Home
http://www.faz.net/-gzg-77pew
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Flughafen Terminal 3 lässt auf sich warten

Fraport zögert mit dem Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen, weil die Verkehrszahlen weit hinter den Prognosen liegen. Forderungen aus der Politik nach einem Verzicht auf den Ausbau werden laut. Rechtlich hat Fraport noch Zeit.

© dapd Vergrößern Zukunftsmusik: Terminal 3 in Frankfurt

Es ist nicht alleine die Zahl der Bahnen, die die Kapazität eines Flughafens ausmacht. Der Platz für die Flugzeuge am Boden, die Zahl der Gebäude- und Vorfeldpositionen also, ist nicht weniger entscheidend. In der Logik des Ausbauplans für den Frankfurter Flughafen bedingt deshalb die vierte Bahn das geplante dritte Terminal. Nur dann lässt sich die mit dem Ausbauvorhaben anvisierte Kapazitätssteigerung auf bis zu 126 Flugbewegungen in der Stunde realisieren. Wenn denn die Nachfrage da ist.

Jochen Remmert Folgen:

In der Praxis stellt sich das Problem im Moment allerdings nicht, weil die Verkehrszahlen gerade derart hinter den ursprünglichen Prognosen zurückbleiben, dass Fraport den Bau des Terminals 3 einmal mehr auf der Prioritätenliste nach hinten geschoben hat. Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte nennt inzwischen gar keinen Termin mehr für die Inbetriebnahme der Terminalanlage.

Beschränkung der Kapazität

Die politische Reaktion folgt prompt: Die Grünen im Hessischen Landtag fordern schon, das dritte Terminal nicht zu bauen und das Geld in den Lärmschutz für die Anrainer zu stecken. Aus der SPD klingt es bescheidener, von einer kleineren Variante des im Süden des Flughafenareals geplanten Terminals ist da die Rede. In beiden Vorschlägen steckt aber im Grunde eine Beschränkung der Kapazität - durch weniger Platz am Boden.

Rechtlich ist Fraport allerdings auch dann für absehbare Zeit auf der sicheren Seite, wenn das dritte Terminal erst Jahre später als ursprünglich einmal geplant gebaut wird. Denn der dem Ausbau zugrunde liegende Planfeststellungsbeschluss und die relevanten Vorschriften des Luftverkehrsgesetzes für solche Vorhaben der Luftverkehrswirtschaft sehen zwar grundsätzlich eine Frist vor, innerhalb deren der Antragsteller dann auch zur Tat schreiten muss. Die ist aber im Fall des Frankfurter Flughafens gewahrt, beziehungsweise ist sie noch gar nicht angelaufen, wie Karsten Baumann, Referatsleiter Luftverkehr, Genehmigung und Planfeststellung im hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministerium, erläutert. Grundsätzlich bestehe zwar eine Frist von zehn Jahren, innerhalb deren der Antragsteller das Recht zu bauen wahrzunehmen und mit den Arbeiten anzufangen habe. Die beginne aber überhaupt erst, wenn die „Unanfechtbarkeit“ gegeben sei, wie der promovierte Verwaltungsjurist ausführt. Da aber noch etliche Verfahren in dieser Sache anhängig seien, liege diese Unanfechtbarkeit formal noch gar nicht vor.

Mehr zum Thema

Die Frist kommt nach Ansicht des Ministeriums aber ohnehin nicht zum Tragen, weil der Planfeststellungsbeschluss, den der damalige Wirtschafts- und Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) im Dezember 2007 unterzeichnet hat, das gesamte Ausbaupaket umfasst. Mit dem Bau der Landebahn Nordwest hat Fraport also das Vorhaben begonnen, wie vom Gesetz gefordert. Für den Baubeginn von Terminal 3 kann sich die Betreibergesellschaft demnach weiter Zeit lassen und darauf warten, dass wieder höhere Verkehrszahlen absehbar sind.

Schultes bei der Bilanzvorlage vor wenigen Tagen eher entspannt vorgetragene Bemerkung, man lasse sich da lieber etwas mehr Zeit, gehe lieber etwas später als zu früh mit dem dritten Terminal an den Markt, dürfte nicht zuletzt dieser Rechtslage geschuldet sein.

