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Veröffentlicht: 26.07.2015, 13:45 Uhr

Frankfurter Galerien Frauen und Eierspeisen an Sommertagen

Kunst ist nutzerfreundlich: Wenn die Ferien beginnen und die Sonne scheint, bieten die Museen klimatisierte Kühle. Und immer mehr Frankfurter Galerien bleiben auf und zeigen, was sie haben. Ein Kunstspaziergang durch Frankfurt.

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Friedrich Nietzsche muss Frankfurter gewesen sein. Wahrscheinlich wohnte er in einem Altbau in Bornheim unterm Dach. Jedenfalls weiß er, wie es dort ist. „Lieber Freund! Welch ein Sommer“, schreibt der Philosoph. „Ich denke Sie mir im Zimmer sitzend, mehr Omelette als Mensch.“ Das Bild vom Menschen als labbriger Eierspeise passt zu den Hitzetagen dieses Sommers. Die Urlaubszeit hat begonnen, es locken Badespaß, Grillvergnügen und all die anderen Dinge, für die im Alltag sonst keine Zeit bleibt. Etwa in ein Museum gehen. Nie ist es dort schöner als an den Hundstagen. Dann sind die Tempel der Kunst ziemlich leer, aber die Räume herrlich temperiert. Oder man schlendert wie die Scharen asiatischer Touristen mit dem Sonnenschirm durch die Stadt, macht ein Foto vor dem Goethehaus, isst ein Eis mit Sahne und stellt die bloßen Füße irgendwo in einen Brunnen. Mag sein, auch das wird manchem irgendwann ein wenig fade. Dann los.

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An Alternativen herrscht für den Kunstfreund kein Mangel. Schließlich kann man sich vom Programm der Frankfurter Galerien überraschen lassen. Zwar gibt es nach wie vor Kunstadressen, die im Sommer die Läden vor den Schaufenstern herunterlassen. Doch die Zahl der Kunsträume, die ihr Publikum im Juli und August mit mehr oder weniger ungewöhnlichen Ausstellungen beglücken, ist in den vergangenen Jahren zur Freude aller Daheimgebliebenen deutlich gewachsen. Das gilt auch und gerade für die Galerien in der Stadtmitte, selbst wenn Mühlfeld und Stohrer (Fahrgasse 27) ein wenig arg routiniert eine Accrochage mit Arbeiten von sechs ihrer Galeriekünstler zeigen.

Brigitte Maurer mit sechster Sommerausstellung

Dicht an dicht hängen hier die Bilder. Und doch bleibt man gleich zum Auftakt des Rundgangs ein klein wenig länger, sei es, weil Thomas Hildenbrand mit seinen an die Holzschneidekunst der gotischen Meister gemahnenden Figuren schon einmal einen Ausblick auf den im September kommenden Saisonstart gibt, sei es, weil man es kaum glauben mag, was Matthäus Zurowski mit dem Aquarellpinsel auf winzig kleiner Fläche schafft.

Hundert Meter weiter in Richtung Main hat es sich Brigitte Maurer mit ihrer Sommerausstellung auch nicht wirklich schwergemacht, kann man sich doch des Gefühls kaum erwehren, die „Summertime 6“ überschriebene Schau in ihrer Galerie (Fahrgasse 5) präsentiere haargenau die gleichen Bilder wie schon die fünfte, vierte und dritte Folge der Reihe in den vergangenen Jahren. Einerseits. Denn andererseits bieten sich Sigrid von Lintigs Freibadimpressionen und Joanna Jesses Malerei gewordene Erinnerung an einen Kindheitssommer in Schwarzweiß für „Summertime“ natürlich geradezu an. Und Silke Schoeners Landschaften mit vielen weißen Flecken setzen überdies noch einen weiteren leicht melancholischen Akzent.

Zeichnungen mit ungeahnter Verführungskraft

Anregender und überzeugender freilich sind vor allem jene Ausstellungen, die sichtlich mehr wollen, als das Sommerloch mit ein paar hübschen Bildern zu füllen, und den Betrachter mit ungewöhnlichen Präsentationen überraschen. Gleich gegenüber etwa an der Alten Brücke (Kurt-Schumacher-Straße 2), wo die eigentlich für junge, freche und vor allem malerische Positionen bekannte Galerie Jacky Strenz zur Verblüffung des Betrachters ein Dutzend Papierarbeiten aus dem Nachlass Wilhelm von Kaulbachs zeigt. Darauf muss man als Galerie, die der Kunst der Gegenwart verpflichtet ist, auch erst einmal kommen. Schon auf der Art Cologne hat Strenz einen Teil der Blätter im Dialog mit der Malerei des Städelschulabsolventen Max Brand vorgestellt. Hier nun entwickeln die Skizzen, Zeichnungen und Studien des 1874 gestorbenen Malerfürsten noch einmal eine ungeahnte Verführungskraft, weniger trotz, sondern eher aufgrund ihres zum Teil beklagenswerten Zustandes. Da zeigen sich Falten, Risse und reichlich Klebespuren, da hält das Papier nichts als ein Streifen Tesafilm zusammen, da findet sich der Nachlassstempel ohne Rücksicht auf Verluste mitten auf das Blatt und ins Motiv gedrückt. Ein Jammer. Und von bezwingendem Zauber. Wer will, kann sich überdies in die ausliegende Literatur vertiefen und die Zeichnungen zu bekannten Wandarbeiten und Gemälden Kaulbachs etwa in der Münchner Neuen Pinakothek in Beziehung setzen.

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