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Frankfurter Galerien : Frauen und Eierspeisen an Sommertagen

Bilder, die wie Rätsel erscheinen, ausgestellt

Ein wenig Muße kann man sich auch auf der anderen Mainseite gönnen, wo die noch junge Galerie Feld + Haus sich ausgerechnet im Junggesellenabschiedsparadies Alt-Sachsenhausen eingerichtet hat (Kleine Rittergasse 11). Nichts haben die vier hier vorgestellten Positionen auf den ersten Blick gemein, und doch lohnt jede einzelne den Besuch. Die teils auf Leinwand gemalten, teils direkt auf die Wand aufgebrachten futuristischen Landschaften von Björn Koop verdienen ihn ebenso, wie das an der Schwelle sanft ironisch lockende, indes ganz und gar malerisch eingerichtete „Frauenzimmer“ einen Blick wert ist, in das der Galeriekünstler Martin Feldbauer den ersten Stock zusammen mit Dirk Paschke, seinem einstigen Kumpel vom „Phantombüro“, verwandelt hat. Im Vergleich dazu erscheinen die „12 Studies for a Landscape“ des Iren Karl Burke zunächst reichlich spröde. Und sind als Ergebnis einer streng konzeptuellen Fotografie doch ziemlich große Klasse.

Als Bilder, scheint es, sind sie sich selbst ein Rätsel, ein permanenter Widerspruch und dabei doch alles zugleich: analog und digital, vage und präzise, ebenso bezaubernd wie nichtssagend, intim und erzählerisch und ganz und gar abstrakt. „Titled“ lautet derweil der Name der Sommerausstellung in der Galerie Heike Strelow (Schwedlerstraße 1–5). Sie zeigt vor allem Bilder „Ohne Titel“. Jedenfalls, wenn man sich zunächst auf die ebenso subtil wie kraftvoll daherkommende abstrakte Malerei Viola Bittls konzentriert, die den hinteren Raum ganz allein bespielen kann. Und während Lena Ditlmann eine Reihe starker Papierarbeiten zeigt und Christoph Esser mit „Adam & Eve & Steve, Roberta & Hank“ auf den ersten Blick eine Art Familienaufstellung in Styropor inszeniert, in Wahrheit aber vor allem klassisch bildhauerische Fragen reflektiert, ist Khaled Barakeh mit einer explizit politischen Arbeit vertreten.

Der „alternativste“ Kunstverein der Stadt

Immer wieder hat der einstige Meisterschüler von Simon Starling mit seinem Werk in den vergangenen Jahren auf seine syrische Herkunft und den Bürgerkrieg Bezug genommen. Mit der im nordirischen Derry entstandenen Skulptur „Materialised Distance“ ändert sich zunächst vor allem der Kontext. Ob man in der Arbeit ein Zeichen der Hoffnung sehen will oder das genaue Gegenteil, lässt sich derweil nicht leicht entscheiden. Gleichgültig aber lässt einen der Blick des Künstlers nicht.

Zum Ende des kleinen Frankfurter Kunstspaziergangs bietet sich unterdessen ein Besuch im alternativsten Kunstverein der Stadt unter der Honsellbrücke an. Denn bei Familie Montez kann man derzeit nicht nur schön mit einem Bier im Freien sitzen und dem Main beim gemächlichen Fließen zuschauen. Vielmehr hat Mirek Macke mit dem Salon Hansa gleichsam auch seine Berliner Vettern dazu eingeladen, sich in Frankfurt vorzustellen. Mitgebracht haben sie Arbeiten von ein paar Dutzend zum Teil auch am Main gut eingeführten Künstlern wie Thomas Draschan, Manfred Peckl und Gregor Hildebrandt. Was der ein wenig kryptische Titel „Um Fleisch auf die Nerven zu bekommen“ sagen will, bleibt dem Betrachter zwar ein Rätsel. Immerhin aber ist das zum Abschluss noch einmal hübsch appetitanregend. Und etwas anderes als Nietzsches längst labbrig gewordenes Omelett.

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