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Frankfurter Grundschule : Noch eine Schule unter Verdacht

Offenbar gar nicht so einfach zu zählen: Erstklässler an einer Frankfurter Grundschule Bild: Amadeus Waldner

Vor einem Jahr fällt eine Frankfurter Schule auf, die mit falschen Schülerzahlen für mehr Lehrerstellen sorgt. Während die Ermittlungen im Fall der Freiligrathschule noch laufen, gibt es einen neuen Verdacht.

          Möglicherweise hat sich noch eine weitere Frankfurter Grundschule mit der Angabe falscher Schülerdaten unrechtmäßig Lehrerstellen erschlichen. Wie ein Sprecher des Kultusministeriums auf Anfrage mitteilte, ist die Schule bei einer Kontrolle aufgefallen. Derzeit werde geprüft, ob ein Disziplinarverfahren gegen die Schulleitung eingeleitet werde. Nähere Angaben zur Schule und zur Schadenssumme wollte der Sprecher nicht machen. Der Fall habe jedoch einen weit geringeren Umfang als jener der Freiligrathschule, der vor knapp einem Jahr an die Öffentlichkeit gekommen war.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Fechenheimer Grundschule hatte jahrelang Kinder ans Kultusministerium gemeldet, die die Schule längst verlassen hatten, und so Personalzuweisungen erhalten, die ihr nicht zustanden. Vor der Aufdeckung der offenbar absichtlichen Täuschung sollen angeblich mehr als 50 „Karteileichen“ geführt worden sein. Dem Vernehmen nach bildete die Schulleitung mit den zusätzlichen Lehrern vier weitere Klassen und konnte die Schülerzahl je Klasse entsprechend reduzieren.

          Schwachstelle im System

          Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag sagte, wird in dem Fall immer noch wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Wann das Verfahren zum Abschluss komme, sei noch nicht abzusehen. Im Fokus der Ermittlungen steht die ehemalige Schulleiterin. Möglich wurde die Täuschung durch eine Lücke in der „Lusd“, der vor etwa zehn Jahren eingeführten „Lehrer- und Schüler-Datenbank“, die alle rund 2000 hessischen Schulen nutzen. Über das webbasierte System läuft die gesamte Schulverwaltung von der Erfassung der Schüler über die Einteilung der Klassen und die Eingabe der Zeugnisnoten bis zur Abitur-Zulassung.

          Zum Leistungsspektrum der Datenbank gehören auch Plausibilitätsprüfungen: Wenn ein Schüler an einer Schule registriert ist, kann er das nicht gleichzeitig auch an einer anderen sein. Somit wäre es aufgefallen, wenn ein Kind von der Freiligrathschule auf eine andere öffentliche Grund- oder weiterführende Schule gewechselt, aber noch in Fechenheim geführt gewesen wäre. Allerdings hat das System eine Schwachstelle: Die Kontrolle funktioniert nur, wenn ein Kind an eine an die „Lusd“ angeschlossene Schule wechselt, nicht aber, wenn es sich um eine Privatschule oder eine Bildungsstätte außerhalb Hessens handelt.

          Veränderte Arbeitsabläufe

          Die Höhe des Schadens, der dem Land durch die Vorspiegelung überhöhter Schülerzahlen an der Freiligrathschule entstanden ist, wird auf 700.000 bis 800.000 Euro geschätzt. Nachdem der Fall entdeckt worden war, leitete das Kultusministerium Ermittlungen der Innenrevision ein, die im vergangenen Jahr zunächst fünf Schulen in Frankfurt und fünf weitere in Hessen überprüfte, deren Strukturen mit denen der Freiligrathschule vergleichbar sind. Dabei fiel offenbar auch die jetzt unter Verdacht stehende Grundschule auf.

          Nach Ministeriumsangaben werden in diesem Jahr weitere 60 Schulen kontrolliert. Bei den bisher 25 überprüften Bildungsstätten hätten sich keine Auffälligkeiten ergeben. Um die Lücken in der „Lusd“ zu schließen, sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden. Es sei nicht mit einem einfachen Software-Update getan, es müssten auch Arbeitsabläufe verändert und auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden.

          Quelle: F.A.Z.

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