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Frankfurter Eintracht : Kämpfertyp und Konfliktlöser

Friedensbotschafter mit Robustheit und Durchsetzungsvermögen: Sebastian Rode. Bild: dpa

Der Eintracht-Profi wird Botschafter des Landespräventionsrats. „Die Jugend braucht glaubwürdige Vorbilder, und Sebastian Rode gehört zweifellos in diese Kategorie.“

          Wie ein Friedensbotschafter sieht Sebastian Rode derzeit nicht gerade aus: Die Platzwunde über dem rechten Auge - erlitten beim Bundesligaspiel gegen Augsburg am Samstag - zeugt eher von Robustheit und Durchsetzungsvermögen, aber auch das sind Eigenschaften, die Rode in seinem neuen Job gut gebrauchen kann. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht soll künftig auch abseits des Spielfeldes als Vorbild auftreten. Bei Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hat Rode jetzt einen Zeitvertrag als ehrenamtlicher „Botschafter“ des Landespräventionsrats unterschrieben, und als solcher wird er künftig im Auftrag des Landes dafür werben, Konflikte gewaltfrei auszutragen, und helfen, Jugendliche vor dem Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren. Der Eintracht-Profi soll bei Auftritten in hessischen Schulen und bei Veranstaltungen des Landespräventionsrats dazu beitragen, Zugang zu einer besonderen Zielgruppe zu finden, den männlichen Vierzehn- bis Fünfundzwanzigjährigen, die deutlich häufiger an Straftaten beteiligt sind als andere Altersgruppen. „Die Jugend braucht glaubwürdige Vorbilder, und Sebastian Rode gehört zweifellos in diese Kategorie“, sagte der Justizminister gestern bei einer Pressekonferenz im Landtag. „Kommt der Botschafter gut an, wird auch die Botschaft gehört.“ Als Werber für friedliche Konfliktlösung tritt Rode die Nachfolge des früheren Eintracht-Stürmers Ioannis Amanatidis an, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen nach Zypern verlegt hat und seiner Rolle als Vorbild der Jugend zuletzt nicht mehr gerecht wurde: Im vergangenen Monat verurteilte das Frankfurter Amtsgericht den Griechen zu einer hohen Geldstrafe, weil er im Streit eine Hundebesitzerin in den Bauch getreten haben soll.

          Ralf Euler

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Er sei stolz, junge Menschen anspornen zu dürfen, gewaltfrei und respektvoll miteinander umzugehen, sagte Rode am Montag. Er selbst sei zwar noch nie in eine brenzlige Situation gekommen, aber natürlich beschäftige ihn das Thema Jugendkriminalität. Als er gefragt worden sei, ob er den Botschafterposten übernehmen wolle, habe er deshalb nicht lange überlegen müssen. „Das ist eine Frage der Ehre.“ Rodes Transfer von der Eintracht zum Justizministerium verlief unspektakulär. Er habe den Jungstar im Frankfurter Waldstadion als eine starke Persönlichkeit und Kämpfertyp erlebt, zudem sei er in Seeheim-Jugendheim geboren, also ein echter Hesse, und repräsentiere den beliebtesten Verein des Landes, sagte Minister Hahn. Keine Frage also, dass Rode „erste Wahl“ war. Im Januar nahm Hahn mit Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen Verhandlungen auf und erzielte dabei schnell eine Einigung über die Freigabe des Jungstars für sechs bis acht Schulauftritte im Jahr. Einzige Bedingung des Vereins: Im Zweifelsfall geht das Training immer vor.

          „Sie üben in der Mannschaft den fairen Umgang miteinander“

          Sport, insbesondere der Fußball, sei ein hervorragendes Mittel, um Jugendliche zu mehr Respekt und Toleranz zu animieren, glaubt Hahn. Im Verein und auf dem Spielfeld lernten sie, sich an Regeln zu halten, im Team zu spielen und auch gemeinsam mit Misserfolgen fertig zu werden. „Sie üben in der Mannschaft sowohl den fairen Umgang miteinander als auch mit den gegnerischen Spielern Konfliktlösung ohne Gewalt.“ Fußballer oder Schauspieler seien die idealen Mittler, wenn man Jugendliche erreichen wolle, weiß auch Helmut Fünfsinn, der Geschäftsführer des Landespräventionsrats. „Ein Ministeriumsmitarbeiter mit grauem Anzug kommt in einer Schule nicht so gut an.“ Konsequenterweise setzt die Landesregierung beim Thema Gewaltverhütung auf ein Botschafter-Duo: Neben Sebastian Rode engagiert sich schon seit 2010 die gebürtige Darmstädterin Asli Bayram für den Landespräventionsrat. Die Deutsche türkischer Herkunft ist Schauspielerin und ehemalige Miss Deutschland.

          Quelle: F.A.Z.

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