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Frankfurter Flughafen : Angst vor knauserigen Fluggästen

Bringen auch Fraport letztlich Geld: shoppende Urlauber am Frankfurter Flughafen Bild: Wonge Bergmann

Manche finden, der Frankfurter Flughafen ist in erster Linie ein Einkaufszentrum mit angeschlossenem Flugbetrieb. Zumindest ist dort eine sehr lukrative Verbindung gelungen.

          Falsch ist: Ein Flughafen verdient vor allem mit dem Flugbetrieb Geld. Richtig ist: Ohne Flugbetrieb gäbe es gar keinen Flughafen - von Kassel-Calden einmal abgesehen. In Frankfurt zum Beispiel könnte der Flughafenbetreiber ohne die Fliegerei nicht annähernd 60 Millionen Passagiere im Jahr zählen. Deren Neigung, vor, während und nach dem Fliegen zu kaufen, lässt die Fraport AG ordentlich Geld verdienen. Deshalb mögen Stefan Schulte und seine Vorstandskollegen auch den Geschäftszweig Einzelhandel und Immobilienbewirtschaftung ganz besonders. Dort ist es im vergangenen Jahr mit lediglich 624 Beschäftigten gelungen, einen Umsatz von 488 Millionen Euro und einen operativen Gewinn von 379 Millionen Euro zu erwirtschaften.

          Jochen Remmert

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das funktioniert vor allem über umsatzabhängige Mieten, die die Einzelhändler am Flughafen für ihre Geschäftsflächen berappen müssen. Und diese Kaufleute freuen sich ihrerseits über die vielen Passagiere, die ihnen Fraport auf dem Weg zum Gate, vom Gate zum Ausgang und beim Umsteigen in die Läden schleust. Besonders gern gesehen sind die interkontinental reisenden Passagiere: Sie sind sehr kaufkräftig und ebenso kauffreudig, sobald sie am Flughafen auf entsprechende Gelegenheiten stoßen. Deshalb gelten die Airside-Geschäfte, das sind die jenseits der Sicherheitskontrollen, als besonders lukrativ.

          Leica für mehr als 19.000 Euro

          Da geht es nicht nur um Schokolade, Wein, Whisky oder was sonst mancher günstiger am Flughafen zu kaufen glaubt. Es kann auch schon einmal eine Leica für mehr als 19.000 Euro sein oder eine Rolex-Uhr, die sich ein zahlungskräftiger Fluggast beim Zwischenstopp in Frankfurt gönnt. Zum Kauf edler Parfüms und hochwertigen Schmucks gibt es am Flughafen genauso die Gelegenheit wie für den Erwerb von Designer-Kleidung. Knapp 300 Geschäfte, Restaurants, Bars und Servicestationen gibt es zurzeit in den beiden Terminals. Im neuen Terminal im Süden des Flughafenareals wird weiterer Einzelhandel hinzukommen.

          In den anderen Sparten verdient Fraport das Geld bei weitem nicht so leicht, beispielsweise im Kerngeschäft Aviation. Dort brauchte es 2015 mehr als 6000 Männer und Frauen, um einen operativen Gewinn - vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen - von 238 Millionen Euro zu erwirtschaften, bei einem Umsatz von 927 Millionen Euro.

          Als geradezu heikel gilt die Lage in der Fraport-Unternehmenssparte Groundhandling. Darunter ist das Be- und Entladen, das Tanken und Putzen der Flugzeuge im Auftrag der Airlines zu verstehen In der Sparte erwirtschafteten laut Geschäftsbericht jüngst mehr als 9200 Mitarbeitern einen operativen Gewinn von mageren 46 Millionen Euro. Mehr ist nicht von den 673 Millionen Euro Umsatz übrig geblieben.

          Den größten Anteil davon haben die Personalkosten gefressen, die 429 Millionen Euro ausmachten. Das liegt nicht etwa daran, dass die Leute, die bei Wind und Wetter und oft unter Zeitdruck auf dem Vorfeld ihrer körperlich harten Arbeit nachgehen, so besonders gut entlohnt würden - ein langjähriger Lademeister geht mit rund 2800 Euro brutto nach Hause. Ein wesentlicher Grund für die schwindende Rentabilität liegt vielmehr darin, dass die Dienstleistungen rund um die Flugzeuge nicht mehr viel stärker zu automatisieren sind. Das heißt: Benötigt werden eben weiterhin sehr viele Mitarbeiter. Zumal möglichst alle Arbeiten gleichzeitig ablaufen müssen - vom Putzen und Tanken bis zum Catering. Das wiederum liegt daran, dass Flugzeuge nur in der Luft Geld verdienen und am Boden Geld kosten. Die Fluggesellschaften wollen sie deshalb möglichst schnell leergeräumt haben und wieder frisch besetzt und aufgetankt auf die Reise schicken.

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