Zudem hat Fraport, wissend, dass das Geschäft mit der Fliegerei großen Schwankungen unterliegt, ohnehin geplant, das dritte Terminal, das einmal die Kapazität des Flughafens auf weit mehr als 80 Millionen Passagiere steigern soll, in Modulen zu bauen, je nach Entwicklung der Nachfrage. Von 2020 ist intern beim Flughafenbetreiber inzwischen die Rede, offiziell bestätigt wurde die Jahreszahl vom Flughafenbetreiber allerdings nicht. Allerdings sprach Vorstandschef Schulte dieser Tage davon, dass von einem Baubeginn fünf bis sieben Jahre nach der europaweiten Ausschreibung auszugehen sei. Da dies noch nicht geschehen ist, erscheint das Jahr 2020 nicht als unrealistisch.

Leitungssysteme schon verlegt

Schon die Passagierrückgänge während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009 veranlassten den Flughafenbetreiber dazu, im Herbst 2009 zu verkünden, dass der Bau, für den Fraport zwischen 900 Millionen und einer Milliarde Euro rechnet, verschoben werde.

Ganz untätig war Fraport auf dem Gelände, auf dem früher die Airbase der amerikanischen Streitkräfte lag, nicht. Das Vorfeld mit einigen Abstellpositionen ist schon weitgehend gebaut, die Leitungssysteme für das Kerosin, das Wasser und die Stromversorgung sind ebenfalls bereits im Boden, wie es bei Fraport heißt. Die Fläche des gesamten Vorfelds des neuen Terminals soll 900.000 Quadratmeter betragen. Das Kanalnetz ist alleine 70 Kilometer lang, wie es weiter heißt. Im ersten Bauabschnitt, so sahen es die Planungen bislang vor, sollen zwei der geplanten Finger (siehe Abbildung oben) gebaut werden sowie zwei Drittel des Zentralgebäudes.

Zu erreichen sein wird das Terminal 3 allerdings nach heutigem Stand nur mit Bus, Auto oder mit dem Skytrain genannten Bahnsystem der Fraport, das bisher schon die Terminals 1 und 2 miteinander verbindet. Ein S-Bahn-Anschluss ist zwar vorgesehen, eine entsprechende Strecke wird es allerdings auf absehbare Zeit nicht geben.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
McDonald’s Big Mac mit Bedienung

McDonald’s hat vor einigen Wochen eine Zeitenwende in der Fastfood-Kette angekündigt. In der Filiale am Frankfurter Flughafen gibt es nun auch Bedienung am Tisch. Doch hat sich auch der Geschmack gebessert? Ein Lokaltermin. Mehr Von Peter Badenhop

16.05.2015, 18:38 Uhr | Rhein-Main
Brand in Terminal Flughafen Rom geschlossen

Wegen eines Feuers haben italienische Behörden den Flughafen Fiumicino in Rom geschlossen. Der Brand war in einem Gepäckraum in Terminal 3 ausgebrochen. Mehr

07.05.2015, 10:45 Uhr | Gesellschaft
Kita-Streik Der Bürostuhl wird mitunter zum Kinderkarussell

Während des Kita-Streiks bieten manche Firmen Notfall-Betreuungsplätze an oder lassen ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten. Mancherorts wird sogar das Büro zum Kinderhort – Karussell inklusive. Mehr Von Florentin Schumacher, Sven Ebbing und Thorsten Winter

13.05.2015, 09:27 Uhr | Rhein-Main
Frankfurt Gericht hebt Verbot von Taxidienst Uber vorerst auf

Das Gericht hält es zwar weiterhin für rechtswidrig, dass die Firma Uber Beförderungswünsche an Privatfahrer vermittelt, allerdings fehlt es an dem notwendigen Eilbedürfnis, da die Antragstellerin Taxi Deutschland schon frühzeitig von eventuellen Rechtsverstößen Kenntnis hatte, aber nichts unternahm. Mehr

08.12.2014, 15:32 Uhr | Wirtschaft
Lokführer-Ausstand Wie man trotz Bahnstreik in den Pfingsturlaub kommt

Wer über das kommende Wochenende in den Urlaub fahren will, muss wegen des neuen Lokführer-Streiks möglicherweise umplanen. Was Reisende beachten sollten. Mehr

19.05.2015, 15:30 Uhr | Finanzen
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.03.2013, 23:23 Uhr

Bitte kein Krieg im Verkehr

Von Hans Riebsamen

Rüpel-Radfahrer missachten die Regeln und bringen Fußgänger in Gefahr. Doch ein Krieg bringt niemanden weiter. Die Politik muss daher Antworten finden auf die Probleme im Verkehr. Mehr 4 5