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Veröffentlicht: 03.10.2015, 18:20 Uhr

Frankfurter Buchmesse Selbstbildnisse einer Nation aus Bambus und Beton

Indonesien ist Gastland der Frankfurter Buchmesse, die in wenigen Tagen eröffnet wird. Viele Ausstellungen bieten zur Einstimmung schon jetzt Einblicke in Kunst und Leben des Gastes.

von , Frankfurt
© dpa Indonesien kommt: Der Frankfurter Kunstverein hat sich eine Bambusfassade zugelegt.

Indonesien wird Teil der neuen Altstadt. Während mitten in Frankfurt Betonrohlinge entstehen, um mit Hilfe von Fachwerkaufbauten gute alte Zeit zu spielen, tritt dem deutschen Doppel von Täuschung und traditioneller Technik eine alte indonesische Bauweise zur Seite. Sie spielt ebenfalls mit der Situation, die sie vorfindet, gibt dem Ort aber einen weit ironischeren Dreh. Der 1976 auf Java geborene Joko Avianto verkleidet die Fassade des Steinernen Hauses mit Bambus und nutzt alte Kenntnisse des Bauens und Flechtens mit dem natürlichen Werkstoff. Für seine Installation hat er 1500 meterlange, eigens geschlagene und mit sorgfältiger Betreuung durch deutsche Ämter eingeführte Stangen der in ganz Asien genutzten Pflanze verwendet.

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Der Kunstanbau aus natürlichem Material ist das sichtbarste Zeichen des indonesischen Gastlandauftrittes auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die am 13. Oktober eröffnet wird und in den darauffolgenden Tagen rund 280.000 Besucher aus aller Welt auf das Messegelände und in die Frankfurter Innenstadt locken wird. Wie in jedem Jahr kommen Frankfurt und mit ihm das Rhein-Main-Gebiet in den Genuss zahlreicher Veranstaltungen und Ausstellungen, die noch weit mehr Bürgern einen in dieser Intensität überaus seltenen Einblick in die Gegenwartskunst und das Alltagsleben eines ganzen Landes ermöglichen. Von Tanz und Performance über Kunst bis hin zu Film und Architektur ist vor der Messe und während der Bücherschau für fast alle etwas dabei.

Militärdiktatur dauerte mehr als 30 Jahre

Seinen künstlerischen Bericht über das indonesische Leben setzt Avianto zusammen mit drei Kollegen im Inneren des Kunstvereins fort, der seit einigen Tagen die Ausstellung „Roots - Contemporary Indonesian Art“ präsentiert. „Pfefferminz und Politik enthalten beide künstliche Süßstoffe“, heißt es auf einem der Werke von Eko Nugroho. Das Misstrauen gegenüber der Politik ist angebracht im südostasiatischen Inselreich, das nach der Unabhängigkeit von den Niederlanden hoffnungsvolle Modernisierungsschritte einleitete, ehe es in der für viele blockfreie Staaten jener Zeit typischen Spaltung in links und rechts versank.

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Erst 1998 konnten die indonesischen Bürger die mehr als dreißig Jahre währende Militärdiktatur des Generals Suharto abschütteln, die aus dieser Krise des Nationalismus in den sechziger Jahren hervorgegangen war. In den seitdem vergangenen knapp zwei demokratischen Jahrzehnten hat das wirtschaftlich aufstrebende Land, dessen Wachstum sich zuletzt verlangsamte, um mehr Wohlstand gekämpft und mühsam versucht, sich von der asiatischen Neigung zur Herrschaft von Politclans zu verabschieden.

Ein Land aus tausenden Atollen

Auch aus diesem Grund hat der Wahlkampf des jetzigen Präsidenten Joko Widodo vor knapp einem Jahr im ganzen Land viele elektrisiert, bis hin zu einigen der Schriftsteller und Künstler, die ihre Werke in den nächsten Wochen in Frankfurter Kulturinstitutionen präsentieren, der Politik ihrer Heimat sonst aber meist skeptisch gegenüberstehen. Der ehemalige Gouverneur der Hauptstadt Jakarta mit ihren mehr als 20 Millionen Einwohnern hat auf Inseln Wahlkampf gemacht, von denen noch immer nicht alle über durchgehende Überlandstraßen verfügen.

Aus wie vielen Eilanden und Atollen das Land mit seinen rund 250 Millionen Bürgern genau besteht, weiß niemand. Seinen Gastlandauftritt hat es unter das Motto „17.000 Inseln der Imagination“ gestellt. Zu hören ist, dass selbst die Streitkräfte nur etwas mehr als 8000 der Inseln des Staatsgebiets mit Namen kennen. Jedenfalls sind es mehr als auf dem Plakat von Anna Jansen, das wir auf dem Titelblatt dieser Beilage abbilden und das in den nächsten Tagen in Frankfurt hier und da zu sehen sein wird.

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