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Volker Wieland : Aus Frankfurt in den Rat der Weisen

Weiser: Volker Wieland. Bild: Eilmes, Wolfgang

Der Anruf kam überraschend. Volker Wielands Berufung in den Rat der Weisen ist dennoch nachvollziehbar.

          Volker Wieland ist ein guter Erklärer. Wenn der Frankfurter Wirtschaftsprofessor wie am Montagabend beim F.A.Z.-„Bürgergespräch“ einem breiten Publikum kurz beibringen will, was Inflation ist, dann wirft er nicht mit Fachbegriffen wie Geldmenge M3 oder Umlaufgeschwindigkeit um sich. Er braucht dafür nur Brot, Wasser und zwei Zehn-Euro-Scheine. Wenn es in einer Volkswirtschaft nur zehn Laibe Brot, zehn Liter Wasser und zehn Euro als Tauschmittel gibt, dann kosten ein Laib Brot und ein Liter Wasser jeweils 50 Cent. Wird die Geldmenge nun aber auf 20 Euro erweitert, hebt jeder, der einen Laib Brot oder einen Liter Wasser zu verkaufen hat, den Preis automatisch auf einen Euro an. So einfach kann das sein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vielleicht ist gerade Wielands Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen, dabei aber inhaltlich korrekt zu bleiben, ein Grund dafür, dass die Bundesregierung ihn nun in ihr wichtigstes wirtschaftliches Beratungsgremium berufen hat. Von Freitag an ist der Professor der Frankfurter Goethe-Universität einer der fünf Wirtschaftsweisen, die einmal im Jahr der Kanzlerin ihren Bericht zur gesamtwirtschaftlichen Lage des Landes nebst Handlungsempfehlungen zu deren Verbesserung überreichen.

          Obwohl er schon lange als Kandidat gehandelt wurde, habe ihn der Anruf im vergangenen November überrascht, sagt Wieland, der am 6.Februar 1966 in Aalen geboren wurde. Sein Lebenslauf scheint jedoch geradezu darauf gezielt zu haben, die Bundesregierung in dieser schicksalhaften Zeit für den Euro als Geldpolitikexperte zu beraten. Schon in seiner Doktorarbeit setzte er sich mit der Frage auseinander, wie Zentralbanken Entscheidungen treffen können, deren Auswirkungen nicht absehbar sind, und wie sie dann aus den Folgen für die Zukunft lernen können. Nach der Promotion an der Stanford Universität in Kalifornien beriet er fünf Jahre lang die amerikanische Notenbank Federal Reserve unter Alan Greenspan. Dass er im Jahr 2000 dann nach Frankfurt kam, begründete er einmal mit dem Satz: „Mich reizte das Riesenexperiment, das mit der Einführung des Euro gestartet wurde.“

          Wie das Experiment weitergeht, kann er nun als offizieller geldpolitischer Berater der Bundesregierung mitgestalten, auch wenn der Sachverständigenrat schon manches Mal darüber geklagt hat, dass die Politik zu wenig auf seine Ratschläge höre. Seinen Aufgaben an der Goethe-Universität wird er weiter nachkommen. Seit 13 Jahren lehrt und erforscht er hier nun schon Geldtheorie und -politik und hält zum Beispiel über die von ihm jährlich ausgerichtete Konferenz „ECB and its watchers“ engen Kontakt zur Europäischen Zentralbank und zu anderen Notenbanken. Der selbsternannte Neu-Keynesianer ist Mitglied im Kronberger Kreis, der sich für die freiheitliche Ordnung der Märkte einsetzt.

          Wieland befürchtet, dass er durch die zusätzliche Arbeit als Wirtschaftsweiser weniger Zeit zum Forschen hat. Von seiner „ohnehin schon knappen Freizeit“ wolle er nicht noch mehr hergeben. Schließlich gibt es auch zu Hause genug zu tun: Wieland und seine Frau, ebenfalls eine Ökonomin, haben eine zwei Jahre alte Tochter.

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