Home
http://www.faz.net/-gzg-71ic2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Frankfurter Eintracht Eine Chance für den Heißsporn

 ·  Eigentlich war der Eintracht-Verteidiger Constant Djakpa schon abgeschoben. Doch nun ist Trainer Veh wieder milde gestimmt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Beim Testspiel am Samstag beim FK Pirmasens hat Constant Djakpa in der Anfangsformation der Frankfurter Eintracht gestanden. Das zeigt, wie schnell sich Einschätzungen im modernen Profifußball ändern, wie aus scheinbaren Verlierern wieder Sieger werden können. Djakpa betrachtet es als einen persönlichen Erfolg, dass er seiner Arbeit bei der Eintracht weiter nachgehen darf, hatte Trainer Armin Veh dies doch nach dem Ende der vergangenen Spielzeit noch ausgeschlossen. Der Fünfundzwanzigjährige solle gehen, sagte Veh. „Weil ich mich auf ihn nicht verlassen kann.“ Der noch bis zum Juni 2013 laufende Vertrag sollte dafür kein Hindernis darstellen. Sportdirektor Bruno Hübner hatte den Auftrag, für Djakpa einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Doch so weit ist es nicht gekommen, Djakpa spielt noch immer für den Bundesliga-Aufsteiger. „Ich bin glücklich, ich habe hier ein gutes Gefühl“, sagt er. Das hatte er schon immer, seit er im Sommer des vergangenen Jahres von Hannover nach Frankfurt gewechselt war.

Doch nicht alle konnten die guten Gefühle teilen. Die sportlichen Qualitäten des ivorischen Nationalspielers sind unbestritten. Er hat 25 Begegnungen für die Eintracht in der Aufstiegssaison absolviert, dabei ein Tor erzielt und war über weite Strecken unangefochtene Stammkraft, im Grunde konkurrenzlos als linker Verteidiger. Er kann gut mit dem Ball umgehen, ist ein fleißiger Profi, dazu noch ein lustiger Kerl. „Wenn man lächelt, bleibt man länger auf dieser Welt“, beschreibt er seine ganz persönliche Lebenseinstellung. Und lächelt dabei. Das ist die eine Seite dieses Profis.

Veh: Eigentlich ein ganz sympathischer Kerl

Aber da gibt es auch eine andere Seite. Er ist ein Heißsporn, ein Fußballspieler, der auf dem Platz unberechenbar ist. Für die Gegner, was für die Eintracht durchaus gewinnbringend sein konnte, manchmal aber auch für die eigenen Kollegen, was der Eintracht dann häufig geschadet hat. Mehrfach ist Djakpa in der vergangenen Saison durch Unbeherrschtheit aufgefallen. Nach einem bösen Tritt gegen den Fürther Sararer war er zunächst noch ungestraft davongekommen, zweimal aber haben diese Auffälligkeiten zu Sperren geführt. Nach einem sogenannten Videourteil wurde er in einer mündlichen Verhandlung vor dem Sportgericht des Verbandes wegen einer Tätlichkeit gegen den Duisburger Soares im Endspurt um den Aufstieg für drei Spiele gesperrt. Direkt nach der Rückkehr ins Team war er im letzten Heimspiel gegen 1860 München wiederum ausfällig geworden und wurde vom Platz gestellt. Der Deutsche Fußball-Bund sprach diesmal eine Sperre von vier Spielen aus. So kann Djakpa erst am vierten Spieltag (21. September) wieder für die Eintracht in der Bundesliga gegen den Ball treten.

Der Trainer, der kurzzeitig die Geduld verloren hatte mit dem „eigentlich ganz sympathischen Kerl“, wie er ihn charakterisiert, ist längst wieder milde gestimmt. Veh hat Djakpa begnadigt, sicher auch aus wirtschaftlichen Gründen, muss die Eintracht den Spieler doch weiter bezahlen. Vor allem aber hatte es einen sportlichen Hintergrund, als Veh zu Beginn der Vorbereitung sagte, er habe nichts dagegen, wenn der Spieler bleibe. Es sieht ganz danach aus, als sollte sich dies als eine kluge Entscheidung herausstellen. Zwar hat Djakpa seinen Stammplatz an den Leverkusener Neuzugang Bastian Oczipka verloren, alleine schon, weil er zu Beginn der Saison nicht spielen darf.

„Der Trainer ist Chef“

Als zweiter Mann hinter Oczipka aber ist er eine willkommene Versicherung für die Eintracht und ihren Trainer. Die aus seiner Sicht nur vorübergehende Rolle als Reservist hat er bisher klaglos hingenommen und sich im Training ungewohnt konzentriert gezeigt. „Der Trainer ist der Chef“, sagt er. „Und was der Chef sagt, habe ich zu tun.“ Den Worten hat er Taten folgen lassen. Djakpa ist schnell, technisch beschlagen, mutig. Zudem präsentiert er sich bisher bei den vielen Trainingseinheiten auch körperlich in einer sehr guten Verfassung. „Ich schlafe sehr lange, deshalb bin ich so fit“, lautet seine Erklärung, „und ich denke nur an Fußball.“

In der Mannschaft ist er beliebt. Kapitän Pirmin Schwegler hat sich in den schweren Stunden der beruflichen Ungewissheit um den Mann von der Elfenbeinküste gekümmert. „Constant hat gelitten“, sagt Schwegler, „ich habe ihm Mut gemacht und ihn aufgefordert, bloß nicht aufzugeben.“ Der Zuspruch hat Djakpa gutgetan, den wohlgemeinten Rat des Spielführers hat er beherzigt. Er wolle der Mannschaft helfen, ihr etwas zurückgeben, versichert er. Und es klingt bei ihm im Unterschied zu manch einem anderen Kollegen nicht wie eine Floskel. Demütig ist der junge Mann geworden, nicht mehr ganz so sprunghaft wie noch in der letzten Saison. Und hat damit auch den kritischen Trainer vorläufig überzeugt. „Er kriegt die Chance, die er wollte“, sagte Veh am Samstag. „Bisher ist er sehr fleißig, alles ist total in Ordnung.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 3 3