, wieder aufzulaufen“. Tatsächlich wagten sich die meisten Akteure nach dem sonntäglichen Desaster schon nicht mehr (wie sonst üblich) zum gemeinsamen Essen in den VIP-Bereich - aus Angst vor einem drohenden Spießrutenlauf. „Den Spielern ist völlig klar, dass sie den Kredit beim Publikum gründlich verspielt haben“, sagt Bresagk.

Die Fans erwarten eine Gegenleistung

Der Unmut der Fans schlägt in der Anonymität des Internets teilweise in Hass um; so sahen sich einige Spieler veranlasst, ihren Facebook-Account zu löschen. Angesichts einer Saison, die sich durch den in zwei Wochen noch anschließenden Trostwettbewerb - genannt Pokalrunde - noch quälend in die Länge zieht, bleibt bei den Löwen die Frage auf der Tagesordnung, wie sie die verfahrene Lage noch retten können: In den kommenden Partien droht nicht nur eine leere Halle, sondern auch der ein oder andere nächste sportliche Offenbarungseid. „Das mag sich jetzt komisch anhören, aber wir versuchen, den Druck zu nehmen“, sagt Bresagk und weiß nicht, ob das alleine das richtige Rezept ist. Einige der Akteure würden schließlich „mit Grausen ans nächste Heimspiel denken“, beschreibt er den Gemütszustand vieler seiner Leute.Allerdings ist auch ihm nach wie vor rätselhaft, wie sich die Mannschaft überhaupt in diese verzweifelte Situation bringen konnte. Fakt ist: Der Umschwung hat wohl auch mit dem Fehlen eines Anführers zu tun, der unliebsame Entwicklungen im internen Prozess nicht nur erkennt, sondern diese auch mit dem Coach bespricht oder klärt. So gab es vor der schmählichen Niederlage in Königsborn - diese Partie gilt als Auslöser der sportlichen Misere - in der Kabine noch Tänzchen zu Hiphop-Musik. Ein Kapitän vom Format eines Jason Young (lange Jahre Kapitän der Lions) hätte in so einem Fall wohl vor Zorn mit dem Schläger den CD-Spieler zertrümmert und die Kollegen zusammen gebrüllt.

Doch in einer Mischung aus Wohlfühlklima und persönlichen Traumwelten haben anscheinend viele Spieler nicht verstanden, dass es zwar toll ist, vor 5000 Zuschauern zu spielen, diese vielen Besucher für ihren Eintritt aber auch eine Gegenleistung auf dem Eis erwarten. Und aus begeisterten Anhängern können schnell verbitterte Kritiker werden, bereit, jeden weiteren Fehltritt gnadenlos per Pfeifkonzert zu brandmarken. Ironie am Rande: Zwar werden die Löwen-Spieler leistungsorientiert bezahlt, mit Siegprämien. Doch niemand konnte sich den „worst case“ vorstellen. So gibt es selbst in der Trostrunde der Ausgeschiedenen noch Geld für Erfolge. Möglicherweise sechs Mal.

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