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Frankfurter Flughafen : Keine Eile mit Terminal 3

Vorarbeit: Teile des Vorfeldes des geplanten Terminals 3 sind schon gebaut und werden genutzt. Bild: Fraport AG

Krisen und daraus folgende Rückgänge im Luftverkehr sind üblich. Jedenfalls für Flughafenbetreiber Fraport kein Grund, den Bau eines dritten Terminals abzusagen.

          Der Bau des Terminals 3 am Frankfurter Flughafen hat eigentlich längst begonnen. Den ersten Spatenstich haben Bauarbeiter schon vor Jahren auf dem Gelände der früheren Rhein-Main-Airbase im Süden des Flughafen-Areals vollzogen. Und wer ein Ticket zum Tag der Luftfahrt an diesem Wochenende ergattert hat, kann sich davon überzeugen, dass erste Vorfeldpositionen im Süden des Flughafens schon genutzt werden.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Dass Fraport das dritte Terminal in Modulen plant und die Geschwindigkeit der Realisierung von den prognostizierten Verkehrszahlen abhängig macht, hat der Vorstand schon seit 2007 immer wieder gesagt. Ein Szenario, in dem das Projekt abgesagt wird, sei aber nicht Teil dieser flexiblen Planung, heißt es bei dem Konzern gegenwärtig.

          Kapazität gibt es genug

          Dringend braucht Fraport das Terminal 3 im Moment nicht. Die Kapazität am Boden reicht in Frankfurt derzeit etwa für 63 Millionen Passagiere im Jahr aus. Ganz genau ist das nicht zu beziffern, weil die Passagiere die für Planer unangenehme Eigenschaft haben, sich nicht gleichmäßig über das Jahr zu verteilen, sondern geballt aufzutreten, etwa zu Ferienbeginn. 2012 wurden in Frankfurt 57,5 Millionen Fluggäste gezählt, ein leichtes Plus von 1,9 Prozent zum Jahr zuvor. Da ist also noch Luft, zumal der April 2013 sogar ein Minus von 2,2 Prozent auswies. Die erste, 1,2 Milliarden Euro teure Ausbaustufe des geplanten Terminals würde die Kapazität auf 77 Millionen Passagiere anheben. 88 Millionen wären es dann im Endausbau. 2007 war von einer Inbetriebnahme des Terminals im Jahr 2015 die Rede, noch früher sogar einmal von 2013.

          Doch als eben 2007 in den Vereinigten Staaten die Immobilienblase platzte und die globale Finanz- und Wirtschaftskrise einleitete, wurde die Befürchtung bald zur Gewissheit, dass die Verkehrszahlen deutlich fallen würden. Das Augenmerk lag damals aber ohnehin auf zwei anderen Komponenten des Ausbauprojekts, auf der vierten Piste und auf dem Flugsteig A-Plus, den der Hauptkunde Lufthansa unablässig forderte. Terminal 3 war zunächst einmal nachrangig. Im September 2009 verkündete der Flughafenbetreiber aber, es sei nach wie vor geplant, den ersten Abschnitt des dritten Terminals 2015, spätestens 2016 in Dienst zu stellen.

          Diskussion über Notwendigkeit von Terminal 3

          Im Januar 2010 folgte jedoch die Ankündigung, das Terminal komme mit seiner ersten Stufe aufgrund des krisenbedingten Rückgangs des Passagieraufkommens erst 2018. Doch die Wirtschaft und mit ihr das Passagieraufkommen erholten sich unerwartet rasch. Und schon im Juli 2010 ließ ein Fraport-Sprecher wissen, es könne sein, dass man den Baubeginn des Terminals 3 wieder nach vorne ziehe, wenn sich der Passagierzuwachs weiter derart über Plan entwickle. Intern ist bei Fraport schon länger davon die Rede, dass 2020 das erste Modul fertig sein könnte, wenn man die Planungs- und Ausschreibungsfristen einrechne (F.A.Z. vom 16.März). Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte spricht inzwischen offiziell von einem Baubeginn 2015 und einer Inbetriebnahme des ersten Moduls 2020.

          Die gegenwärtig rückläufigen Fluggast- und Verkehrszahlen haben erwartungsgemäß zur Folge, dass eine Diskussion darüber einsetzt, ob das Terminal 3 notwendig ist oder nicht. Und so denkt auch der Frankfurter Oberbürgermeister und Fraport-Aufsichtsrat Peter Feldmann (SPD) laut darüber nach, wie sinnvoll es ist, zwischen 2015 und 2020 das erste Terminal-Modul zu bauen, dessen zusätzliche Kapazität man womöglich gar nicht brauche. Als Aufsichtsrat hat er aber einen Beschluss, der eben diesen intern seit langer Zeit geltenden Zeitplan bestätigt hat, offenbar mitgetragen, er wurde dem Vernehmen nach einstimmig beschlossen.

          Nicht ganz unbegründete Hoffnung

          Wenn Feldmann, wie am Donnerstag im Römer geschehen, sagt, er könne sich vorstellen, dass das Terminal zumindest später und eventuell auch kleiner kommt als derzeit geplant, dann widerspricht das aber auch nicht der Strategie des Fraport-Vorstands. Denn der sagt ja seit Jahren, dass man den Baubeginn und den Grad des Ausbaus von der absehbaren Entwicklung abhängig machen werde.

          Befeuert wurde Feldmanns Nachdenken zuletzt auch von Einlassungen des Chefs der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle, der auch eine längere Stagnation des Luftverkehrsaufkommens nicht ausschließt. Bei Fraport liest man dagegen etwa aus der jüngsten Prognose des Weltluftfahrtverbands Iata ein Wachstum des Passagieraufkommens heraus, wie Schulte unlängst sagte. Der Branchenverband hat gerade seine März-Prognose zu den Umsätzen der Fluggesellschaften für das laufenden Jahr nach oben korrigiert. Demnach sollen die Airlines in aller Welt einen Gewinn von 12,7 Milliarden Dollar erwirtschaften nach 7,6 Milliarden im vergangenen Jahr. Ganz unbegründet ist die Hoffnung von Fraport gewiss nicht, von wieder erstarkten Kunden auch selbst profitieren zu können.

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