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Frankfurter Eintracht Mit dem Geist von zwei Idolen

 ·  Glaubt man der Statistik, kann sich Eintracht Frankfurt die Reise nach München eigentlich sparen. Doch Hölzenbein und Grabowski machen Mut.

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Die Vorfreude ist groß. „Dass wir an einem Topspiel teilhaben dürfen, ist Ausdruck unserer außergewöhnlichen Saison“, sagt Pirmin Schwegler. Eine Portion Stolz dürfte dabei sein, wenn der Schweizer die Frankfurter Eintracht am Samstag (Anpfiff 15.30 Uhr) beim FC Bayern München als Kapitän anführt. Schwegler, der Stratege und Antreiber vor der Abwehr, hat sich ebenso wie seine Mannschaftskollegen für die Partie beim Branchenführer der Bundesliga viel vorgenommen. „Wir wollen wieder frisch von der Leber weg spielen“, sagt der 25 Jahre alte Fußballprofi. So wie gegen Hannover. So wie gegen Dortmund. Es waren rückblickend die beiden herausragenden Festspieltage der Eintracht in dieser bislang so erfolgreich verlaufenen Saison.

Als Tabellendritter hat die Mannschaft von Trainer Armin Veh am frühen Freitagnachmittag die Zugfahrt in die bayerische Landeshauptstadt angetreten. Eine Plazierung, die sich die Hessen in den zehn Spielen zuvor durch zumeist forschen und frischen Angriffsfußball spielerisch verdient haben. Dass die Bayern sieben Punkte vor der Eintracht liegen, ist keine Überraschung. Jupp Heynckes’ Mannschaft ist in der Bundesliga bislang das Maß aller Dinge. Eintracht-Linksverteidiger Bastian Oczipka hat denn auch eine Ahnung, was im schlimmsten aller Fälle passieren könnte. „Es könnte ein Scheibenschießen geben.“ Damit es nicht dazu kommt, muss die Frankfurter Abwehr funktionieren. Vor allem das Gespann in der Mitte muss harmonieren. Der gesetzte Bamba Anderson wird gefordert sein, mit Aushilfskraft Vadim Demidov eine stabile Einheit zu bilden. Gerne hätte Veh den Peruaner Carlos Zambrano in der Stammelf gesehen. Doch dessen Zehenbruch lässt dies nicht zu. „Ihn können wir nicht ersetzen“, sagt der Eintracht-Trainer. „Er hat seine Klasse, obwohl er erst 23 ist.“

„Dafür bin ich jedes Mal erst auf den letzten Drücker ins Training gekommen“

Klasse - das haben die Bayern. Auch und vor allem, wenn sie vor heimischem Publikum gegen die Eintracht spielen. Siege der Frankfurter in München? Man muss schon eine Lupe zur Hand nehmen, um in der Übersicht von bisher 82 erstklassigen Vergleichen seit 1965 Außergewöhnliches zu finden. Der letzte Auswärtssieg bei den Bayern liegt ziemlich genau zwölf Jahre zurück. Am 18. November 2000 waren es Alexander Schur und Jan Aage Fjörtoft, die mit ihren Treffern das 2:1 sicherten. Die beiden weiteren Siege fanden in fast schon grauer Vorzeit statt. Am 4. Dezember 1976 waren Bernd Nickel und zweimal Bernd Hölzenbein beim 3:0 erfolgreich. Und am 20. August 1966 sorgten Wilhelm Huberts und Jürgen Grabowski mit dem 2:1 für Glücksmomente.

Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski, die beiden Idole der Eintracht, waren es auch, die passend zum 83. Bundesligaduell zwei Tage zuvor in das Eintracht Frankfurt Museum zum lockeren Plausch gekommen waren. Und natürlich standen alle auf, als die beiden die Bühne betraten. Der Applaus wollte gar nicht aufhören. „Hier sitzt Eintracht Frankfurt“, sagte Axel Hoffmann, der Moderator des Abends. So wie er dachten wohl die meisten im Publikum. Hölzenbein und Grabowski also. Zwei der populärsten Spieler in der Vereinsgeschichte der Hessen, die anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Museums über ihre erfolgreichen Karrieren sprachen. Was sie zu erzählen hatten, unterhielt die Zuhörer bestens. „Für meine Unterschrift unter den ersten Vertrag in Frankfurt hatte ich eine Bedingung: Ich wollte mit aufs Mannschaftsfoto, das war das Größte für mich“, erinnerte sich Hölzenbein, der verriet, zu Beginn seiner Laufbahn wenig Selbstvertrauen besessen zu haben. „Ich fand mich richtig schlecht.“ Diese Unsicherheit habe sich auch auf dem Platz gezeigt. „Wenn da 12000 Zuschauer im Stadion waren und riefen: ‚Hölzenbein, du Flasche!‘, hat mich das schon mitgenommen“, erzählte er. „Deshalb habe ich lieber vor 60 000 gespielt, weil es dann so laut war, dass man gar nichts gehört hat.“ Solche Probleme hatte Grabowski, der vom FV Biebrich zur Eintracht wechselte und auf Anhieb Stammspieler wurde, nicht. „Dafür bin ich jedes Mal erst auf den letzten Drücker ins Training gekommen. Wenn eine Ampel rot war, kam ich zu spät.“

Denn „die Eintracht war mein Zuhause“

Trotz dieser kleinen Schwierigkeiten gingen beide unbeirrt ihren Weg, sammelten nationale und internationale Trophäen. Der größte Erfolg mit der Eintracht war der Uefa-Cup-Sieg 1980, als Kapitän Grabowski verletzt auf der Bank saß und für ihn Hölzenbein den Pokal entgegennahm. „Es war eine tolle Zeit damals, wir waren eine verschworene Einheit“, sagte „Grabi“, der die Eintracht aber beinahe verlassen hätte: „Ich hatte ein Angebot von den Bayern, nachdem sie in die Bundesliga aufgestiegen waren. Aber letztlich konnten sich die Vereine nicht einigen.“ Wirklich verärgert sei er jedoch nicht gewesen, denn „die Eintracht war mein Zuhause“. In der Nationalmannschaft fühlte sich der Mittelfeldspieler allerdings nicht immer heimisch: „Da wurde ich immer als Rechtsaußen eingesetzt, das war nicht meine Wunschposition.“ Dennoch wurde Deutschland 1974 mit Grabowski auf der rechten Seite Weltmeister, Hölzenbein spielte links. Unvergessen, wie „Holz“ im Finale in München gegen die Niederlande den Elfmeter zum 1:1 herausholte. „Ich kann die Aufregung bis heute nicht verstehen“, scherzte der Rekordtorschütze der Eintracht. „Es ist ja nicht die Frage, ob es ein Elfmeter war. Der Schiedsrichter hat gepfiffen, also war es einer. Es ist eher die Frage, ob es ein Foul war.“ Ein Spieler, der damals in der DFB-Elf der Leidtragende der Frankfurter Flügelzange war, wirkt heute noch immer entscheidend im Bundesliga-Geschäft mit: Jupp Heynckes. Der Angreifer saß bei der WM nur auf der Bank, „obwohl Hennes Weisweiler alles versucht hat, um ihn über die Medien in die Stammelf zu schreiben“. Grabowski hat die Geschichte nicht vergessen.

Vor Heynckes’ Mannschaft Bayern München, die an diesem Samstag die Eintracht fordert, hat Grabowski großen Respekt: „Das ist ein unglaublich starker Gegner. Jeder weiß, wie schwer es für die Eintracht wird.“ Doch egal, wie das Spiel in München ausgehe: „Es macht Spaß, der Mannschaft in dieser Saison zuzuschauen.“ Das findet auch Hölzenbein. „Es wird ein ganz anderer Fußball gespielt als in der Vergangenheit. Die Qualität ist da, und wenn alles gut läuft, ist auch ein Platz nahe den Europapokalrängen möglich.“

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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